Kriminalgericht

Jungen getreten? Freispruch für Grundschullehrerin

Eine Lehrerin soll einen sechsjährigen Jungen getreten haben. Der Richter sah dafür zu wenig Beweise und sprach die Angeklagte frei.

Die angeklagte Lehrerin verwies darauf, dass sie als erfahrene Pädagogin wisse mit den Schülern richtig umzugehen (Archiv)

Die angeklagte Lehrerin verwies darauf, dass sie als erfahrene Pädagogin wisse mit den Schülern richtig umzugehen (Archiv)

Foto: Mohssen Assanimoghaddam / dpa

Berlin. Der neunjährige Max B.* ist absolut glaubhaft. Er schaut den Strafrichter im Moabiter Kriminalgericht aufmerksam an, überlegt, bevor er redet und macht auch keinen Hehl daraus, wenn er sich an Details nicht mehr richtig erinnern kann. Ganz genau weiß er noch, dass die Lehrerin Irene R. Anfang Juli 2015 in seiner Grundschule in Prenzlauer Berg während der Pausenaufsicht seinem sechsjährigen Mitschüler Paul M. von hinten mit dem Knie ins Gesäß trat. Paul habe anschließend geweint.

Die 59-Jährige muss sich nun wegen Körperverletzung im Amt verantworten. Sie bestreitet den Vorwurf; lässt über ihren Anwalt verkünden, dass es sich „um einen alltäglichen Vorgang in der Schule“ gehandelt habe: Zwei Schüler seien auf dem Pausenhof in Streit geraten. Sie habe „Aufhören!“ gerufen und, als das nichts brachte, die Schüler an die Oberarme gefasst und getrennt.

Richtige Zeugen in diesem Prozess sind eigentlich nur die beiden Jungen. Maximilian hatte abends den Vorfall seiner Mutter erzählt. Die 39-Jährige war empört. Sie ist Elternsprecherin und rief dann auch gleich bei der Mutter von Paul M. an. Die wiederum informierte ihren Ex-Mann Willi M. Der sprach erst mit seinem Sohn, der den Tritt bestätigte, und holte sich anschließend einen Termin beim Direktor der Schule.

Staatsanwältin zweifelt nicht an Glaubwürdigkeit der Zeugen

Auch Irene R. war bei diesem Gespräch dabei. Sie sei uneinsichtig gewesen und habe darauf verwiesen, dass sie als erfahrene Pädagogin am besten wisse, wie sie mit den Schülern umzugehen habe, sagt Willi M. vor Gericht. Deswegen habe er nach dem Gespräch Strafanzeige erstattet. Es habe ja auch schon andere Vorfälle gegeben. In einem Fall hat sie einem Schüler ins Ohr gebrüllt. Dafür habe sie sich später offiziell entschuldigt. In einem anderen Fall habe sie seinen Sohn nicht austreten lassen, so Willi M. Der Junge habe sich in die Hose gemacht und wurde von Mitschülern ausgelacht.

Die Staatsanwältin sagt bei ihrem Plädoyer, dass sie keine vernünftigen Zweifel an den Aussagen der Jungen habe. Vor allem Maximilian B. habe sie überzeugt: „Er war nicht selbst betroffen; welches Motiv sollte er haben, die Lehrerin zu Unrecht zu belasten?“ Sie beantragte für die Angeklagte eine Geldstrafe von 9600 Euro. Der Richter sah es anders. „Die Erziehungsmethoden der Angeklagten sind auf das berechtigte Unverständnis zahlreicher Eltern gestoßen“, sagte er. Dennoch reichten ihm die Beweise nicht aus. Es bliebe nur ein Freispruch: „Im Zweifel für die Angeklagte.“

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