Geschäftsmann in Berlin

Vietnamesen planten Entführung ein Dreivierteljahr lang

Laut Medienbericht war die Entführung des Geschäftsmanns Trinh Xuan Thanh in Berlin durch den Geheimdienst akribisch vorbereitet.

Der vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh wurde in  Vietnam zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh wurde in Vietnam zu lebenslanger Haft verurteilt.

Foto: Doan Tan / dpa

Berlin. Der Fall erinnert an einen schlechten Agentenfilm. Im Juli 2017 soll ein Kommando des vietnamesischen Geheimdienstes den Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh aus Berlin nach Vietnam entführt haben. Davon ist die Bundesregierung überzeugt. Vietnam behauptete bis zuletzt, dass der ehemalige Funktionär der kommunistischen Partei und Chef eines staatlichen Baukonzerns freiwillig in sein Herkunftsland zurückgekehrt sei.

Dort wurde Trinh Anfang des Jahres der Prozess gemacht. Wegen Korruption und Wirtschaftsverbrechen erging gegen den 52-Jährigen ein Urteil zu lebenslanger Haft. Trinh entging dabei nur knapp der Todesstrafe.

Wie der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, sollen die Behörden des sozialistischen Landes die Entführung ein Dreivierteljahr lang vor der Tat akribisch geplant haben. Bereits im September 2016 sei eine Delegation vietnamesischer Polizisten nach Prag gereist, um dort Quellen zu aktivieren und den Aufenthaltsort Trinhs herauszufinden. Diese Informationen gingen aus einem Bericht des Verbindungsbeamten des Bundeskriminalamts in Tschechien hervor, berichtet der "Spiegel". Einen Monat später sei dann eine Delegation des vietnamesischen Ministeriums für Öffentliche Sicherheit mit dem gleichen Ziel nach Deutschland gereist.

Am 23. Juli 2017 habe schließlich ein Kommando unter der Leitung des Vizechefs des Geheimdienstes, Duong Minh Hung, den Geschäftsmann und seine Geliebte im Berliner Tiergarten entführt und nach Vietnam gebracht. Laut "Spiegel" stand dabei nicht nur die vietnamesische Botschaft in Berlin im Zentrum der Operation, sondern auch die tschechische Hauptstadt Prag. Mindestens drei Tatverdächtige seien von dort nach Berlin gekommen, berichtet das Nachrichtenmagazin. Generalleutnant Duong sei von dort nach Vietnam zurückgereist. In Prag seien auch zwei Fahrzeuge für die Entführung ausgeliehen worden.

Am 24. April (9.30 Uhr) beginnt am Berliner Kammergericht der Prozess gegen einen 47 Jahre alten Tatverdächtigen. Die Anklage der Bundesanwaltschaft wirft dem zuletzt in Prag lebenden Mann geheimdienstliche Agententätigkeit und Beihilfe zur Freiheitsberaubung vor. Er soll an einer Operation des vietnamesischen Geheimdienstes zur Entführung des Geschäftsmanns und früheren kommunistischen Funktionärs Trinh Xuan Thanh und seiner Begleiterin am 23. Juli 2017 in Berlin beteiligt gewesen sein. Der Angeklagte soll ein Entführungs-Auto in Prag gemietet und nach Berlin gefahren haben.Anklage im Fall des entführten Thanh wegen Agententätigkeit

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