Berlin

Spielzeugbohrer in Plüsch – wer braucht so etwas?

Wenn Mädchen etwas mit Technik zu tun haben wollen, dann nur, wenn es um Waschmaschinen und drehbare Kleiderschränke geht: Den Eindruck erwecke ein – ganz in Rosa gehaltener – Experimentierkasten für Mädchen, kritisiert die Jury des "Goldenen Zaunpfahls". Dieser Negativpreis für "absurde Auswüchse des Gendermarketings" ging am Mittwoch in Berlin deshalb an den Hersteller des Kastens. Eine Initiative um die Publizistin und Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg (Linke) verleiht den "Goldenen Zaunpfahl" seit 2017.

Zu den fünf für den Preis nominierten Produkten und Werbekampagnen gehört auch eine Bohrmaschinen-Spieluhr aus Plüsch. Diese lässt laut Webseite des Herstellers "das Herz jedes passionierten Heimwerker-Vaters höherschlagen: die erste kleine Bohrmaschine für seinen Sohn!". Die Initiative kritisiert das "eingeschränkte, klischeehafte Männlichkeitsbild". Ebenfalls nominiert: die Grill-Kampagne "Herren des Feuers", ein Kindermode- und Spielzeug-Katalog, der Mädchen an der Nähmaschine und Jungen an der Werkbank sieht, sowie eine Bibel nur für Männer oder nur für Frauen.

Die Initiatoren des Preises wollen Unternehmen nach eigenen Angaben zu "intelligenteren und innovativeren Strategien" bei der Produkt-Vermarktung anstiften und Aufmerksamkeit bei Verbrauchern wecken. 2017 ging der erste "Goldene Zaunpfahl" an Leselernbücher für Mädchen (Ponys und Prinzessinnen) und Jungs (Piraten und Polizisten).

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