Unter den Linden

Kampf um das Palais am Festungsgraben

Ein Verein will das Ansehen der Vereinten Nationen aufpolieren und dafür in das Palais am Festungsgraben ziehen. Das wird nicht leicht.

Palais am Festungsgraben

Palais am Festungsgraben

Foto: Amin Akhtar

Berlin. Bis 1976 war Rolf Kreibich Präsident der Freien Universität (FU), inzwischen widmet er sich dort der Zukunftsforschung. Doch momentan ist es eher die Gegenwart, die Kreibich in seiner Funktion als Vorsitzenden des Vereins „Haus für die Vereinten Nationen“ beschäftigt.

Wie andere Organisationen und Institutionen auch will der Verein in das Palais am Festungsgraben einziehen. Das altehrwürdige Gebäude im Herzen von Mitte soll ab 2020 für 15 Millionen Euro saniert und zwei Jahre später an einen neuen Mieter vergeben werden. Für die Nutzung hatte die landeseigene Berliner Immobilien Management (BIM) vergangenes Jahr einen Wettbewerb ausgerufen.

Die Vorgaben: eine angemessene Nutzung durch kulturelle, politische oder gesellschaftliche Institutionen. Das bereits ansässige Theater im Palais soll bleiben und auch das benachbarte Maxim Gorki Theater seine Räume behalten. Und bei der Finanzierung darf es keine Bezuschussung durch Steuermittel geben.

Die Vereinten Nationen sollen in Berlin sichtbar sein

Zehn Konzepte gingen ein und wurden mehrstufig aussortiert. Doch unter den finalen drei ist das „Haus für die Vereinten Nationen“ nicht vertreten. Für den Vereinsvorstand unbegreiflich. „Wir haben ein wichtiges, ausgereiftes Konzept“, sagt Kreibich. Der Verein stellt sich ein weltweit einmaliges Informations- und Kommunikations­zentrum für die Vereinten Nationen (UN) vor.

Dabei will man vor allem Ansehen und Bekanntheit der Weltorganisation verbessern, in der Hauptstadt sichtbar sein, einen Draht zum Bürger legen. Denn die UN sei eben kein „Papiertiger“, sagt Kreibich, vielmehr müsse gewürdigt werden, was sie bei Themen wie Armut, Gesundheit oder Umwelt leiste.

Konkret sollen sich im Palais am Festungsgraben die diversen UN-Organisationen sowie international agierende Nichtregierungsorganisationen und andere Mieter in Form von Kunst, Kultur, Ausstellungen und Events präsentieren. Insgesamt 173 Veranstaltungen pro Jahr sieht das Konzept vor, thematische Anlässe könnten der Verstoß der Atommächte gegen den Atomwaffensperrvertrag oder Menschenrechtsverletzungen in der Türkei sein, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Der Traum vom UN-Generalsekretär in Berlin

Das Finanzierungskonzept ist laut Kreibich wasserdicht. Einnahmen sollen über die Vermietung an Gastnutzer und ein Gastronomieangebot sowie Spendeneinnahmen generiert werden. Die Höhe der Miete soll je nach Zahlungskraft der Mieter individuell angepasst werden. „Das Palais am Festungsgraben soll wie ein Juwel behandelt und Nutzer verpflichtet werden, Ordnung zu halten und den Denkmalschutz einzuhalten“, sagt Kreibach, der um die Bedeutung des Gebäudes weiß, das 1751 von Johann Gottfried Donner, Kammerdiener von Friedrich dem Großen, erbaut wurde.

Eines Tages, so der Traum, hält der UN-Generalsekretär seine jährliche Ansprache in Berlin. Tatsächlich hat der Verein relativ prominente Rückendeckung, zu den Unterstützern gehören unter anderem die Berliner CDU-Landeschefin und Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die Berliner SPD-Bundestagsabgeordneten Eva Högl, FU-Professor Peter Raue, Ex-Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) und internationale Namen wie der ehemalige australische Außenminister Gareth Evans.

Im Vorstand sitzt Gunter Pleuger, ehemaliger Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Obwohl bereits drei Konzepte in der finalen Auswahl sind, hat die zuständige Steuerungsrunde aus den Senatsverwaltungen für Kultur, Wirtschaft und Finanzen sowie dem Bezirk Mitte noch keine Entscheidung getroffen.

Vielmehr scheinen die Chancen für das „Haus für die Vereinten Nationen“ gestiegen. Zum einen wurde das Konzept der landeseigenen Immobilienfirma Berlinovo an die Presse durchgesteckt – was die Steuerungsrunde überhaupt nicht amüsant fand und die Chancen der Berlinovo geschmälert haben könnte. Zum anderen kritisiert Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD), dass keines der drei ein temporäres Konzept ist.

Die Linken favorisieren das „Deutsche Haus“

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) indes hat sich offenbar schon festgelegt. Er favorisiert die Idee einer Gruppe aus Initiativen, zu der auch das Maxim Gorki Theater gehört. Es nennt sich „Deutsches Haus“ und will die Themen Exil und Flucht umsetzen. „Dabei geht es nicht um den syrischen Flüchtling, sondern um Künstler und Wissenschaftler im Exil“, sagt Esra Kücük, Leiterin des Gorki Forums.

Dies könne ein ungarischer Schriftsteller oder in Zukunft auch ein amerikanischer Klimaforscher sein. Der Name lehnt sich an das einstige „German House“ an, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Treffpunkt exilierter deutscher Künstler in New York war. Der dritte Vorschlag stammt von der Humboldt Universität. Er sieht ein „Forum für Religionsfragen“ vor.

Für Kreibich sind die anderen Ideen nur „Gemischtwarenkonzepte“, und die habe Berlin schon zuhauf. Er und seine Mitstreiter kritisieren, dass das Bewerbungsverfahren undurchsichtig sei und landeseigene Einrichtung favorisiert würden. Das letzte Wort im Kampf um das Palais am Festungsgraben ist noch lange nicht gesprochen.

Mehr zum Thema:

Mieter für das Palais am Festungsgraben gesucht

Berliner Top-Immobilien sollen im Besitz des Landes bleiben