Schlachtensee

Diese Regeln müssen sie mit Ihrem Hund am See beachten

Hunde dürfen die Uferwege wieder nutzen, aber nur mit Leine. Doch an Schlachtensee und Krummer Lanke gibt es noch andere Probleme.

v.l.: Katja Hingst mit Hund Peppi und Elke Mösta mit Hund Milano posieren für ein Foto vor dem Schlachtensee in Berlin

v.l.: Katja Hingst mit Hund Peppi und Elke Mösta mit Hund Milano posieren für ein Foto vor dem Schlachtensee in Berlin

Foto: Daniel Schaler

Hunde auf dem Uferweg oder nur auf dem Hangweg, mit Leine, ohne Leine, gar nicht am See oder nur nicht in der Badesaison – die Verwirrung ist groß, was nach mehreren Gerichtsprozessen an Schlachtensee und Krummer Lanke gilt. „Wir bekommen viele Fragen von Anwohnern, die wissen wollen, wonach sie sich richten sollen“, sagt Maren Schellenberg (Grüne), Umweltstadträtin in Steglitz-Zehlendorf.

Die See- und Badesaison startet, Jogger sind unterwegs, Spaziergänger, Fahrradfahrer. Die ersten trauen sich ins Wasser. Bevor es wieder zu Konflikten kommt, gab es am Donnerstag einen Vor-Ort-Termin am Schlachtensee, bei dem Mareen Schellenberg klarstellte: Hunde dürfen wieder alle Wege, auch die Uferwege, nutzen. Allerdings müssen die Vierbeiner an der Leine geführt werden, die maximal zwei Meter lang ist.

Das ist zumindest eine klare Ansage, nach dem Hin und Her der vergangenen Jahre. Schellenbergs Amtsvorgängerin Christa Markl-Vieto (Grüne) hatte versucht, die Hunde ganz von den Seeufern zu verbannen. Dafür hatte sie alle Uferwege zu Badestellen erklärt – wo die Tiere laut Hundegesetz verboten sind. Anwohner hatten dagegen geklagt und im Dezember 2015 Recht bekommen. In einem zweiten Anlauf versuchte die Stadträtin, wenigstens ein Verbot in der Badesaison von April bis Oktober durchzusetzen. Auch das wurde vom Verwaltungsgericht gekippt.

Für Hunde gilt Leinenzwang

Gültig ist aber nach wie vor der Leinenzwang, der sich aus dem Grünanlagen-, Landeswald- und Hundegesetz ergibt. Auch das gefällt nicht jedem. Katja Hingst und Elke Mösta treffen sich jeden Donnerstag mit ihren Hunden Peppi und Milano am Schlachtensee. Es sind kleine Tiere, ein Prager Rattler und ein Zwergspitz. Am Seeufer nehmen beide ihre Hunde an die Leine. „Ich finde den Leinenzwang doof“, sagt Katja Hingst. Es würden ja schließlich auch Füchse und Wildschweine an den Seen herumlaufen.

Elke Mösta hingegen hat nichts dagegen, ihren Zwergspitz anzuleinen. Sie kennt den Schlachtensee noch aus den Zeiten, als er fast einem Hundeauslaufgebiet glich. „Ich genieße es, dass jetzt viel weniger Hunde hier unterwegs sind“, sagt die junge Frau. Frei laufen dürfen die Tiere nur im Hundeauslaufgebiet am nördlichen Seeufer. Außer dem Leinenzwang müssen Hundehalter noch andere Vorschriften beachten. An Kinderspielplätzen, Liegewiesen und öffentlichen Badestellen gilt ein absolutes Hundeverbot. „Die Badestellen müssen nicht extra gekennzeichnet sein“, sagt Maren Schellenberg. Was eine Badestelle sei, ergebe sich aus der Nutzung.

Bußgeld ab 75 Euro für nichtangeleinte Hunde

Während das Bezirksamt darauf besteht, dass die Tiere ganzjährig nicht an öffentliche Badestellen dürfen, ist das Verwaltungsgericht weniger restriktiv. In einem Urteil vom Dezember 2017 hat das Gericht entscheiden, dass die Uferbereiche von Schlachtensee und Krummer Lanke außerhalb der Saison nicht zum Baden genutzt werden. Deshalb dürften angeleinte Hunde in dieser Zeit an das Wasser. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Ordnungsamt kontrolliert an den Seeufern, dass sich alle an die Regeln halten. Allerdings nur sporadisch. „Wir müssen in vielen Parks und Grünanlagen präsent sein“, sagt Michael Karnetzki (SPD), Bezirksstadtrat für Ordnung und Bürgerdienste. Aber in dieser Woche sei die Streife schon das zweite Mal an den Seen unterwegs. Künftig solle sie mit Fahrrädern ausgestattet werden, damit sie schneller unterwegs ist und überraschender auftauchen könne. Werde sie jetzt gesichtet, habe es sich längst bis zum anderen Seeufer herumgesprochen, bevor sie dort ankomme. Wer mit einem unangeleinten Hund erwischt wird, muss mit einem Bußgeld ab 75 Euro rechnen.

Jugendliche sind das größere Problem

Dass die Hunde längst nicht mehr das größte Problem an den Seeufern sind, wird bei einem morgendlichen Spaziergang am südlichen Seeufer deutlich. Es sind mehr Jugendgruppen als Hunde unterwegs, aus den Handys brüllen Hip-Hop- und Technoklänge, die sich teilweise überschallen. Wandergruppen nehmen den Uferweg für sich ein und machen es Frauen mit Kinderwagen schwer, vorbeizukommen.

Zum Vor-Ort-Termin am Schlachtensee waren daher auch einige Anwohner gekommen, die das Bezirksamt auf ganz andere Probleme aufmerksam machen wollten. Viele würden sich mit Einweggrills aus den benachbarten Supermärkten versorgen und an den Seeufern Partys veranstalten, so ihre Kritik. „Man sollte es ihnen nicht zu leicht machen, die können sich ja um ein Uhr nachts noch mit neuen Flaschen versorgen“, sagt Anwohner Dirk Jordan.

Eine erste Idee war, in den Supermärkten Informationen über das Naturschutzgebiet auszulegen. „Grillen, Lärm, Feuer – das alles ist hier verboten“, sagt Stadtrat Karnetzki. Um den Ansprüchen der erholungssuchenden Stadtbevölkerung und den der ruhebedürftigen Anwohner gerecht zu werden, will Maren Schellenberg kurzfristig einen Workshop veranstalten, in dem alle Probleme besprochen und Lösungen gefunden werden sollen. Immerhin: Das Problem mit dem Müll sei besser geworden, seit die Berliner Stadtreinigung (BSR) die Uferbereiche reinigt, sagt Schellenberg.

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