Berlin

Ein Himmel voller Flugzeuge – Besuchertag bei der ILA

Zehntausende genießen bei Sommertemperaturen die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung

Die Sonne scheint, ein paar zarte Schleierwolken ziehen über den Himmel, die Shuttlebusse sind pünktlich. Eigentlich hätte alles so schön starten können – aber dann gibt es doch wieder, typisch Berlin, Chaos. Zwar schien alles perfekt vorbereitet für die zwei Besuchertage der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung am westlichen Rand des BER. Aber weil die Boeing 747-800 am Morgen zu spät kommt, müssen die Besucher gleich zu Beginn erst mal warten. „Aus Sicherheitsgründen mussten die Eingänge so lange geschlossen bleiben“, entschuldigte Sprecher Wolfgang Rogall vom Veranstalter Messe Berlin später den verzögerten Start.

Dann aber lief alles nach Plan – beziehungsweise es flog. Denn auch wenn es in den Ausstellungshallen ums umweltfreundliche Fliegen, um recycelbare Flugzeugmaterialien oder spannende Zukunftsberufe geht – die Attraktionen der ILA starten, landen und stehen an der südlichen Landebahn. Rund 50.000 Besucher wurden für den ersten Tag erwartet, um Raritäten wie das allergrößte Flugzeug der Welt, die Frachtmaschine Antonow An-225, zu bestaunen, das größte Passagierflugzeug der Welt, die A380, oder den Airbus Beluga, der ein gigantisches „Maul“ zum Aufklappen hat und das größte Transportvolumen. Mehr als 200 Fluggeräte sind ausgestellt, darunter so viele Großgeräte wie nie.

Zu den ersten Besuchern gehört Karl-Heinz-Winkler, der eigens aus München angereist ist. Seit 40 Jahren besucht er die ILA, die früher in Hannover stattfand und seit 1992 in Berlin. Mit Rucksack, Stativ und Basecap gehört der 71-Jährige zu den gut vorbereiteten Gästen. Winkler, von Beruf früher Krankenpfleger, interessiert sich vor allem für Triebwerke und Getriebe, seine Begleitung Silvia Koch dagegen für die Flugshows und die zivilen Passagiermaschinen. Im luxuriösen A380 der Fluglinie Emirates ist sie am Vortag schon gewesen, hat die Bar, die luxuriösen Bäder und auch das Outfit der Flugbegleiterinnen bewundert. „Außerdem war ich bei den Astronauten“, erzählt sie aufgeregt, zusammen mit einer Schar Kinder. „Sie haben viele Fragen gestellt.“ Schon am Freitag hatten 1000 Berliner und Brandenburger Schüler einen ganz besonderen Schultag: das fliegende Klassenzimmer live auf der ILA sozusagen.

Von Flüsterdrohnen bis zu brüllenden Starfightern

Alle anderen dürfen seit Sonnabend und auch am heutigen Sonntag ganz nah ran an die großen Flieger. Wie Maximilian, 9, aus Magdeburg, der mit seinen Eltern Torsten und Ina Fraaß frühmorgens aus Magdeburg losgefahren war. Torsten Fraaß war zu DDR-Zeiten bei der Luftwaffe. „Da interessiert man sich natürlich für das Thema.“ Während die Eltern interessiert dem Beluga in den Bauch schauen, sagt der Sohn: Er finde ja die Kampfflugzeuge am besten. Und ist damit nicht allein.

Schon am Morgen sammelten sich viele Interessierte um die Militärmaschinen. Von Flüsterdrohnen bis zu brüllenden Starfightern und Flugabwehrsystemen reicht die Technik. Fliegerischer Höhepunkt sind am Vormittag zwei Eurofighter, die zeigen, wie sie zivilen Kleinflugzeugen Schutz geben. Das winzige Flugzeug ruft zuvor kurz mit einem „Wackeln“ der Tragflächen um Hilfe. „Der hätte vielleicht abgeschossen werden können, deswegen musste der Starfighter den schützen“, erklärt ein Achtjähriger seiner Oma und schüttelt den Kopf, als die entgegnet: „Man muss doch nicht immer gleich schießen!“

Doch darum geht es letztlich auf der ILA natürlich auch. Nicht ganz unerwartet ist ein großer Teil der ILA-Besucher männlich. Lange Objektive, Videokameras, geballtes Fachwissen sammeln sich am Flugfeldrand. Das größte Gedränge herrscht an den Militärmaschinen. Kurz vor elf Uhr sorgt ein sogenannter Sarajewo-Approach für ein Raunen im Publikum, die steile Landung einer Transall der Bundeswehr sei nötig, „weil man nicht weiß, ob im Umfeld Feinde sind“, so ein Sprecher, als sei die bosnische Hauptstadt tatsächlich noch eingekesselt. Als Erstes springt dann aus dem Flugzeug ein „AMPT-Team“ der Bundeswehr, lernen die Zuschauer. „Sie stellen sicher, dass keine Angriffe aus dem Hinterhalt stattfinden.“

Es folgt ein Schwarm Hubschrauber und später der Höhepunkt: Die Volten und Steilflüge der spanischen „Patrulla Águila“, eines Kunstflugteams mit C-101, zeichnen ein friedlicheres Bild an den Himmel. Die Maschinen gelten zwar als „leichte Erdkampfflugzeuge“, an diesem Tag hinterlassen sie aber über den Zuschauern nur gelbrote Streifen in den royalen Farben Spaniens.

Gegen Mittag riecht es am Flugfeldrand nach Kerosin, Bier und Schweiß. Immer mehr Besucher suchen in Zelten und Hallen Schutz vor der Sonne. In einem Zelt können Bundeswehr-Feldpostkarten geschrieben werden: „Grüße vom Deutschen Einsatzkontingent Erbil/ Nordirak“. Nebenan gibt es eine Bundeswehr-Tombola für Kinder. Gedrängel herrscht im „Karrierezelt“ der Bundeswehr, wo es Technik zu sehen gibt wie ein Triebwerk des Eurofighters, 80.000 PS, „und das mal zwei“, wie Fluggerätemechaniker Florian M. erklärt. Er ist Bundeswehrsoldat in Erding bei München, sein Auftrag ist, für seinen Beruf und den Arbeitgeber zu werben. Doch die meisten technischen Fragen, sagt der Soldat, haben bisher die älteren Besucher gestellt, „Planespotter“ und anderen Interessierte. „Die jungen Leute gucken oft nur und trauen sich nicht zu fragen, dabei sind wir doch für sie hier.“

Auch am Sonntag wird die spanische Flugstaffel noch einmal fliegen, geplant ist auch eine Vorführung der Bundeswehr mit bis zu 20 Flugzeugen in der Luft sowie Kunstflüge von sogenannten Freifallern, die sich kurz vor der Landung fangen. Und am späten Nachmittag heben die „Riesenvögel“ Beluga, A380 und Co. wieder ab – zum Abflug, bis zum nächsten Wiedersehen.