Statistik

Kampfhunde attackieren 39 Menschen in Berlin

In Berlin haben als gefährlich eingestufte Hunde im vergangenen Jahr 39 Menschen verletzt oder bedrohlich angesprungen.

Am häufigsten bissen in Berlin American Staffordshire-Terrier zu

Am häufigsten bissen in Berlin American Staffordshire-Terrier zu

Foto: Photo Artist Winni / ddp images/Photo Artist Winni

Inzwischen ermittelt der Staatsschutz, doch noch fehlt von den beiden Männern jede Spur: Am vergangenen Freitag sollen sie ihren Pitbull vor einem Café in der Margaretenstraße (Lichtenberg) auf einen 36 Jahre alten Türken gehetzt und dabei „Ausländer raus“ gegrölt haben. Der Mann wurde ins Bein gebissen und musste im Krankenhaus behandelt werden. Nach Angaben der Polizei packte einer der Männer die 56-jährige deutschtürkische Begleiterin am Hals und stieß sie zu Boden. Passanten alarmierten die Polizei. Das Duo flüchtete. Offenbar waren die Opfer derartig geschockt, dass keine Personenbeschreibung vorliegt.

In Berlin haben als gefährlich eingestufte Hunde im vergangenen Jahr 39 Menschen verletzt oder bedrohlich angesprungen. Das ist ein registrierter Vorfall mehr als im Jahr davor. In 41 Fällen verletzten die Tiere ausschließlich andere Hunde, im Jahr davor wurden mit 64 weitaus mehr Fälle gemeldet. Am häufigsten bissen American Staffordshire-Terrier zu. In 16 Fällen attackierten sie Menschen, in 15 andere Hunde. Derzeit gelten nach der Berliner Verordnung die folgenden Rassen und ihre Kreuzungen als gefährlich: Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Bullterrier sowie Hunde aus Kreuzungen aus diesen Rassen.

Diese Hunderassen gelten als "Kampfhunde"

Diese Hunderassen gelten als gefährlich
Diese Hunderassen gelten als "Kampfhunde"

982 Hundebissvorfälle im vergangenen Jahr

Die Senatsverwaltung für Justiz weist in der neuen Statistik über die Hundebissvorfälle 2017 insgesamt weniger Angriffe von Hunden aus. Im Berliner Stadtgebiet kam es demnach zu 982 Vorfällen, das waren 112 weniger als 2016. Die Statistik liegt der Berliner Morgenpost exklusiv vor.

Wer führt die Biss-Statistik an? Am häufigsten haben erneut Mischlinge zugebissen: 149 Mal verletzten oder sprangen sie Menschen an, in 83 Fällen wurden Hunde verletzt. „Gefährliche Mischlinge“ attackierten hingegen in elf Fällen Menschen, Hunde in 13 Fällen.

Auf Platz zwei finden sich nicht bestimmbare Rassen mit 111 Attacken auf Menschen und 75 auf Hunde. Auf Platz drei der Statistik landete auch 2017 wieder der Deutsche Schäferhund. In 56 Fällen verletzte er Menschen oder sprang sie bedrohlich an, in 39 Fällen wurden Hunde verletzt. Platz vier belegt der Rottweiler mit 23 Attacken auf Menschen und 17 auf Hunde. Auf Platz fünf: Golden Retriever und Labrador Retriever, die Statistik weist 22 Attacken auf Menschen aus, 15 auf Hunde.

„Wenn die Zahl der Fälle, bei denen Menschen von Hunden verletzt oder angesprungen werden, zurückgeht, ist das erfreulich“, so Michael Reis, stellvertretender Sprecher der Senatsjustizverwaltung. „Die vergangenen Jahre haben aber auch gezeigt, dass es bei den Fallzahlen immer wieder Schwankungen gibt.“

Im Tierheim sind derzeit 42 Listenhunde untergebracht

Der Rückgang überrascht insofern, als die Zahl der Hunde in der Stadt gestiegen ist: 105.836 waren 2017 angemeldet, 1079 mehr als im Jahr davor. Die meisten Hunde in der Hauptstadt sind laut Morgenpost-Recherche im Bereich des Finanzamts Marzahn-Hellersdorf gemeldet – hier lebten Ende 2017 10.779 Hunde, danach folgen Reinickendorf (10.332), Lichtenberg (8775), Treptow-Köpenick (8746) und Neukölln (8342). Die wenigsten Hunde sind beim Finanzamt in Schöneberg gemeldet – lediglich 2812. Der Hundebestand in Berlin wird nicht nach Rassen erfasst. Seit der im Juli 2000 eingeführten Anzeigepflicht wurden der Senatsverwaltung für Justiz etwa 7000 sogenannte Kampfhunde angezeigt. In den vergangenen Jahren wurden weniger solcher Hunde gemeldet.

„Viele von ihnen landen im Tierheim. Es findet sich schwer für sie ein neues Frauchen oder Herrchen. Derzeit sind 42 Listenhunde bei uns im Tierheim, das sind etwa 16 Prozent der derzeitigen Hunde“, sagte die Sprecherin des Tierschutzvereins, Annette Rost. „Manche sind schon jahrelang da. Dabei ist das aggressivste Tier, das derzeit bei uns ist, ein Cockerspaniel.“

Tierschützer kritisieren die Einordnung. Sie argumentieren, dass es durchaus auch Kampf-Schmusehunde gebe, während andere Hunderassen oder Mischlinge durchaus gefährlich werden können. Denn es liege häufig an falscher Erziehung oder schlechten Erfahrungen, wenn Hunde aggressiv werden. Die Diskussion wird befeuert durch den Staffordshire-Mischling Chico, der seine beiden Besitzer, eine 52 Jahre alte Frau und ihren 27-jährigen Sohn getötet hat und daraufhin eingeschläfert wurde.

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