Bauarbeiten

Steglitzer Kreisel wird zum Verkehrshindernis

Der Ausbau des Steglitzer Kreisels beginnt. Bis Ende Mai gibt es viele Einschränkungen für den Verkehr an der Kreuzung.

Auf der Schloßstraße wird ein Kran mit einem 150-Meter-Ausleger zusammengebaut. Mit seiner Hilfe soll ein Turmdrehkran auf das Dach des Steglitzer Kreisels gehievt werden

Auf der Schloßstraße wird ein Kran mit einem 150-Meter-Ausleger zusammengebaut. Mit seiner Hilfe soll ein Turmdrehkran auf das Dach des Steglitzer Kreisels gehievt werden

Foto: Tom Züfle

Berlin. Die ersten Schaulustigen hatten sich bereits früh am Mittwochmorgen an der Steglitzer Schloßstraße eingefunden. Mit Handys standen sie da, um das festzuhalten, was nicht so oft zu sehen ist. Vor dem Steglitzer Kreisel wurde ein 150 Meter hoher Kran zusammengebaut. Am Vormittag mussten dafür die Einzelteile – noch liegend – miteinander verschraubt werden. Komplett montiert wurde er am Nachmittag erstmals aufgerichtet.

Der Autokran hat am Ende nur eine Aufgabe: Mit Hilfe seines enormen Auslegers wird er bis zum 27. April einen Turmdrehkran auf das 120 Meter hohe Dach des ehemaligen Bürohochhauses hieven, der dort oben an eine Stahlkonstruktion montiert wird. Mit diesem Turmdrehkran können dann die weiteren Arbeiten, wie Ausbau und Wiedereinbau der Fassade, geschehen. Ist der Kran auf dem Dach einsatzbereit, wird der Autokran wieder demontiert und abtransportiert.

Die weiteren Arbeiten sollen dann über eine Schwerlastbühne erfolgen, die vom 12. Mai bis 26. Mai über die stadteinwärts führende Fahrspur der Schloßstraße errichtet wird. Ab Ende Mai soll die Straße wieder in beiden Richtungen frei sein. „Von den eigentlichen Ausbauarbeiten werden die Anwohner nicht viel mitbekommen“, sagt Jürgen Kutz vom Vorstand der CG-Gruppe. Die meisten Arbeiten würden sich im Gebäudeinneren abspielen. Knapp 330 Wohnungen sollen bis 2022 auf den 30 Etagen im Turm entstehen. Die CG-Gruppe investiert etwa 190 Millionen Euro in das Hochhausprojekt. Nach dem Ausbau des Turms folgt der Sockel am Fuß des Kreisels. „Arbeit – Handel – Freizeit“ sei das Motto für den Flachbau, so Kutz.

Staus rund um den Kreiselund an der Kreuzung

Geduld müssen allerdings Autofahrer, Busfahrer und Fußgänger rund um den Kreisel in den kommenden sechs Wochen aufbringen. Für die Kranarbeiten ist die Schloßstraße derzeit stadteinwärts komplett gesperrt. Der Verkehr wird über die Gegenfahrbahn geleitet, auf der aber nur eine Fahrspur pro Richtung zur Verfügung steht. Damit ist vor allem im Berufsverkehr mit Stau rund um die Kreuzung Schloßstraße, Grunewaldstraße, Albrechtstraße zu rechnen. Am Mittwochvormittag gab es einen Rückstau bis zur Autobahnabfahrt und in der Albrechtstraße bis unter der S-Bahnbrücke.

Änderungen gibt es auch im Busverkehr. Die Haltestelle vor dem Steglitzer Kreisel kann derzeit nicht bedient werden. „Dafür halten die Linien 186, 285 und M85 zusätzlich am Schlossparktheater“, sagte Petra Reetz, Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Alle anderen Haltestellen seien nur etwas verlegt worden. Sie würden leicht zu finden sein, man müsse nichts neu lernen, so Reetz. Wer mit dem Bus die Kreuzung an der Schloßstraße passieren muss, sollte bis Ende Mai aber mehr Zeit einplanen. „Der Bus wird über die Gegenfahrbahn gelenkt und dort wird es eng“, sagte die BVG-Sprecherin. Betroffen vom Stau und der Verlegung der Haltestellen sind die Buslinien 285, M85, 188, 283, N88 und 186.

Aus dem Gebäude wurden 1200 Tonnen Asbest ausgebaut

Für die Sperrung des öffentlichen Straßenlandes in der Schloßstraße musste der Bauherr eine Sondernutzung beantragen. Nach Auskunft des bezirklichen Tiefbauamtes wurde für die Baustelleneinrichtung und die Montage des Autokrans ein Gebühr von fast 30.000 Euro fällig. Zusätzlich sei eine Kaution in Höhe von 30.000 Euro festgesetzt worden. „Für die noch zu errichtende Plattform auf der Mittelinsel in der Schloßstraße sowie für den Bereich direkt vor dem Gebäude ist die Antragsbearbeitung noch nicht komplett abgeschlossen“, hieß es aus dem Tiefbauamt.

Im Moment ist der Steglitzer Kreisel bis auf das Stahlskelett zurückgebaut. Fast drei Jahre hat die Asbestsanierung gedauert, die das Land Berlin übernommen und mit 18,5 Millionen Euro bezahlt hat. Welche Mengen an Schadstoffen in diesem Gebäude steckten, geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Finanzen auf eine Anfrage des Abgeordneten Andreas Otto (Grüne) hervor. Demzufolge wurden mehr als 1200 Tonnen asbesthaltiges Material aus dem Steglitzer Kreisel ausgebaut. Der größte Posten – allein 607 Tonnen – stammt von Asbestplatten und -pappen sowie Asbestschnüren. Zudem wurden 200 Tonnen an asbesthaltigen Spritzputz und fast 300 Tonnen schwere Brüstungselemente mit Asbestpappe ausgebaut. Schadstoffe wurden auch an Rohren, Brandschutzklappen und Türen gefunden.

Komplett asbestfrei wurde das Gebäude dennoch nicht an die CG-Gruppe als neuen Eigentümer übergeben. An den Erwerber sei ein Verzeichnis mit Restfundstellen übergeben worden, heißt es in der Antwort. Diese befinden sich unter anderen an Wasserleitungen, an Bauaufzügen und Brandschutztüren und werden im Zuge des Umbaus des Gebäudes beseitigt. Der Eigentümer des Kreisels musste sich im Kaufvertrag verpflichten, die restlichen Schadstoffe auszubauen. Dazu steht der CG-Gruppe das Verzeichnis der Restfundstellen zur Verfügung.

Genaue Informationen zu dem Bauvorhaben wird es am 24. April, 17 bis 20 Uhr, im alten Rathaus Steglitz an der Schloßstraße/Grunewaldstraße geben. In der Veranstaltung sitzen Vertreter der Berliner Verkehrsbetriebe, der CG-Gruppe und der Verkehrslenkung auf dem Podium, um die Fragen aus dem Publikum zu beantworten.

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