Berlin-Mitte

Investor reißt Altersheim am Hackeschen Markt ab

Der Investor will in Bestlage einen lukrativen Neubau errichten. Dafür müssen in Mitte Dutzende Heimbewohner raus aus ihrem Zuhause.

Die Seniorenresidenz an der Rosenthaler Straße muss einem Neubau weichen

Die Seniorenresidenz an der Rosenthaler Straße muss einem Neubau weichen

Foto: Massimo Rodari

Berlin. Zwei Jahre mussten die Bewohner des Seniorenheims „Residenz Vis à vis der Hackeschen Höfe“ in der Rosenthaler Straße um ihr Heim bangen. Seit dieser Woche herrscht nun Gewissheit: Die 245 Senioren müssen ihr Altersheim verlassen. Und zwar schnell. Bereits in sieben Wochen – bis zum 30. Juni – müssen alle Einwohner raus.

177 Menschen kehren in ihre Einrichtung „Genthiner Straße“ zurück, die zurzeit noch renoviert wird. Sie waren nur zwischenzeitlich an den Hackeschen Höfen untergebracht. Die 78 Stammbewohner der Rosenthaler Straße aber müssen in ein anderes Heim des Trägers Pro Seniore ziehen. Denn das 20 Jahre alte Haus in bester Lage in Mitte soll abgerissen werden, die Senioren müssen einem Neubau samt Büros weichen.

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„Mir steht es bis hier“, schimpft die 93 Jahre alte Irma Markert und zieht mit ihrer Hand auf Augenhöhe eine Linie. Seit siebeneinhalb Jahren lebt sie in dem Heim in der Rosenthaler Straße. „Ich hatte immer die Hoffnung, dass ich hier bis zu meinem Tod leben kann“, sagt sie. „Die Stimmung im Heim ist zurzeit mies.“

Neues Seniorenheim an der Rosenthaler Straße geplant

Immerhin ein kleiner Trost bleibt den Senioren: Die Gemeinschaft der Rosen­thaler Straße soll zum Großteil zusammenbleiben. „Die Stammbewohner in der Pflege werden künftig in unserer Einrichtung ,Am Märchenbrunnen‘ versorgt. Die Senioren im betreuten Wohnen können zwischen unseren Einrichtungen am Kurfürstendamm und in der Wasserstadt in Spandau wählen“, sagt Peter Müller, Pressesprecher von Pro Seniore.

Weiter erklärt er, dass auch im Neubau an der Rosenthaler Straße wieder eine Seniorenresidenz geplant sei und Stammbewohner dann zurückkehren könnten. Aber während derzeit in dem Altersheim insgesamt 254 Senioren untergebracht werden können, wird es in dem Neubau nur noch betreutes Wohnen und keine Pflege mehr geben. Heute leben in dem Heim 49 Pflegebewohner. Das neue Seniorenheim dürfte also deutlich kleiner werden.

„Ich finde es schäbig, dass es über zwei Jahre hier eine Hängepartie gab und dass jetzt die größte Senioreneinrichtung im Kiez schließt“, sagt die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, Silke Gebel. Für ihre Partei geht es um nichts weniger als um die Verdrängung von Senioren aus den hippen Berliner Stadtbezirken. „Für die Menschen, die hier zum Teil seit Jahren untergebracht sind, ist es eine Katastrophe den Kiez wechseln zu müssen,“ sagt Gebel.

Irma Markert jedenfalls will sich so schnell wie möglich ihr neues Heim am Kurfürstendamm ansehen. „Hier hatte ich zwei Zimmer, dort gibt es aber nur Ein-Zimmer-Appartements. Dann will ich wenigstens ein schönes bekommen.“

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