Berlin

Feuerwehr-Leitstelle kommt auf den Prüfstand

Ausfall der Leitstellen-Software, andauernde Ausnahmezustände, Dauerkranke: Nach massiven Problemen in der Notfallversorgung kommt das Berliner Rettungswesen auf den Prüfstand. Bei einem Spitzentreffen von Vertretern der Innenverwaltung, Feuerwehr und Kassenärztlicher Vereinigung (KV) wurden entsprechende Schritte eingeleitet. So wurde eine engere Kooperation vereinbart, welche die Berliner Feuerwehr bei der Notfallrettung entlasten soll. Häufig fahren Rettungswagen zu Einsätzen, die genauso gut von KV-Ärzten erledigt werden könnten. Zukünftig soll das in der Leitstelle der Feuerwehr noch besser koordiniert werden.

Doch auch die Leitstelle der Berliner Feuerwehr selbst ist auf dem Prüfstand. Konkret geht es um das Standardisierte Notrufabfrageprotokoll (SNAP), das derzeit für viel Kritik sorgt. Dieses System wird bei jedem Anrufer, der die Notrufnummer 112 wählt, angewandt. Der Patient soll mittels gezielter, vorgegebener Fragen durch das Notrufgespräch geleitet werden. Problem ist: Am Ende wird auch bei noch so absurden Anrufen fast immer alarmiert. Denn es könnte ja doch ein Notfall dahinterstecken. Während man früher die Alarmierungen erfahrenen Disponenten überließ, vertraut man heute eher einem standardisierten Programm.

Dabei gibt es gar keine Dienstanweisung, dass bei Notruf-Anrufen nach einem standardisierten Abfrageprotokoll verfahren werden muss. Das teilte die Berliner Innenverwaltung kürzlich auf eine kleine Anfrage des FDP-Innenexperten Marcel Luthe mit. Das Protokoll biete den Disponenten eine Orientierung. Man könne in diesem Rahmen den Vorschlägen folgen oder abweichen, heißt es aus der Innenverwaltung. „In jedem Fall liegt die Verantwortung bei den disponierenden Fachkräften“, schreibt Staatssekretär Torsten Akmann. „Ich werde mich für eine Klarstellung im Rettungsdienstgesetz starkmachen. Es muss Mensch vor Maschine gelten“, sagte Luthe der Berliner Morgenpost. Bevor so etwas eingeführt werde, müsse man durch professionelles Wissensmanagement die Erfahrungen der Fachleute nutzen, die damit täglich zu tun haben.