Berlin

Neue Polizeichefin setzt auf mehr Präsenz in Bus und Bahn

Die Berliner Polizei im gemeinsamen nächtlichen Großeinsatz mit Bundespolizei und Verkehrsbetrieben. Solche Aktionen soll es nun öfter geben

Etwa 120 Berliner Polizisten sind in der Nacht zu Sonntag in U-Bahnen, S-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen in Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick im Einsatz gewesen. Unterstützt wurde die Berliner Polizei dabei von Bundespolizisten und Sicherheitskräften der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Laut der neuen Polizeipräsidentin Barbara Slowik soll das keine Eintagsfliege bleiben. Auch künftig soll mehr Polizei auf den Straßen und im öffentlichen Nahverkehr der Hauptstadt unterwegs sein.

Damit dürfte Barbara Slowik den Nerv vieler Berlinerinnen und Berliner treffen. Gewaltverbrechen wie der U-Bahn-Treter von der Hermannstraße sowie mehrere Attacken auf BVG-Mitarbeiter Anfang des Jahres hatten zuletzt am Image der Verkehrsbetriebe gekratzt. "Wenn ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren muss, dann fahre ich lieber mit der S-Bahn", sagte etwa die 71-jährige Marion Schmidt aus Lichtenberg der Berliner Morgenpost am Sonnabendabend. Die Berlinerin nutzt die öffentlichen Verkehrsmittel täglich und ist auf sie angewiesen. "In der U-Bahn habe ich Schiss und fühle mich nicht wohl." Von der neuen Polizeipräsidentin wünscht sie sich, dass sich in der Stadt in Sachen Sicherheit etwas ändert. "Ich würde mich freuen und drücke ihr die Daumen."

Polizeipräsidentin Barbara Slowik schaute am Abend persönlich bei dem Großeinsatz vorbei. "Diese Aktion ist ein gutes Signal", sagte sie. "Präsenz zeigen und da zu sein ist wichtig." Slowik kündigte an, die Polizeipräsenz auf Berlins Straßen und im öffentlichen Nahverkehr verstärken zu wollen. Bereits bei ihrer Vorstellung am vergangenen Dienstag hatte Slowik angekündigt, der steigenden Gewaltbereitschaft auf Berlins Straßen mehr Polizeipräsenz entgegenzusetzen. Das könne nachhaltig aber nur mittelfristig gelingen. "Personal muss gewonnen und gehalten werden, die Polizei muss zu ihren Kernaufgaben zurück und von Bürokratie befreit werden", sagte Slowik. Polizisten und Gewerkschaften begrüßen die Initiative, wiesen aber immer wieder darauf hin, dass man solche Ziele nur mit ausreichend Personal erreichen könnte.

Auch der Großeinsatz in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag war sehr personalintensiv. "Von 19 Uhr bis 1 Uhr nachts waren 33 Teams unterwegs", sagte Michael Lengwenings, Leiter Polizeidirektion 6, der Barbara Slowik bei dem Termin begleitete. Lengwenings gilt auch als einer von mehreren Kandidaten für den Posten des Polizeivizepräsidenten. Allerdings soll dazu erst im Herbst dieses Jahres eine Entscheidung fallen.

Laut Polizei und BVG ist die Zahl der Gewalttaten im öffentlichen Nahverkehr zuletzt gestiegen, während die Gesamtzahl der Straftaten gesunken ist. Vor allem wurden weniger Taschendiebstähle registriert. Im Jahr 2017 gab es 3310 gemeldete Gewaltdelikte. Ein Jahr zuvor waren es 249 Fälle weniger.

Nach dem zuletzt von den Verkehrsbetrieben veröffentlichten Sicherheitsbericht gab es im Jahr 2016 insgesamt 555 Übergriffe auf Mitarbeiter. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 wurden mit 1004 fast doppelt so viele Angriffe gezählt. Allerdings wird von den BVG-Mitarbeitern eine deutliche Zunahme der Gewaltbereitschaft registriert.

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