Berlin-Spandau

Jetzt sorgt der Sicherheitsdienst für den Schulfrieden

Immer wieder gab es an der B.-Traven-Schule Vorfälle. Jetzt soll ein Wachschutz für Ruhe sorgen. Bildungssenatorin Scheeres begrüßt das

Nach den Sommerferien sollen die Erfahrungen mit dem Sicherheitsdienst an der B.-Traven-Gemeinschaftsschule ausgewertet werden

Nach den Sommerferien sollen die Erfahrungen mit dem Sicherheitsdienst an der B.-Traven-Gemeinschaftsschule ausgewertet werden

Foto: jörg Krauthöfer

Berlin.  Die B.-Traven-Gemeinschaftsschule am Recklinghauser Weg im Spandauer Ortsteil Falkenhagener Feld soll bereits ab der kommenden Woche von Wachschützern gesichert werden. Das sagte Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) am Freitag der Berliner Morgenpost. Grund für diese Entscheidung sei, dass es an der B.-Traven-Schule in den vergangenen Monaten mehrere Vorfälle mit schulfremden Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die auf das Schulgelände kamen, gegeben habe. Diese hätten erheblich zu Konflikten beigetragen, sagte der Bezirksbürgermeister, der auch für Schulen verantwortlich ist.

Als Konsequenz werde eine neue Zugangsregelung eingeführt und überwacht. Verstöße würden konsequent geahndet, betonte Kleebank und kündigte in solchen Fällen Anzeigen wegen Hausfriedensbruch an. Es werde „null Toleranz gegen schulfremde Störer“ praktiziert, sagte er.

Aktueller Anlass für die Beauftragung des Wachschutzes war offenbar ein Vorfall vom vergangenen Freitag. Wie die Polizei der Morgenpost bestätigte, haben zwei Jugendliche, ein 14- und ein 15-Jähriger, gegen 8.30 Uhr die Schule betreten und dort missbräuchlich einen Feueralarm ausgelöst. Die Folge war, dass alle Schüler ihre Klassenräume verlassen mussten.

Der Schulleiter, der zu dieser Zeit im Haus unterwegs war, entdeckte dann die beiden schulfremden Jugendlichen auf dem Schulhof, sprach sie an und forderte sie auf, das Gelände zu verlassen. Dem kamen die beiden nicht nach, vielmehr wurde einer der beiden ausfallend und beleidigte den Rektor. Dieser wurde auch körperlich bedroht, anschließend geschubst, wodurch er stürzte. Es gelang ihm aber, die Polizei zu alarmieren.

Anzeige wegen Körperverletzung erstattet

Die beiden jugendlichen Tatverdächtigen verließen nach Polizeiangaben vor dem Eintreffen der Beamten das Schulgelände, kehrten aber später zurück, um ihre Sicht des Vorgangs zu schildern. Gegen sie wurde Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Nach Informationen der Berliner Morgenpost ist zumindest einer der beiden Jugendlichen der Polizei wegen mehrerer Vorkommnisse und Delikte bekannt. Bezirksbürgermeister Kleebank äußerte sich zu einzelnen Vorfällen aus Rücksicht auf die Betroffenen nicht.

Die Schule habe selbst Anfang dieser Woche den Antrag auf Wachschutz gestellt, den er dann befürwortet habe, teilte der SPD-Politiker mit. Die Schulgemeinschaft befürworte den Schritt, Eltern und Lehrer seien über die Beauftragung des Wachschutzes informiert. Dieser soll seinen Dienst an der Schule zunächst bis zu den Sommerferien ausüben. Dann sollen die Erfahrungen ausgewertet, bis dahin auch mögliche Baumaßnahmen geprüft werden, die helfen könnten, den Zugang zur Schule zu reglementieren. Denkbar, so Kleebank, sei etwa ein System, mit dem sich die Türen nach Schulbeginn und außerhalb der Pausen nur von innen öffnen lassen. Notfalls werde der Wachschutz verlängert, das werde aber gemeinsam mit der Schulgemeinschaft entschieden, betonte der Bürgermeister.

Ob Wachschutz an Schulen sinnvoll und notwendig ist, ist unter Politikern umstritten. „In Einzelfällen muss es möglich sein, Wachschutz zu organisieren, wenn der Schulalltag gefährdet ist“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Freitag der Berliner Morgenpost. Diese Linie vertritt auch Familienministerin Franziska Giffey (SPD) und setzte sie als Bezirksbürgermeisterin von Neukölln durch. Andere in der rot-rot-grünen Regierungskoalition sehen einen Wachschutz als Widerspruch zum Ziel einer offenen Schule, die auch Bezug zu ihrer Umgebung hat.

Schulverwaltung organisiert Fachtagung zur Gewalt

„Gewalt darf keinen Platz an den Schulen haben“, erklärte Scheeres. Angesichts von Auseinandersetzungen in Berliner Schulen, die von Mobbing bis zu körperlichen Angriffen reichten, veranstalte die Senatsbildungsverwaltung einen internen Fachtag. Dort sollen die unterschiedlichen Facetten von Gewalt und Lösungsansätzen diskutiert werden. Manche Situationen ließen sich pädagogisch nicht mehr lösen. Lehrkräfte müssten aber die Möglichkeit haben, störungsfrei zu unterrichten. „Dafür müssen wir Schüler, die massiv und kontinuierlich den Unterricht stören und gewalttätig gegenüber Mitschülern und Schulpersonal sind, zeitweise auch aus dem Regelunterricht herausnehmen können, um sie in temporären Kleingruppen zu unterrichten“, so Scheeres.

Schulen mit Wachschutz: Einen Wachschutz gibt es derzeit an der Spreewald-Grundschule an der Pallasstraße (Schöneberg) sowie an acht Schulen in Neukölln. Dieses sind die Gemeinschaftsschulen Campus Efeuweg und Campus Rütli (Rütli­straße), die Integrierten Sekundarschulen Heinrich-Mann-Schule (Gerlinger Straße), Carl-Zuckmayer-Schule (Kopfstraße), Clay-Oberschule (Bildhauerweg) und Otto-Hahn-Schule (Buschkrugallee) sowie das Ernst-Abbe-Gymnasium (Sonnenallee) und das Albert-Schweitzer-Gymnasium(Karl-Marx-Straße).

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