Berlin

Neuer Feuerwehrchef für Berlin

Behördenleiter kommt aus Baden-Württemberg. Einigung zwischen Gewerkschaften und Innenverwaltung

Nach der Polizei steht nun auch bei der Berliner Feuerwehr ein Führungswechsel an. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll Karsten Homrighausen, derzeit Landesbranddirektor in Baden-Württemberg, neuer Feuerwehrchef von Berlin werden. Der 49-Jährige wird Wilfried Gräfling ablösen, der am 31. Juli planmäßig in den Ruhestand gehen wird. Für eine Stellungnahme war Homrighausen am Sonnabend für die Berliner Morgenpost nicht zu erreichen.

Der 49-Jährige ist im Stuttgarter Innenministerium neben seiner Funktion als Landesbranddirektor auch als Referatsleiter zuständig für alle Angelegenheiten des Feuerwehrwesens und des Brandschutzes. Homrighausen ist verheiratet, hat drei Kinder und ist seit 1982 Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr. Während seines Referendariates arbeitete er bei den Berufsfeuerwehren in Dortmund, Köln, Kiel und Stuttgart. Homrighausen gilt als Experte auf dem Gebiet des Katastrophenschutzes. Als Abteilungsleiter in der Branddirektion Stuttgart war er jahrelang als Abteilungsleiter „Einsatz“ für den operativen Einsatz zuständig.

Mit dem bisherigen Landesbranddirektor geht auch ein Berliner Urgestein. Der in Gelsenkirchen geborene Gräfling trat nach seinem Studium im Jahr 1983 in die Berliner Feuerwehr ein und wurde 2001 Vertreter des Landesbranddirektors, bevor er das Amt 2006 von seinem Vorgänger Albrecht Broemme übernahm.

Immer mehr und immer anspruchsvollere Einsätze einerseits, eine veraltete Technik, fehlendes Personal und Probleme, geeigneten Nachwuchs zu finden, andererseits – damit hatte Gräfling in den vergangenen zwölf Jahren hauptsächlich zu kämpfen. Dabei bestand seine Aufgabe vor allem darin, die Feuerwehr so aufzustellen, dass diese ihre Aufgaben mit den vorhandenen Ressourcen bestmöglich bewältigen kann. Quer durch die Behörde wird der durchsetzungsstarke Gräfling geachtet und für sein großes Fachwissen geschätzt.

Feuerwehr steht vor gewaltigem Umbruch

Und dennoch steht die Berliner Feuerwehr vor einem gewaltigen Umbruch. Noch nie in ihrer Geschichte musste die Feuerwehr zu so vielen Einsätzen ausrücken. Gleichzeitig plagt die Behörde ein ungewöhnlich hoher Krankenstand. Wie berichtet, verbuchte die Behörde allein seit Jahresbeginn 1386 Außerdienststellungen von Löschfahrzeugen und Dutzende Ausnahmezustände im Rettungsdienst. Neben einem hohen Krankenstand – im Schnitt ist jeder verbeamtete Feuerwehrbedienstete 48 Tage im Jahr krank – werden ein neues Dienstplanmodell, die im Bundesvergleich schlechte Bezahlung, zu niedrige Zulagen und ein stark verbesserungswürdiges Alarmierungssystem in der Leitstelle der Feuerwehr für die aktuelle Situation verantwortlich gemacht.

Mit der von Gewerkschaften initiierten Aktion „Berlin brennt“ haben die Feuerwehrleute die Politik in eine Diskussion gezwungen. Innensenator Andreas Geisel (SPD) besuchte die Demonstranten an der brennenden Tonne vor dem Roten Rathaus mehrmals. Nun zeichnet sich nach Informationen der Berliner Morgenpost eine konkrete Einigung ab. In einem gemeinsamen Papier haben sich Gewerkschaftsvertreter von Verdi, der Gewerkschaft der Polizei (GdP), der Feuerwehrleitung und der Innenverwaltung auf die Einführung einer 44-Stunden-Woche im Zwölf-Stunden-Schichtrhythmus geeinigt. Vorher gab es eine 48-Stunden-Woche.

Zudem soll die Feuerwehrzulage auf 133,75 Euro rückwirkend zum 1. Januar 2018 erhöht und etwa auch auf Mitarbeiter der Leitstelle ausgeweitet werden. Bisher bekamen diese Zulage die Kollegen, die ins Feuer gingen. Geplant wird auch eine Aufnahme der Notfallsanitäter in den Tarifvertrag Öffentlicher Dienst (TV-L) ab April 2019. Einigung erzielten die Parteien auch bei der Vergütung der Überstunden. Demnach sollen geleistete Überstunden ausbezahlt werden – aber 480 Stunden maximal pro Jahr rückwirkend für die vergangenen drei Jahre. Die Auszahlungen sollen in den kommenden Monaten stattfinden. Neu ist auch, dass eine große Werbekampagne zum richtigen Gebrauch des Notrufes gestartet werden soll. Darüber hinaus soll die Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankentransportunternehmen ausgebaut werden.

Aus dem GdP-Vorstand kommen zustimmende Aussagen. „Die Gespräche haben zu ersten Erfolgen geführt, um die prekäre Situation in der Feuerwehr zu verbessern. Die Absenkung der Arbeitszeit ist der größte Erfolg seit 15 Jahren“, sagte GdP-Vorstand Michael Schombel der Berliner Morgenpost.