Bahnübergang

Diese Treppe in Marienfelde ist ein schlechter Witz

Eine Fußgängerbrücke ersetzt den Bahnübergang an der Säntisstraße. Doch Anwohner klagen über die nicht barrierefreie Ausführung.

Für das Projekt „Dresdner Bahn“ haben jetzt die Bauarbeiten begonnen. In einem ersten Schritt wurde dafür am Gründonnerstag der Bahnübergang Säntisstraße in Marienfelde geschlossen.

Für das Projekt „Dresdner Bahn“ haben jetzt die Bauarbeiten begonnen. In einem ersten Schritt wurde dafür am Gründonnerstag der Bahnübergang Säntisstraße in Marienfelde geschlossen.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin.  Die Hürde ist hoch – und nur schwer zu überwinden. Seit Donnerstag ersetzt eine Fußgängerbrücke den Bahnübergang an der Säntis­straße in Marienfelde. Doch die Anwohner im Berliner Süden sind alles andere als zufrieden mit dem Provisorium, über das sie nun über Jahre die Gleise der S-Bahn überqueren sollen. Vor allem Eltern mit Kinderwagen, Passanten mit viel Gepäck oder Radfahrer haben es nicht leicht, die steile Treppe zu erklimmen.

Zu den Betroffenen gehört auch Petra Schlößer. Schwer atmend wuchtet die 56-Jährige ihr Fahrrad die Treppenstufen hinauf. „Das ist schon eine Zumutung“, sagt sie. Noch schwerer aber habe es ihr Mann, der auf einen Rollator angewiesen sei. Er müsse die Bahngleise regelmäßig überqueren, weil er in der Kirchgemeinde die Orgel spiele. Die Kirche liegt auf der anderen Seite der Bahntrasse.

Für ihn, aber vor allem für Rollstuhlfahrer, stellt die neue Brücke an der Säntisstraße ein faktisch unüberwindbares Hindernis dar. Gebaut wurde die Brücke im Auftrag der Deutschen Bahn. Diese plant, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stillgelegte Fernbahnstrecke von Südkreuz nach Blankenfelde wieder aufzubauen.

Behindertenbeauftragte fordert neue Gestaltung

Gegen das unter dem Namen „Dresdner Bahn“ bekannte Millionenprojekt haben die Anwohner fast 20 Jahre lang Widerstand geleistet. So forderten die Lichtenrader eine Tunnellösung, weil die oberirdische Trasse mit ihren bis zu sechs Meter hohen Schallschutzwänden den Ortsteil zerschneiden würde. Im Vorjahr wurden jedoch die letzten Klagen vom Bundesverwaltungsgericht abgewiesen. Die Bahn hat inzwischen für die drei in Berlin liegenden Abschnitte der rund 16 Kilometer langen „Dresdner Bahn“ Baurecht.

Die Schließung des beschrankten Bahnübergangs Säntisstraße ist der erste konkrete Schritt des Projekts. Damit die Fernzüge und der Flughafenexpress zum BER einmal mit Tempo 160 über die Trasse fahren können, müssen alle ebenerdigen Bahnübergänge verschwinden. Für die Säntisstraße ist eine Straßenunterführung geplant. Erst wenn diese fertig ist, soll die Fußgängerbrücke wieder zurückgebaut werden. Nach derzeitigem Planungsstand wird dies wohl erst 2022 so weit sein.

Die Landesbeauftragte für Behinderte, Christine Braunert-Rümenapf, forderte inzwischen von der Deutschen Bahn eine Gestaltung, die auch Mobilitätseingeschränkten das Überqueren der Gleise ermöglicht. Die Bahn verweist indes auf das Eisenbahn-Bundesamt, das die Brücke genehmigt habe.

Grundlage dafür sei das „zu erwartende geringe Aufkommen von mobilitätseingeschränkten Nutzern im Verhältnis zu den entstehenden Kosten für Bau und Instandhaltung einer barrierefreien Brücke“. Mobilitätseingeschränkte Anwohner sowie Radfahrer könnten ja den südlich der Säntisstraße gelegenen Bahnübergang Buckower Chaussee zur Querung der S-Bahngleise nutzen. Für Betroffene bedeutet dies jedoch einen Umweg von bis zu zwei Kilometern.

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