Wissenschaft

Mehr als 1100 Tierversuche in Berlin

Der Senat hat seine Bilanz seit 2010 vorgelegt. 1100 Tierversuche wurden demnach in Berlin durchgeführt. Einige wurden beanstandet.

Grundsätzlich werden Tierversuche nur genehmigt, wenn es keine alternativen Verfahren gibt

Grundsätzlich werden Tierversuche nur genehmigt, wenn es keine alternativen Verfahren gibt

Foto: imago stock&people

Berlin. Seit 2010 sind in Berlin mehr als 1100 Tierversuche an der Freien, Technischen und Humboldt-Universität sowie der Charité durchgeführt worden. Alle Versuche wurden zuvor vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) genehmigt. Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz auf eine parlamentarische Anfrage des CDU-Abgeordneten Hans-Christian Hausmann hervor. Dabei lag die Zahl der genehmigten Versuche von 2010 bis 2013 stets um 200 oder darüber, 2014 und 2015 waren es jeweils rund 130 Tierversuche, 2016 und 2017 etwa 160. Der mit Abstand größte Teil wurde an der Charité durchgeführt.

Das Lageso ist auch für die LAGeSo auch für die Überwachung und Kontrolle von Tierversuchen zuständig. Mitarbeiter kontrollieren nach Angaben der Senatsverwaltung vor Ort und prüfen die versuchsbegleitenden Aufzeichnungen, die jeder Versuchsleiter tagesaktuell führen muss. Seit 2010 seien dabei 74 Beanstandungen registriert worden, die häufigsten Gründe waren nicht oder nicht rechtzeitig angezeigte Änderungen der Versuchsdurchführung, nicht ausreichende Aufzeichnungen oder Fehler bei der jährlichen Versuchstiermeldung. In diesem Zeitraum seien 55 Tierversuche an Hochschulen nicht genehmigt worden, weil die wissenschaftliche Begründung nicht ausreichte. Es habe keinen Fall gegeben, in dem die Genehmigung widerrufen wurde.

Tierversuche müssen alternativlos sein

Laut Wissenschaftsverwaltung wird nicht statistisch erfasst, wie oft Ersatzmethoden für Tierversuche angewandt werden. Grundsätzlich würden Tierversuche aber nur genehmigt, wenn sie unerlässlich seien und keine alternativen Verfahren ohne den Einsatz von Tieren zur Verfügung stünden. Dies müsse im Antrag begründet werden. Der Antrag werde sowohl vom Tierschutzbeauftragten als auch einer Kommission geprüft. Diese Kommissionen sind im Tierschutzgesetz verankert, ihnen gehören auch Vertreter von Tierschutzverbänden an. Der Senat lege größten Wert auf die Entwicklung von Ersatzmethoden. Dafür werde an der Charité ein Zentrum aufgebaut.

Zudem bereitet die Justizverwaltung ein Gesetz vor, das anerkannten Tierschutzorganisationen weitreichende Mitwirkungs- und Klagerechte bei tierschutzrelevanten Verwaltungsentscheidungen einräumt. Wie berichtet, lehnen viele Wissenschaftler das Gesetz ab, damit könnten Tierversuche faktisch blockiert werden. Michael Efler, Tierschutzexperte der Linken im Abgeordnetenhaus, verteidigt indes das Ziel, in Berlin ein Verbandsklagerecht einzuführen.

Eine Regelung auf Bundesebene sei nicht zu erwarten. Die zuständigen Behörden handelten teilweise zu spät und inkonsequent. Die vermeintliche Gefährdung des Wissenschaftsstandortes Berlin sei ein „interessengeleitetes Horrorszenario“, so Efler. Wegen des Aufwands und der Kosten werde es nur zu wenigen Klageverfahren kommen. Das sieht der SPD-Rechtsexperte Sven Kohlmeier anders und befürchtet eine Überlastung der Vewaltungsgerichte, sollte der Gesetzentwurf umgesetzt werden.

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