Terrorverdacht

Polizei verhindert Anschlag auf Halbmarathon in Berlin

Die Polizei hat bestätigt, dass es Hinweise auf einen geplanten Anschlag auf den Berliner Halbmarathon gab. Sie nahm sechs Männer fest.

Zwei Polizisten stehen an der Halbmarathonstrecke vor dem Berliner Dom

Zwei Polizisten stehen an der Halbmarathonstrecke vor dem Berliner Dom

Foto: Christophe Gateau / dpa

Berlin. Fahndern des Berliner Landeskriminalamtes (LKA) ist es offenbar gelungen, einen Anschlag in der Hauptstadt zu verhindern. In den vergangenen Tagen habe es konkrete Hinweise auf einen geplanten Anschlag während des Halbmarathons am Sonntag gegeben, hieß es in Ermittlerkreisen. Mehrere Verdächtige sollen am Sonnabend die Laufstrecke abgegangen sein.

Nach dem tödlichen Anschlag am Sonnabend in Münster hätten sich die Berliner Generalstaatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt daher kurzfristig entschieden, die sechs Männer festzunehmen. Damit sollte jedes Risiko für den Halbmarathon ausgeschlossen werden, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf am Sonntag. „Für die Läufer und Teilnehmer und das Personal bestand zu keiner Zeit eine Gefahr.“ Zuerst hatte die „Welt“ über einen vereitelten Anschlag während des Halbmarathons in Berlin berichtet.

Durchsucht wurden nach Angaben der Polizei Wohnungen und Fahrzeuge in Charlottenburg und Neukölln. Die Festgenommenen sind zwischen 18 und 21 Jahre alt. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll es sich bei dem Hauptverdächtigen um Walid S. handeln. Der 20-Jährige gilt als enger Vertrauter von Anis Amri, der Ende 2016 das Attentat am Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz begannen hatte. Beide hatten sich noch am Tag des Anschlags auf dem Breitscheidplatz zum Essen getroffen.

Kontakte zu Amri und zur Fussilet-Moschee

Darüber hinaus unterhielt Walid S. enge Kontakte zur Fussilet-Moschee in Moabit, in der auch Amri verkehrte. Die Moschee galt lange Zeit als Treffpunkt von Salafisten und anderen radikalen Islamisten. Anfang vergangenen Jahres wurden der Trägerverein „Fussilet 33“ von Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) verboten und die Moschee geschlossen. Bereits im September 2017 war die Wohnung von S. an der Johann-Sigismund-Straße in Charlottenburg erstmals durchsucht worden. Offenbar erfolgte dort am Sonntag auch die Festnahme durch Beamte eines Spzialeinsatzkommandos (SEK). Dabei stellten die Beamten mehrere große und extra geschärfte Messer sicher.

Walid S. wurde bereits seit Monaten von Spezialisten eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK) observiert. Er galt als gefährlich, einen Racheakt für seinen auf der Flucht in Italien erschossenen Komplizen Amri konnten und können die Ermittler nicht ausschließen. Ob tatsächlich der Halbmarathon das Ziel der Festgenommenen war und wie weit die Planungen eines möglichen Anschlags bereits gediehen waren, dazu sagten Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag noch nichts.

Ein Ermittler betonte allerdings, eine reale Gefahr für Teilnehmer und Zuschauer der Veranstaltung hätte nicht bestanden, da die Festgenommen bereits unter Beobachtung standen und ein schneller Zugriff jederzeit möglich gewesen wäre.

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Walid S. war nicht nur ein enger Freund von Anis Amri, er soll nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes auch für die islamistische Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) aktiv gewesen sein. Im Umfeld von S. agieren nach Erkenntnissen der Ermittler weitere sechs Männer, deren Wohnungen im vergangenen Jahr ebenfalls durchsucht wurden. Ob sie auch unter den am Sonntag Festgenommenen waren, dazu äußerten sich die Behörden mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht.

Die Erkenntnisse zu S. und seinem Umfeld stammen aus Ermittlungen des Bundeskriminalamtes und des Landeskriminalamtes. Berichte, wonach der Hinweis auf einen Anschlag auf den Halbmarathon von einem ausländischen Geheimdienststammen soll, kommentierte die Polizei am Sonntag ebenfalls nicht.

Müller dankt der Berliner Polizei

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der sich zurzeit auf einer Jordanien-Reise befindet, sagte: "Ich danke ausdrücklich den Sicherheitskräften für ihr schnelles, gutes und erfolgreiches Eingreifen. Sie haben möglicherweise einen feigen Angriff auf den Halbmarathon, die Sportlerinnen und Sportler und seine Gäste verhindern können. (…) Die Berliner Polizei hat gute Arbeit geleistet."

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußerte sich zufrieden mit dem Vorgehen der Sicherheitskräfte. „Es ist beruhigend, dass die Berliner Polizei diese mutmaßlichen Gefährder offenbar so unter Beobachtung hatte, dass sie sie jederzeit aus dem Verkehr ziehen konnte“, erklärte der GdP-Vorsitzende Oliver Malchow.

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