Berlin

Gedächtniskirche ehrt Pionier der Aussöhnung

Franz Stock war ein Pionier der Versöhnung mit Frankreich. Die Gedächtniskirche ehrt den Priester mit einer Ausstellung.

Ausstellung zu Franz Stock in der Kapelle der Gedächtniskirche

Ausstellung zu Franz Stock in der Kapelle der Gedächtniskirche

Foto: Brigitte Schmiemann

Das Blau der Fenster gibt der Gedächtniskirche ihr typisches Licht. Die Glaswände schuf ein französischer Künstler aus Chartres. Dort im Entstehungsort der Mosaiksteine entstand bei einer Gemeindereise die Idee einer Ausstellung zum Gedenken an Abbé Franz Stock, einem frühen Wegbereiter der deutsch-französischen Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg, der im Alter von 43 Jahren 1948 in Paris gestorben war. Ostersonntag wird die Ausstellung über das Wirken des Priesters um 18 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Gedächtniskirche und einem anschließenden Empfang eröffnet.

Résistance-Gefangene in deutschen Gefängnissen betreut

Schon als Jugendlicher in den 20er-Jahren hatte sich Stock für deutsch-französische Begegnungen interessiert. 1934 wurde er Seelsorger für die deutschen Katholiken in Paris. Nach der Besetzung Frankreichs betreute er zusätzlich Résistance-Gefangene in den deutschen Gefängnissen; viele begleitete er bis zur Hinrichtung. Das Vertrauen, das er sich so in Résistance-Kreisen erwarb, ließ ihn 1945 zur geeigneten Person für die Leitung des Priesterseminars „hinter Stacheldraht“ im Kriegsgefangenenlager bei Chartres werden.

„Unsere Kirche selbst ist ein symbolischer Ort für die deutsch-französischen Beziehungen“, sagt Martin Germer, Pfarrer der Gedächtniskirche. Die 21.334 blauen Glaselemente der Kirche beispielsweise fertigte der Künstler in Chartres nur wenige Kilometer entfernt von Franz Stocks „Stacheldrahtseminar“. „Es freut mich deshalb sehr, dass wir Franz Stock und seinen Einsatz für Menschenwürde und Dialog hier in den Blick rücken“, so Germer.

Die Ausstellung in der Kapelle der Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz, die sich dem engagierten Theologen widmet, ist bis zum 29. April zu besichtigen (täglich 13 bis 19 Uhr). Ergänzt wird sie durch Vorträge, Führungen und Diskussionen zum Leben Stocks sowie des Berliner Pfarrers Harald Poelchau und zu aktuellen Fragen des europäischen Miteinanders. Zu Gast sind auch der ehemalige Bundestagespräsident Wolfgang Thierse (4. April, 19.30 Uhr, im Dialog mit Gesine Schwan: „Die Rolle der Christen in einem Europa voll von Ängsten und Misstrauen“). Der Eintritt zur Ausstellung und den Veranstaltungen ist kostenfrei. Informationen unter: www.gedaechtniskirche-berlin.de