Verkehr in Berlin

Berlins Baustellenplanung geht an der Realität vorbei

Woran erkennt man, dass in Berlin die Schulferien vorbei sind? Daran, dass die Verkehrsmeldungen länger sind als die Nachrichten.

Die Baustellen auf Berlins Straßen sorgen dafür, dass Pendler lange im Stau stehen (Archiv)

Die Baustellen auf Berlins Straßen sorgen dafür, dass Pendler lange im Stau stehen (Archiv)

Foto: Michael Kappeler / dpa

Berlin. Woran erkennt man, dass in Berlin die Schulferien vorbei sind? Daran, dass die Verkehrsmeldungen wieder länger sind als die eigentlichen Nachrichten. Am gestrigen Montag bekamen das so ziemlich alle Autofahrer zu spüren, vor allem jene, die vom Stadtrand in die City wollten.

Wer durch Pankow wollte, landete in der Baustelle der Autobahnzubringer, in Reinickendorf wurde vor „Überfüllung“ im Flughafentunnel gewarnt, am Tegeler Weg blockiert eine Baustelle jetzt zwei von drei Spuren Richtung City West – nichts ging mehr. Ebenso auf dem Tempelhofer Damm, wo es sich täglich am Platz der Luftbrücke staut. Aus Richtung Ost stellte man fest: Ja, auch die Baustellen auf der Landsberger Allee und der Frankfurter Allee sind noch da.

In Reinickendorf droht 2022 der Mega-Stau

Im Stau hat man Zeit, in Ruhe Radio zu hören. So konnte man sich am Montagmorgen im Stau die Berichte über das Tempo-30-Experiment auf der Leipziger Straße gleich mehrfach anhören. Beim Warten in den Autobahntunnels von Reinickendorf hatte man den Begriff „Feinstaub“ dann auch gleich anschaulich vor Augen, um den es an der Leipziger Straße unter anderem geht.

Dass an Berlins Straßen gebaut wird, ist gut, weniger Feinstaub natürlich auch. Allerdings fragt man sich manchmal, welche Prioritäten Verkehrsplaner eigentlich haben. Schön, dass an der Leipziger Straße so ausführlich experimentiert und geforscht wird – auch, ob denn auch alle Tempo 30 wollen.

Vielleicht hätte etwas mehr Forschung (oder Planung) geholfen zu vermeiden, dass Autofahrer, von Richtung Norden nach Berlin kommend, bis 2022 im Mega-Stau stehen, weil dort die Autobahn auf gleich 65 Kilometern ausgebaut wird. Oder dass ab 2021 in Reinickendorf Auto- und S-Bahn gleichzeitig saniert werden. Vielleicht würde ja auch eine Obergrenze für Straßenbaustellen schon etwas helfen. Es müssen ja nicht gleich Flugtaxis sein, aber etwas mehr Sinn für die Realitäten des Berliner Verkehrs wünscht man sich manchmal schon. Zumindest im Stau am Montagmorgen.

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