Spreebogenpark

Provisorische Straße nahe Kanzleramt wird abgerissen

Die Umfahrung der Schweizer Botschaft verschwindet. Für Autofahrer verlängert sich der Weg nach Moabit.

Der Spreebogenpark am Flussufer soll 2019 fertiggestellt sein. Die Straße vor der Schweizer Botschaft (vorn) nahe dem Kanzleramt wird zurückgebaut

Der Spreebogenpark am Flussufer soll 2019 fertiggestellt sein. Die Straße vor der Schweizer Botschaft (vorn) nahe dem Kanzleramt wird zurückgebaut

Foto: euroluftbild.de ®

Spaziergänger im Spreebogenpark werden sich über eine größere Grünfläche freuen. Autofahrer müssen dafür längere Wege in Kauf nehmen. Eine neue Verkehrsführung am Spreebogenpark in Tiergarten steht bevor. Bislang durchqueren Autofahrer den Park, wenn sie von der Heinrich-von-Gagern-Straße in Richtung Alt-Moabit fahren wollen. Sie nehmen den Weg um die Schweizer Botschaft herum über die Willy-Brandt-Straße und die Moltkebrücke.

Künftig werden sie eine deutlich längere Strecke um den Park herum zurücklegen müssen – über Otto-von-Bismarck-Allee, Konrad-Adenauer-Straße, Kronprinzenbrücke, Kapelle-Ufer und Rahel-Hirsch-Straße. Denn die Umfahrung der Schweizer Botschaft wird zurückgebaut. Der Spreebogenpark wird in seiner ursprünglichen Form vollendet, unter Federführung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Bisher war die Grünanlage nur ein Provisorium

Baubeginn ist im Oktober 2018. Die Fertigstellung des Parks sei für den Sommer 2019 geplant, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung. Die Kosten für das Vorhaben sind mit etwa einer Million Euro veranschlagt.

Der Spreebogenpark ist nach Plänen des Schweizer Büros Weber und Sauer angelegt worden. Es gewann den internationalen Wettbewerb des Senats von 1996/1997. Rund zehn Millionen Euro kostete das Vorhaben, das vom Bund und von Berlin bezahlt wurde. Der Park ist sechs Hektar groß. Zur Anlage gehören Staudengarten, Strandbar, ein Pavillon, Spurengärten und Spazierwege. Der Park entstand in den Jahren 2002 bis 2005, allerdings nicht vollständig. Als Provisorium blieb die Straße, die um die Schweizer Botschaft verläuft und die große Grünfläche zerschneidet. Sie stammt aus der Zeit, als der Tiergartentunnel angelegt wurde.

Er entstand in den Jahren 1995 bis 2006. Weil das Kanzleramt den Durchgangsverkehr nicht direkt vor seinem Dienstsitz vorbeirollen lassen wollte, wurde die Straße um die Botschaft angelegt. Sie war als vorübergehende Verkehrsführung gebaut und sollte nur bis zur Eröffnung des Tunnels Bestand haben. Derzeit nutzen an Werktagen mehr als 11.000 Fahrzeuge täglich die Umfahrung der Botschaft.

Ihr Rückbau wird seit vielen Jahren diskutiert, scheiterte bislang jedoch an Sicherheitsüberlegungen des Bundestages und des Kanzleramtes. Ursprünglich war vorgesehen, dass der Durchgangsverkehr auf der Konrad-Adenauer-Straße unmittelbar am Paul-Löbe-Hauses rollen sollte. Doch dort steigen Besucher des Gebäudes ein und aus. Deshalb wandte sich der Bundestag gegen diesen Vorschlag. „Die Verhandlungen mit den Bundesstellen haben einen langen Zeitraum in Anspruch genommen“, so Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Neue Bänke und Bäume

Nun wird im Spreebogenpark die ursprüngliche Planung des Architekturbüros fertiggestellt. Dort, wo bislang die Straße verlief, werden Bäume und Sträucher gepflanzt, weitere Rasenflächen entstehen. Neue Bänke, Leuchten und Abfallbehälter sind vorgesehen.

Südlich des Spreebogenparks sind weitere Veränderungen geplant. Ausgebaut wird die Straße zwischen Paul-Löbe-Allee und Otto-von-Bismarck-Allee, die bislang noch keinen Namen hat. Sie durchschneidet das sogenannte Band des Bundes, eine 900 Meter lange Kette von Bauten im Regierungsviertel.

In diesem Band, das von den Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank entworfen wurde, war ursprünglich auch ein Bürgerforum vorgesehen. Es sollte zwischen Bundeskanzleramt und Paul-Löbe-Haus angelegt werden – dort, wo nun die Straße ausgebaut wird. Auch sie war einst als Provisorium gedacht und sollte nach dem Bau des Tiergartentunnels verschwinden. Aber nun wird sie zu einer dauerhaften Lösung. Damit werde die Verkehrsverbindung weitgehend unabhängig vom Parlaments- und Regierungsbetrieb gesichert, heißt es in der Begründung der Senatsverwaltung. Die Straße soll auf 17,5 Meter verbreitert werden, Radstreifen und Gehwege bekommen.

Initiative fordert, geplantes Bürgerforum zu realisieren

Die Pläne hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Februar und März ausgelegt. Die Initiative Offene Gesellschaft e. V. erhebt Einspruch dagegen. Sie fordert, dass das Bürgerforum realisiert wird. Es sei das Herzstück, das mitten im Band des Bundes errichtet werden sollte, heißt es auf der Homepage der Initiative. Das Bürgerforum solle ein „offener, bunter, vielfältiger, lebendiger Ort für alle“ sein. Sie hat gemeinsam mit dem Architekten Tobias Wallisser einen Entwurf für das Forum entwickelt.

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