Berlin

Nur mit Fingerabdruck aufs Schulgelände

Elektronische Zugangskontrolle soll Fremde aussperren und damit Sicherheit erhöhen

Die Spandauer CDU will Schulen sicherer gestalten und macht einen ungewöhnlichen Vorstoß: Der Eingang zum Schulgelände soll mittels Fingerabdruck-Scanner elektronisch kontrolliert werden. So soll ermöglicht werden, dass alle Schüler und Lehrer in ihre Schule kommen, nicht aber Fremde. Der Fingerabdruck aller Zugangsberechtigten wäre dann elektronisch gespeichert und könnte vom Gerät erkannt werden. Der Vorschlag ist Teil des Leitantrags „Zukunft. Schule“, den die Spandauer CDU am Freitagabend auf ihrem Kreisparteitag beschlossen hat.

„Auch an den Spandauer Schulen häufen sich Gewaltvorfälle“, heißt es zur Begründung. Elektronische Zugangskontrollen mittels Fingerprint könnten schulfremde Personen besser vom Schulgelände und somit Gewalt von außen fernhalten. Zudem könnten Eltern bei Bedarf per SMS darüber informiert werden, dass das Kind sicher in der Schule angekommen ist.

Jüngst sorgten Gewaltvorfälle an der B.-Traven-Gemeinschaftsschule am Recklinghauser Weg (Falkenhagener Feld) für Schlagzeilen. Vor zwei Wochen randalierten dort zwei Jugendliche und griffen nach Polizeiangaben den Rektor an, der sie des Schulgeländes verweisen wollte. Laut Polizei schub-sten sie ihn, er stürzte und verletzte sich. Da dies nicht der erste Zwischenfall mit schulfremden Jugendlichen war, stellte die Schule einen Antrag auf Wachschutz, den Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) unterstützte. Die Wachschützer nahmen in dieser Woche ihre Arbeit auf.

Für die Spandauer CDU seien elek­tronische Zugangskontrollen nur die zweitbeste Lösung, erklärte CDU-Kreisvorstandsmitglied Thorsten Schatz. Sinnvoller wären Hausmeisterassistenten, die für Ordnung und Sicherheit sorgen könnten. „Durch ein vom damaligen SPD/CDU-Senat eingeführtes Pilotprojekt konnten berlinweit 200 Hausmeisterassistentenstellen geschaffen werden. Das Projekt wurde jedoch von der rot-rot-grünen Koalition Ende 2017 ersatzlos gestrichen“, kritisiert die Bezirksunion.

„Pin-Code könnte weitergegeben werden“

Gegen Zugangskontrollen mit einer Chipkarte spreche, dass Schüler die Karte leicht vergessen oder verlieren könnten, erläuterte Schatz. Der Pin-Code eines Zahlenschlosses könne an andere Kinder und Jugendliche, auch schulfremde, weitergeben werden. „Seinen unverwechselbaren Fingerabdruck hat aber jeder Mensch immer bei sich“, sagte er der Berliner Morgenpost.

Der Vorschlag für elektronische Zugangskontrollen stößt vielfach auf Ablehnung. Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) will zwar nichts ausschließen, um die Sicherheit an den Schulen zu gewährleisten. „Die Maßnahmen müssen aber angemessen sein, und man muss sehr genau abwägen, welche unerwünschten Nebenwirkungen sie haben“, sagte er auf Anfrage. „Im Moment gibt es keine Spandauer Schule, in der man das von der CDU vorgeschlagene System ernsthaft in Erwägung ziehen müsste“, erklärte Kleebank. Sein Vorschlag: Stattdessen sollten andere Sicherheitsvorkehrungen geprüft werden. Als Beispiele nannte er das Verschließen der Eingangsbereiche, eine Anmeldepflicht für Besucher oder auch eine Schülereingangskontrolle für die Kinder und Jugendlichen. „Sie müssten dann den Schülerausweis vorzeigen“, sagte Kleebank.

Der SPD-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, lehnt die Idee strikt ab. „Ich bin grundsätzlich dagegen, dass von unbescholtenen Kindern Fingerabdrücke gespeichert werden“, sagte Saleh. Zudem bestehe die Gefahr, dass die Daten missbraucht werden. Der bildungspolitische Sprecher der FDP, Paul Fresdorf, hält den Vorschlag für „maßlos übertrieben“. SPD-Bildungsexpertin Maja Lasić sagte: „Die CDU hat vor lauter Sehnsucht nach Schlagzeilen anscheinend das Gefühl für Maß verloren.“

Auch die Lehrergewerkschaft GEW lehnt den Vorschlag ab. Deren Vorsitzender Tom Erdmann betonte: „Schulen sollen Lern- und Lebensraum für Kinder und Jugendliche sein, kein Hochsicherheitsbereich.“ Um Gewalt an Schulen zu begegnen, sollen in erster Linie pädagogische Maßnahmen greifen – mehr Sozialarbeiter und weniger Arbeitsbelastung für Lehrkräfte. „Der Vorschlag geht komplett an der Realität vorbei, wenn ich mir vorstelle, dass manche Schulen Dutzende Eingangstüren haben“, sagte Erdmann.

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