Sanierung

In den Sand gesetzt - Berlins Spielplätze sind marode

In Berlin muss fast jeder zweite Spielplatz saniert werden. Dafür haben die Bezirke aber meist nicht genügend Geld.

Hier ist alles in Ordnung: Die kleine Tamara klettert auf einem Gerüst auf einem Spielplatz an der Schlüterstraße in Charlottenburg

Hier ist alles in Ordnung: Die kleine Tamara klettert auf einem Gerüst auf einem Spielplatz an der Schlüterstraße in Charlottenburg

Foto: Anikka Bauer

Berlin.  Kinder buddeln im Sandkasten, streiten sich um einen Platz auf der Schaukel oder bringen ihren Müttern die ersten selbst gepflückten Gänseblümchen. Spätestens seitdem die Temperaturen wieder steigen, ist es voll auf Berlins Kinderspielplätzen. Doch so gut wie die Stimmung dort ist der Zustand der Anlagen oft nicht. Das geht aus der Antwort der Senatsumweltverwaltung auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Stefan Evers hervor.

Insgesamt 1839 öffentliche Kinderspielplätze gibt es in der ganzen Stadt. Und auf mindestens 770 dieser Anlagen sind Spielgeräte beschädigt. Hinzu kommt noch, dass der Neukölln in dieser Zahl noch nicht berücksichtigt ist. Denn dort, so geht es aus der Antwort der Verwaltung hervor, „sind fast alle Spielgeräte auf allen Spielplätzen beschädigt, wenn ein Kratzer, eine Beschmierung, ein kleiner Brandschaden und Ähnliches als Beschädigung eingestuft wird“, heißt es. Die genaue Zahl der Spielplätze in schlechtem Zustand liegt also deutlich höher als 770 – denn in Neukölln gibt es immerhin 137 Spielplätze. Somit ist fast jede zweite Spielanlage in Berlin beschädigt und müsste saniert werden.

Und es kommt noch schlimmer. Denn in ganz Berlin sind 31 Spielplätze gesperrt, weil sie saniert werden müssen. „Das ist schon ärgerlich, wenn ein Spielplatz dann über Jahre geschlossen ist“, sagt Sonja, die mit ihrer kleinen Tochter Tamara vor allem in Mitte unterwegs ist. Drei Spielplätze sind in diesem Bezirk momentan nicht nutzbar. Und: „Es gibt noch einige Spielplätze, die erneuert werden müssten“, so Sonja.

Bezirke sind mit Instandhaltung überfordert

Jedoch sind viele Bezirke mit den Instandhaltungskosten ihrer Spielangebote überfordert. Mit dem Kita- und Spielplatzsanierungsprogramm (KSSP) des Senates konnte in den vergangenen fünf Jahren viel aufgeholt werden, rund 370 Spielplätze wurden saniert. Allein im vergangenen Jahr investierten die Bezirke rund 4,2 Millionen Euro aus dem Programm in 71 Spielplatzerneuerungen.

Darüber hinaus nutzen die Bezirke neben dem KSSP auch andere Sonder- und Förderprogramme oder investieren Haushaltsmittel, um die Spielflächen zu erhalten, zu verschönern oder neu zu bauen. Jedoch, so zeigt die aktuelle CDU-Anfrage, reicht das zur Verfügung gestellt Geld bei Weitem nicht aus, um jegliche Schäden auf den Spielplätzen zu beheben. Stefan Evers sagt dazu: „Ein Sonderprogramm zur Spielplatzsanierung wäre ein erster Schritt. Auf Dauer werden wir das Pro­blem aber nur lösen, wenn wir die Bezirke finanziell stärken und unabhängiger vom Senat machen.“

Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf beispielsweise schätzt, dass rund 13 Millionen Euro benötigt werden, um alle seine beschädigten Spielplätze komplett zu sanieren. Tatsächlich stehen momentan aber lediglich 917.000 Euro aus dem KSSP-Programm dafür zur Verfügung. Zudem sollen in den nächsten fünf Jahren zwei komplett neue Spielplätze entstehen. Dafür hat der Bezirk rund 1,4 Million Euro eingeplant.

Ähnlich sieht es auch in Lichtenberg aus: Die Sanierung der 39 beschädigten Spielplätze würde hier schätzungsweise 11,7 Millionen Euro kosten – die geplanten Ausgaben belaufen sich aber bis 2021 auf lediglich 1,65 Millionen Euro. Hier sollen in den nächsten vier Jahren zudem vier neue Spielplätze eröffnet werden. Kostenpunkt: rund 1,55 Million Euro.

Nur in Spandau und Mitte scheint die Lage besser zu sein

Auch in den restlichen Berliner Bezirken sieht es ähnlich aus. Lediglich Spandau und Mitte bilden eine Ausnahme. Spandau schätzt, dass etwa 300.000 Euro zur Sanierung der Spielplätze benötigt werden. Zur Verfügung stehen hier aber sogar mehr als 530.000 Euro. Sieben neue Spielanlagen sollen hier zudem in den nächsten fünf Jahren entstehen, die insgesamt etwa 1,1 Millionen Euro kosten werden. Und auch in Mitte steht mehr Geld bereit, als eigentlich benötigt wird: Schätzungweise drei Millionen Euro kosten die Reparaturen, 3,9 Millionen hat man dort.

Das hat schon heute positive Auswirkungen auf den Zustand der Plätze – und freut die Anwohner. „Ich finde, es gibt viele schöne Spielplätze bei uns“, sagt Jasmin Efkes, die mit ihren drei Kindern auf Spielplätzen in Moabit unterwegs ist. Zwar gebe es hier und da auch nicht so schöne Anlagen. „Aber wir gehen trotzdem total gerne auf die Spielplätze“, pflichtet Jasmins ältester Sohn Lutz seiner Mutter lautstark bei.

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