Nach erneutem Angriff

Rigaer Straße: Polizisten fordern Gefahrenzuschlag

In der Nacht wurde erneut ein Polizeiauto an der Rigaer Straße mit einem Stein beworfen. "Feiger Mordansschlag", sagt ein Abgeordneter.

Bei dem Angriff auf das Polizeiauto wurde die Frontscheibe zertstört

Bei dem Angriff auf das Polizeiauto wurde die Frontscheibe zertstört

Foto: Facebook/GdP - Bündnis 2018

Berlin. In Friedrichshain vergeht derzeit kaum ein Tag ohne Angriffe auf Polizisten. Auch in der Nacht zu Mittwoch sah sich eine Funkstreifenbesatzung an der Rigaer Straße einmal mehr einer feigen Attacke aus dem Hinterhalt ausgesetzt. Die drei Beamten in dem Fahrzeug waren im routinemäßigen Streifendienst unterwegs, als gegen 21:40 Uhr plötzlich ein faustgroßer Stein mit lautem Knall auf der Windschutzscheibe des Wagens landete. Dem Fahrer gelang es gerade noch, den Streifenwagen aus der Gefahrenzone zu bringen, bevor er zur Zielscheibe weiterer Geschosse werden konnte.

Die Beamten blieben unverletzt, mussten sich aber einer sofortigen ärztlichen Untersuchung unterziehen. Es bestand die ernsthafte Gefahr, dass sie umherfliegende Glassplitter eingeatmet hatten, eine Befürchtung, die sich glücklicherweise nicht bestätigte. Nachdem bereits in der Nacht zum Ostermontag ebenfalls ein ganzer Steinhagel auf Einsatzfahrzeuge der Polizei niedergegangen war, gab es aus der Polizeibehörde jetzt erstmals die Forderung nach einem Gefahrenzuschlag für Einsätze an der Rigaer Straße.

Obwohl sofort alarmierte und nur wenige Minuten nach dem Anschlag eintreffende Unterstützungskräfte einer Einsatzhundertschaft den Tatort weiträumig absuchten, blieben die Täter unauffindbar, ebenso wie der Gegenstand, der in die Windschutzscheibe flog. Das Fahrzeug wurde dabei schwer beschädigt und kann nach Angaben eines Polizeisprechers am Mittwoch vorläufig nicht mehr eingesetzt werden. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen zu der Tat übernommen, dort geht man davon aus, dass der oder die Täter wie bei den allermeisten Taten zuvor aus der gewaltbereiten linksautonomen Szene stammen.

Abgeordneter spricht von „feigen Mordanschlägen“

Nach den Vorfällen der letzten Tage an der Rigaer Straße fordern Oppositionspolitiker im Abgeordnetenhaus ebenso wie Polizeigewerkschaftler zum wiederholten Mal ein härteres und entschlosseneres Vorgehen gegen linksautonome Gewalttäter im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner nannte die Steinwürfe „feige Mordanschläge“, sein Parteifreund Burkhard Dregger warf dem rot-rot-grünen Senat einen „Kuschelkurs“ gegenüber der gewaltbereiten linksextremen Szene vor. Kritik kam auch von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). „Die Verantwortlichen in der Politik müssen endlich aufwachen und handeln, bevor dieser Wahnsinn ein Menschenleben fordert“, sagte der Berliner GdP-Sprecher Benjamin Jendro am Mittwoch.

Martin Palgen, der Sprecher von Innensenator Andreas Geisel (SPD), betonte dagegen, die Polizeipräsenz in dem als kriminalitätsbelasteter Ort eingestuften Kiez habe über einen langen Zeitraum für relative Ruhe gesorgt. Eine Lösung könne man aber nicht nur über die Polizei erreichen, sondern man müsse mit den 99,9 Prozent der Anwohner ins Gespräch kommen, die nicht linksextrem seien, erklärte Palgen weiter.

Das Gespräch auch mit der gewaltbereiten autonomen Szene zu suchen, diese von verschiedenen Seiten erhobene Forderung, bezeichnen viele Sicherheitsexperten als enorm schwierig, wenn nicht gar aussichtslos. „Teile dieser Szene denken und handeln so abgeschottet, die sind nicht mehr erreichbar, nicht einmal von denen, deren politische Ziele sie teilen“, beschreibt ein Berliner Verfassungsschützer die Situation. Schon die Wortwahl in öffentlichen Erklärungen der autonomen Szene zeigt nichts als unverhohlenen Hass und eine Wahrnehmung jenseits aller Realität. „Schweine stürmen die Rigaer 94“, meldete die Szene via Internet beim großen Polizeieinsatz vor einer Woche. „Bullen stürmen Kinderzimmer“, lautete eine andere Meldung.

Staats- und Verfassungsschützer befürchten, dass die aufgeheizte Stimmung im Kiez bis zum 1. Mai anhält, und vor allem das Myfest zum Schauplatz weiterer Attacken wird.

Mehr zum Thema:

Rigaer Straße: Steinhagel auf Polizeifahrzeuge

Rigaer Straße: Autonome stellen Polizisten-Fotos ins Netz

350 Beamte für eine Festnahme - Kritik an Großaufgeboten

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.