Bizarrer Fall in Kita

Umzug um die Ecke - und die Kita will das Kind nicht mehr

In Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte sollen Kitas ihre Plätze nur noch für Kinder aus dem Kiez vergeben. Die Folgen sind kurios.

Der Aushang in einer Kita in Friedrichshain

Der Aushang in einer Kita in Friedrichshain

Foto: BM

Die Jugendämter Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte sind dabei, eine Vereinbarung mit ihrem kommunalen Eigenbetrieb Kindergarten City zu unterschreiben, der auf längere Sicht frei werdende Plätze allein für Kinder aus dem Bezirk vorhält. Zu groß ist die Kita-Platz-Not in diesen Bezirken, die nach dem aktuellen Bedarfsatlas kaum oder überhaupt keine Kapazitäten für die Kinderbetreuung mehr haben.

Der Kita-Platz war schon mündlich zugesagt

Aber was heißt es konkret, wenn man plötzlich im falschen Bezirk wohnt? Die Familie von Karina W. (Name der Redaktion bekannt) ist vor Kurzem umgezogen, wenige Meter weiter in einen neuen Bezirk, jetzt wohnt man in Lichtenberg, was direkt an Friedrichshain-Kreuzberg grenzt. Der vierjährige Sohn besucht eine Einrichtung von Kindergarten City, ist glücklich dort. Für die Tochter, aktuell fünf Monate, wurde ab Herbst 2018 ein Platz mündlich zugesagt. „Doch nun wohnen wir plötzlich im falschen Bezirk.“ Die Zusage wurde zurückgezogen.

Für die junge Mutter, die bald wieder arbeiten gehen will, eine Katastrophe. Sie hatte sich auf den zugesagten Kitaplatz verlassen. Plötzlich die Bezirksgrenzen in den Mittelpunkt zu stellen, „das sind Hauruck-Aktionen auf Kosten der Eltern“. Schließlich soll ihr Kita-Gutschein doch überall gelten. Es sei völliger Irrsinn, irgendwann zwei Kitas für die Kinder anfahren zu müssen. Bei Kindergarten City hat man für die Lage solcher Familien Verständnis. „Wir stehen zu unserem Wort“, sagte die pädagogische Geschäftsleiterin Katja Grenner. In Fällen, wo eine Zusage gemacht wurde, könnten die Eltern mit dem versprochenen Platz rechnen.

Senatverwaltung drängt auf frühzeitige schriftliche Verträge

Ein Problem, das bei diesem Fall auch klar wird: Hier wurde noch kein schriftlicher Kita-Vertrag geschlossen. Deshalb drängt die Senatsverwaltung darauf, „dass die Kita-Träger die Betreuungsverträge mit den Eltern so frühzeitig wie möglich schließen“. Nur dann könne man wirklich einen Überblick über die Situation gewinnen. Tatsächlich scheint es ein großes Problem zu sein, Klarheit darüber zu bekommen, wie viele Kita-Plätze in der Stadt vorhanden sind, wie viele fehlen und wie viele Eltern auf den Kita-Wartelisten noch aktuell suchen. Denn in ihrer Not lassen sich viele Eltern auf mehreren Listen vormerken.

Außerdem versucht die Senatsverwaltung für Bildung, durch Prämien von 250 Euro pro Kind und Monat die Kitas anzuregen, zusätzliche Plätze anzubieten. Beim Senat betont man immer wieder, es gebe noch ungenutzte Reserven. Im Moment spricht man von einer berlinweiten Differenz von 10.000 Plätzen, die nicht angeboten würden.

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