Nahverkehr

Berlins Netz von Busspuren soll auf doppelte Größe wachsen

Das 102 Kilometer umfassende Netz soll doppelt so groß werden. Die ersten Projekte starten in Lichterfelde und Gesundbrunnen

Blick auf die Busspur auf der Leipziger Straße

Blick auf die Busspur auf der Leipziger Straße

Foto: dpa Picture-Alliance / Robert Schlesinger / picture alliance / Robert Schles

Berlin.  Berlins Busse sind nicht die schnellsten, ganz im Gegenteil. Aber sie sollen beschleunigt werden. Seit Monaten wird über die Einrichtung neuer Busspuren diskutiert. Zwei davon haben nach Informationen der Berliner Morgenpost die besten Chancen, realisiert zu werden. Dabei handelt es sich um Abschnitte in Lichterfelde und Gesundbrunnen: auf dem Hindenburgdamm zwischen Klingsorstraße und Händelplatz sowie auf der Prinzenallee zwischen Badstraße und Osloer Straße. Die Gesamtlänge beträgt 1,1 Kilometer. Wann genau die Umsetzung erfolgt, steht allerdings noch nicht fest.

Kommentar: Dass Berlin auf Busspuren setzt, ist richtig!

Doch die beiden Vorhaben sollen nur der Anfang sein. Insgesamt plant der Senat, das bisherige Busspuren-Netz von 102 Kilometern zu verdoppeln, wie Staatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne) mitteilte. Welche Straßen dafür infrage kommen, berät die sogenannte Taskforce Beschleunigung – eine Arbeitsgruppe unter Leitung der Verkehrsverwaltung, die Maßnahmen für schnellere Busse und Bahnen entwickelt. Details sind noch nicht bekannt, neben den genannten Strecken stehen aber offenbar auch Teile der Kantstraße und der Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg sowie die Urbanstraße in Kreuzberg auf der Liste. Als wahrscheinlich gilt, dass auf der Hardenbergstraße (Charlottenburg) und der Karl-Liebknecht-Straße (Mitte) die zeitlichen Beschränkungen wegfallen. Bislang haben die Busspuren dort nur von 9 bis 21 Uhr beziehungsweise 14 bis 18 Uhr Gültigkeit.

Abstimmung mit neuen Radwegen sorgt für Probleme

Wie aus Senatskreisen verlautet, gibt es aber noch Probleme mit der Abstimmung. Denn laut neuem Berliner Mobilitätsgesetz sollen an allen Hauptstraßen ausreichend breite Radwege entstehen. Radweg und Busspur müssen dabei baulich voneinander getrennt sein – bislang nutzen Radfahrer den Busstreifen. „Diese Komplexität in der Planung könnte der Grund sein, warum es bisher weder konkrete Ansagen für neue Radwege noch für Busspuren gibt“, heißt es. Der ADAC befürchtet indes einen massiven Wegfall von Parkplätzen.

Mehr Busspuren sollen für mehr Pünktlichkeit bei der BVG sorgen. Müssen sich die Busse die Straße mit dem restlichen Verkehr teilen, stehen sie oft im Stau. Zwar hat sich die Pünktlichkeit der BVG-Busse in den vergangenen Jahren minimal verbessert – von 86,6 Prozent 2016 auf 87,2 Prozent im vergangenen Jahr –, dennoch liegt dieser Wert nach wie vor unter dem vorgegebenen Sollwert des Senats von 89,4 Prozent. Kein öffentliches Verkehrsmittel in Berlin ist so unpünktlich wie die Busse.

Dass die Einrichtung von Busspuren für mehr Pünktlichkeit sorgen kann, zeigt eine Maßnahme aus dem Jahr 2016. Damals wurden auf der Beusselstraße und der Invalidenstraße in Mitte kurze Abschnitte von je rund 300 Metern markiert. Beide gehören zur Route der Airport-Linie TXL. Durch die neuen Busspuren erhöhte sich die Pünktlichkeit der Flughafenbusse von 79,6 Prozent auf 85,7 Prozent.

Zugeparkte Busspuren bleiben ein Problem

Der Fahrgastverband Igeb weist aber darauf hin, dass die Spuren auch konsequent eingerichtet werden müssen, das heißt bis an die Kreuzungen führen sollten. Wenn sie wie an der Clayallee in Zehlendorf kurz vorher endeten und die Busse sich in den Abbiegeverkehr einfädeln müssten, seien sie nutzlos.

Busspuren sind auch nur dann hilfreich, wenn sie nicht zugeparkt werden. Für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ist das eines der Hauptprobleme. Auf der Hauptstraße in Schöneberg etwa ist die Spur wegen parkender Autos größtenteils nicht mehr nutzbar. Doch die Ordnungsamtsmitarbeiter schaffen es nicht, die Sonderspuren ausreichend freizubekommen. Allerdings sind auch hier Veränderungen erkennbar: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Fahrzeuge, die wegen Parkens auf der Busspur abgeschleppt wurden, um 4,4 Prozent auf 8539. Allein von Falschparkern auf Busspuren und Radwegen flossen im vergangenen Jahr rund 24 Millionen Euro in die Kassen der Bezirke. Es werde zwar nicht unbedingt mehr, dafür aber zielgerichteter kontrolliert, lobte der ADAC.