Victoriahaus

Riesenseerose bald wieder im Botanischen Garten zu sehen

Nach zwölf Jahren öffnet im Juni wieder das Victoriahaus im Botanischen Garten. Die Riesenseerose darin wird ganz neu inszeniert.

Das Tropenhaus mit dem Victoriahaus ist das zentrale Element des Botanischen Gartens

Das Tropenhaus mit dem Victoriahaus ist das zentrale Element des Botanischen Gartens

Foto: euroluftbild.de/Robert Grahn / euroluftbild/FUNKE Foto Service

Berlin.  Als die Tür sich öffnet, verschlägt es einem den Atem. 34 Grad, mehr als 80 Prozent Luftfeuchtigkeit – für einen Moment ist das wie eine Wand. So fühlt sich das Tropenparadies an, so lieben es die Sumpf- und Wasserpflanzen im Botanischen Garten, ganz besonders die Riesenseerosse Victoria. Seit zwölf Jahren breitet sich die Pflanze aus Südamerika erstmals wieder in ihrem Becken im Gewächshaus aus. Ihre typischen kreisrunden Blätter bedecken bereits das Wasser.

Noch ist die Tür des nach ihr benannten Victoriahauses für Besucher geschlossen. Aber der Eröffnungstermin steht jetzt fest: Am 15. Juni wird der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), um 13.30 Uhr die weltweit wichtigste Wasserpflanzen-Sammlung eröffnen. Ab dem darauffolgenden Wochenende können alle Besucher hinein.

Vortrag erklärt, warum Seerosen schwimmen

Die Wiederinbetriebnahme des Gewächshauses wird mit einem „Victoria-Sommer 2018“ im Botanischen Garten gefeiert. Am Eröffnungswochenende bezahlen die Besucher nur den „1-Euro-Victoriatarif“. Wegen des zu erwartenden Andrangs, werde das Victoriahaus wahrscheinlich bis 24 Uhr öffnen, sagt Gesche Hohlstein, Biologin und Sprecherin des Botanischen Gartens. Ab dem Eröffnungswochenende wird die Riesenseerose bis Ende August mit den Victorianächten jeden Sonnabend von 20 bis 24 Uhr gefeiert. Eine Ausnahme macht der 21. Juli, an dem die Botanische Nacht stattfindet.

In den Sonderveranstaltungen wird es einen Victoria-Talk geben, in dem zum Beispiel die Frage geklärt wird, wie die Seerosen schwimmen lernten. Gärtner erzählen über Kunst- und Kulturgeschichte der Seerose. „Etwa eine halbe Stunde dauern die Gespräche, die eher einen bunten als einen wissenschaftlichen Anspruch haben“, sagt Hohlstein.

In einem Umlauf um das Becken, haben die Besucher nicht nur die Riesenseerosen nun immer im Blick. In den kleinen Randbecken sind Wasserhyazinthen, Schlangenkakteen, Mimosen und Lotusblumen zu sehen. Per Videoprojektor kann das Aufblühen der Seerose im Zeitraffer erlebt werden. Denn die Pflanze, deren Blätter ein Gewicht von bis zu 50 Kilogramm tragen können, blüht in der Natur nur eine Nacht lang.

Eigentlich sollte die Riesenseerose schon längst wieder zu sehen sein. Seit November 2016 ist die Sanierung des Victoriahauses abgeschlossen, im Fe­bruar oder März 2017 hätten die Keimlinge gepflanzt werden müssen, aber die Becken blieben leer und kahl. Der Direktor des Botanischen Gartens, Thomas Borsch, hatte die Notbremse gezogen. Zu wenig Personal, ein zu kleines Budget – Borsch konnte es nicht verantworten, seinen wenigen Gärtnern noch mehr Arbeit zu übertragen. So blieb das Victoriahaus ein weiteres Jahr geschlossen, bis es jetzt wieder bepflanzt wurde.

„Wir konnten unsere eigenen Einnahmen steigern“, sagt Gesche Hohlstein. Zum Beispiel mit dem schon traditionellen Weihnachtsevent „Christmas Garden“. Dadurch hätte der Garten wieder mehr Spielraum bekommen. Aber auch die Zuschüsse, sowohl von der Freien Universität, zu der der Botanische Garten gehört, als auch vom Senat hätten sich erhöht. Das habe zwar noch nicht alle Probleme lösen können. So gebe es immer noch Beete und Bereiche, die wegen Personalmangels nicht bewirtschaftet werden können.

Neu gestaltet wurde auch das Untergeschoss des Victoriahauses. In den 19 Schaubecken sind unter anderen ein Korallenriff, ein Reisfeld und die Riesenseerose von unten mit ihrem überaus stabilen Geflecht zu sehen.

Immer wieder das Problem: fehlendes Personal

Das Victoriahaus wurde 2006 aufgrund seines schlechten baulichen Zustandes für die Besucher geschlossen. Erst im Sommer 2013 konnte die denkmalgerechte Sanierung starten, der Senat hatte schließlich zehn Millionen Euro dafür zur Verfügung gestellt. Im Juli 2015 sollte Wiedereröffnung sein. Die musste wegen Baumängeln aber abgesagt werden – einige Becken waren undicht. Ein Jahr später musste die Eröffnung erneut ausfallen. Diesmal wegen fehlenden Personals.

Die Sanierung und Modernisierung des Botanischen Gartens geht weiter. Dafür kann der Garten auf Fördermittel aus dem Fonds „Förderung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) zurückgreifen. In diesem Jahr geht es nun richtig los. Die Wege und der Italienische Garten werden überarbeitet, die Eingänge barrierefrei umgestaltet. Am Ende des Jahres schließlich soll auch der Bau des neuen Besucherinformationszentrums am Eingang Königin-Luise-Platz beginnen.

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