Großmarkt

Der Chef des Berliner Großmarkts muss gehen

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop ist unzufrieden mit Geschäftsführer Peter Stäblein. Dialog über Zukunft des Geländes in Moabit beginnt.

Peter Staeblein, Chef der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft mbH, soll abgelöst werden (Archiv)

Peter Staeblein, Chef der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft mbH, soll abgelöst werden (Archiv)

Foto: CARO / J?rgen Heinrich / ullstein bild - CARO / J?rgen He

Der "Bauch von Berlin", der Großmarkt an der Beusselstraße in Moabit, soll einen neuen Chef bekommen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost aus Regierungskreisen wird der Aufsichtsrat der landeseigenen Berliner Großmarkt GmbH die Ablösung von Geschäftsführer Peter Stäblein beraten. Dies geschieht auf Drängen von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Stäblein soll aber Geschäftsführer der ebenfalls landeseigenen Berliner Hafen- und Lagerhaus GmbH (Behala) bleiben.

Dem Vernehmen nach hat Pop schon seit Längerem erhebliche Zweifel, dass der Großmarkt vom derzeitigen Geschäftsführer in die Zukunft geführt werden kann. Dort sind zahlreiche Modernisierungen notwendig, zudem soll die Institution mit neuen regionalen Ernährungs- und Manufakturkonzepten auch für die Stadtgesellschaft und Endverbraucher geöffnet werden. Das möchten zumindest die Wirtschaftssenatorin und auch etliche der etwa 300 Betriebe, die auf dem Moabiter Areal ansässig sind.

Senat wollte Großmarkt nicht an Händler übergeben

Wie berichtet, hatten sich im Spätsommer vergangenen Jahres rund 100 Händler des Großmarkts zu einer Interessengemeinschaft (IG) zusammengeschlossen. Auch die Kreuzberger "Markthalle Neun" ist dabei. Die IG wollte den Großmarktbetrieb in eigener Regie als Genossenschaft managen und das Erbbaurecht für das Gelände vom Land Berlin erwerben. Das sei nötig, um von den Banken Kredite für Investitionen zu bekommen, argumentierte sie.

Doch der Senat will das Konzept nicht umsetzen. Finanz-, Wirtschafts- und Stadtentwicklungsverwaltung lehnten die Vergabe des Erbbaurechts über 40 Jahre ab. Der Großmarkt sei "die einzige öffentliche Infrastruktureinrichtung (…) zur Sicherung der gesamtstädtischen Versorgung mit Lebensmitteln", erklärte etwa die Stadtentwicklungsverwaltung.

Der Senat dürfe die direkten Steuerungs- und Gestaltungsmöglichkeiten dafür nicht aufgeben. Das käme einer "faktischen Privatisierung" gleich. Ähnlich argumentierte die Finanzverwaltung. Sie führte außerdem ins Feld, dass der Businessplan der IG "nicht vollumfänglich nachvollziehbar" sei. Ein weiterer Kritikpunkt aus dem Senat lautete, die IG sehe einige wichtige Investitionen erst in etlichen Jahren vor.

Kooperation mit Händlern geplant

Dort stieß die Entscheidung der Landesregierung auf Unverständnis. Ein Erbpachtvertrag sei seitens des Senats stets als grundsätzlich möglich dargestellt worden, sagten Sprecher der IG. Das Konzept werde mit einer Grundsatzentscheidung verworfen, diese hätte früher getroffen werden können.

Inzwischen stehen die Zeichen aber auf Kooperation. "Wir haben einen Zukunftsdialog für den Großmarkt eingeleitet. Zum ersten gemeinsamen Austausch haben wir über 300 Händler eingeladen", sagte Senatorin Pop auf Morgenpost-Anfrage. Das Treffen ist für kommenden Montag geplant. "Mit allen Beteiligten wollen wir Ideen für die Zukunft des Großmarktes diskutieren. Dieser Prozess schließt Umstrukturierungen in der Gesellschaft nicht aus. Wichtig ist, dass der Großmarkt für die Zukunft fit gemacht wird." IG-Sprecher Dieter Krauß sagte, er stehe Gesprächen aufgeschlossen gegenüber.

Die Position des Großmarkt-Geschäftsführers soll ausgeschrieben werden. Wer das Unternehmen kommissarisch führen könnte, ist noch unklar. Möglicherweise fällt die Aufgabe Wirtschaftsstaatssekretär Henner Bunde zu.

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