Urban Gardening

Gemüse und Kräuter für alle in Kreuzberg

Südlich des viel befahrenen Moritzplatzes liegt eine knapp 6000 Qua­dratmeter große grüne Oase. 2009 entstanden auf der Brachfläche zwischen Prinzen- und Prinzessinnenstraße die Prinzessinnengärten – eines von mittlerweile unzähligen Urban-Gardening-Projekten Berlins.

Seit September absolviert Geronima Kantorowicz hier ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ). Aber erst mit dem Frühlingsstart beginnt für die 22-jährige Kreuzbergerin die eigentliche Arbeit. „Jetzt geht es darum, die Gärten startklar zu machen, also aufzuräumen, die Beete vorzubereiten und Pflanzen, die den Winter nicht überstanden haben, zu entsorgen.“ Außerdem müsse ein Plan aufgestellt werden, was wo wachsen soll. „Wir haben schon viele Jungpflanzen angesät – allerdings im Büro in der Oranienstraße.“ Erst wenn im Mai kein Bodenfrost mehr droht, können sie raus in die Beete.

In den Prinzessinnengärten werden ausschließlich essbare Pflanzen gezogen. Bis zu 500 verschiedene Gemüse- und Kräutersorten sind es jedes Jahr. Dabei wird vollständig auf Pestizide und chemische Düngemittel verzichtet. Ein besonderer Fokus wird aber auf die Artenvielfalt gelegt. „Der Verlust der Nutzpflanzen ist ein Thema, auf das wir aufmerksam machen wollen“, sagt Gärtner Matthias Wilkens, der die Arbeit in den Prinzessinnengärten koordiniert. In den vergangenen 150 Jahren sei die Landwirtschaft immer weiter professionalisiert und optimiert worden. Im Ergebnis seien dabei 90 Prozent aller Nutzpflanzen ausgestorben. Es gehe daher vor allem darum, etwa seltenere Tomaten- oder Kartoffelsorten zu zeigen.

Die Beete stehen jedem Hobbygärtner offen, der kein eigenes Grün besitzt. Dafür gibt es jede Woche zwei öffentliche Gartenarbeitstage: donnerstags zwischen 15 und 18 Uhr sowie sonnabends zwischen elf und 14 Uhr. Bis zu 1000 freiwillige Unterstützer zählt das Projekt pro Jahr. Diese können später in der Saison das Gemüse auch selbst ernten und kaufen. Außerdem gibt es Werkstätten, Umweltkurse, Gartenbau-Workshops und ein Café. Die Gartensaison 2018 soll am heutigen Sonntag mit einem Flohmarkt (10 bis 17 Uhr) eingeläutet werden.