Berlin

Rot-Rot-Grün kämpft gegen die Autofahrer

Eine Grüne hat es schon einmal versucht: Renate Künast, Spitzenkandidatin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin, forderte Ende 2010, damals ganz zu Beginn des Abgeordnetenhauswahlkampfs, Tempo 30 flächendeckend in Berlin einzuführen. Wir wissen, wie es ausging – Künast stürzte in den Umfragen nach und nach ab, auch wegen dieser Forderungen. Zum Schluss kamen die Grünen nur auf 17,6 Prozent der Stimmen, und Klaus Wowereit zog wieder ins Rote Rathaus ein.

Nun will die Verkehrssenatorin Regine Günther – parteilos, aber für die Grünen im Senat – wieder Tempo 30 auf einer zentralen Verkehrsverbindung in Berlin einführen. Zunächst als Modellversuch auf der Leipziger Straße, später dann noch auf ein paar anderen Hauptverkehrsstraßen wie der Kantstraße in Charlottenburg. Sie sagt, sie wolle damit drohende Fahrverbote verhindern und die Luft in Berlin verbessern. Das ist löblich, aber ich frage mich, warum Günther und ihre Verwaltung just diese Straße ausgewählt haben. Denn dort stehen zahlreiche Ampeln, dort bewegt man sich im Berufsverkehr nun wirklich langsam vorwärts. Ich fahre mit dem Auto auch häufig die Leipziger Straße entlang – aber außerhalb der Berufsverkehrszeiten. Und da, glauben Sie mir, kommt man gut mit Tempo 50 voran.

Es gibt, das ist nun wahrlich keine neue Erkenntnis, nicht viele gute Verkehrsverbindungen zwischen Ost und West. Die Leipziger Straße ist eine dieser weniger Verbindungen – und eine Hauptstraße. Auf die Invalidenstraße kann man nicht ausweichen, denn dort fährt schon die Straßenbahn – und dies nicht in einem eigenen Gleisbett. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie die Verkehrssituation wird, wenn dann auch noch auf der Leipziger Straße eine Tram fährt. Und ja, Rot-Rot-Grün will die Straße Unter den Linden noch immer zur Fußgängerzone umwandeln.

Die Hoffnung, dass der Senat, wie von ihm zumindest ab und zu postuliert, an alle Verkehrsteilnehmer denkt, habe ich schon seit Längerem aufgegeben. Ich persönlich suche mir andere Wege durch die Stadt und fahre auch häufig mit U- und S-Bahn oder der Tram. Mir tun aber all die wirtschaftlichen Betriebe leid, die auf das Auto angewiesen sind. Für sie wird der Alltag immer beschwerlicher – obwohl es völlig unnötig ist.