Egal wie das Wetter ist

Die schönsten Oster-Spaziergänge in Berlin und Brandenburg

Auch wenn das Wetter an Ostern nicht gut ist, gibt es viele lohnende Ausflüge. Die schönsten Spaziergänge in Berlin und Brandenburg.

Die Glienicker Brücke verbindet Potsdam (Brandenburg) mit Berlin

Die Glienicker Brücke verbindet Potsdam (Brandenburg) mit Berlin

Foto: dpa Picture-Alliance / Wolfram Steinberg / picture alliance / Wolfram Stein

Berlin.  Es kann so einfach sein. Mit diesem Slogan will sich das Land vom selbstbewussten „be Berlin“ der Hauptstadt absetzen und ein eigenes Profil gewinnen. Denn Brandenburg leidet unter der Strahlkraft Berlins. Das Verhältnis der beiden Länder ist mitunter – schwierig.

Miteinander will es nicht so recht funktionieren, wie die gescheiterte Länderfusion und die Eiszeit zwischen den Regierungschefs danach zeigte, aber ohne einander geht es auch nicht. Ein Gefühl der Gemeinsamkeit will trotzdem auch 29 Jahre nach dem Fall der Mauer nicht so recht aufkommen.

Auch wenn der Wetterbericht für die Osterfeiertage nicht besonders optimistisch ausfällt, so lohnt vielleicht doch einmal ein Besuch beim Nachbarn. Die Berliner Morgenpost schlägt zehn Spaziergänge durch Berlin und Brandenburg vor, auf denen sich Land und Leute dies- und jenseits der Landesgrenze erkunden lassen.

Denn trotz aller Unterschiede gibt es auch viele Gemeinsamkeiten – auch jenseits des schnoddrigen Mürrischseins, das Berliner und Brandenburger eint. Da sind ruhige Ecken mit viel Natur in der Hauptstadt zu entdecken und spektakuläre Attraktionen in den Weiten Brandenburgs. Ein Ausflug nach Marzahn kann zu einer kleinen Weltreise werden und eine Fahrt nach Beelitz Heilstätten zu einem gruseligen Ruinenabenteuer. Manchmal muss man nur ein wenig suchen und genauer hinter die Fassaden blicken – das ist wie am Ostersonntag mit der Eiersuche.

Von Alt-Kladow zur Glienicker Brücke

Vom S-Bahnhof Wannsee aus dauert die Fahrt mit der Fähre F10 knapp 20 Minuten, bevor der Osterspaziergang in Alt-Kladow startet. Vom Imchenplatz in Alt-Kladow beginnt man ihn in südlicher Richtung. Dabei sind vorfrühlingshafte Landschaften, poetische Fähranleger und verlassene Waldwege zu genießen. Es wartet ein toller Blick auf die Glienicker Brücke sowie das Sacrower Schloss.

Zu guter Letzt taucht die Sacrower Heilandskirche auf, die als Teil der Potsdamer Havellandschaft zum Unesco Weltkulturerbe gehört. Sie wurde unter König Friedrich Wilhelm IV. in den Jahren 1840 bis 1844 erbaut. Der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné bezog die Umgebung der Heilandskirche, den Schlosspark und die Bucht mit dem Fährpächter- und Gasthaus „Zum Doctor Faust“ in die landschaftsgärtnerische Umgestaltung der Potsdamer Havellandschaft ein. Das Gasthaus wurde leider durch die innerdeutschen Grenzbauten zerstört.

Mehr Infos: www.kladow-online.info

Entlang des Mauerstreifens

Körperliche Ertüchtigung und Geschichte verbindet dieser Spaziergang. 45 Kilometer lang war der Mauerabschnitt, der Berlin fast 30 Jahre in West- und Ostteil trennte. Der „Berliner Mauerweg“ erschließt diese Strecke (und auch die restlichen 115 Kilometer, die Berlin von Brandenburg abteilten) für Fußgänger und Radfahrer.

Den Spaziergang beginnt man am besten an der Bornholmer Straße und marschiert dann immer Richtung Süden zum Mauerpark und weiter zur Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße, wo sich noch ein zusammenhängendes Stück Mauer befindet.

Weiter geht es zum Reichstag und Brandenburger Tor. Der Verlauf der Mauer ist in der Innenstadt durch eine doppelte Pflastersteinreihe im Boden dokumentiert. Die nächste Station ist der Checkpoint Charlie und wer mag, kann weiter bis zur East Side Gallery spazieren, dem längsten Stück erhaltener Mauer, zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof.

Mehr Infos: www.berlin.de/mauer/mauerweg

Kleine Schwester des Insulaners: Die Marienhöhe

Die Marienhöhe in Tempelhof liegt etwas versteckt zwischen Attila-, Röbling- und Arnulfstraße. Sie ist die kleine Schwester des Trümmerberges Insulaner gleich nebenan hinter den Bahngleisen. Der Hügel ist 73 Meter hoch und gehört zu einer Grundmoräne aus der letzten Eiszeit. Lange wurde hier Kies abgebaut, weswegen das Gelände zwischen den Kriegen als Filmkulisse diente – unter anderem für einen Winnetou-Film.

Nach dem Krieg wurde der Berg mit Kriegstrümmern aufgeschüttet und zu einem Park umgestaltet. Im Park befindet sich auch ein großer Spielplatz. Ein Stein kurz unterhalb der Spitze der Marienhöhe erinnert daran, dass dieser Ort als trigonomischer Punkt für die Luftfahrt genutzt wurde. Von hier aus wurden die Koordinaten für die Flugdaten berechnet. Nach dem Spaziergang lohnt sich eine Pause in den Bergterrassen im Marienhöher Weg 30 – allerdings nur bei schönem Wetter geöffnet.

Infos: www.bergterrasse-marienhoehe.de

Tiergarten und Regierungsviertel

Dieser etwa acht Kilometer lange Spaziergang führt an den wichtigsten Berliner Sehenswürdigkeiten vorbei und ist nicht nur für Touristen geeignet. Die Tour startet am Pariser Platz, man durchschreitet das Brandenburger Tor und kommt linker Hand zum Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals. Über die Wilhelmstraße geht es weiter zur „Topographie des Terrors“, wo man auch Reste der Berliner Mauer bestaunen kann. Danach passiert man das Renaissancegebäude Martin-Gropius-Bau, das wegen umfangreicher Umbauarbeiten derzeit nur sehr eingeschränkt geöffnet ist.

Weiter geht es zum Potsdamer Platz mit dem Sony Center und dem Filmmuseum Berlin, einst der verkehrsreichste Platz Europas. Nur einen Steinwurf entfernt liegt das Kulturforum mit Philharmonie – „Zirkus Karajani“ genannt – dem Kammermusiksaal, dem Musikins­trumentenmuseum und der Matthäuskirche mit anschließender Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe.

Durch den Tiergarten erreicht man das Schloss Bellevue und spaziert dann schnurstracks weiter zum Haus der Kulturen der Welt. Hier ist Zeit für eine Rast an der Spree, bevor der Spaziergang über das Bundeskanzleramt sowie den Reichstag zum Abschluss wieder am Pariser Platz endet.

Infos: www.berlin.de/sehenswuerdigkeiten

Die Gärten der Welt in Marzahn

Faszinierende Einblicke in Gartenkunst aus aller Welt findet man in Marzahn. Den Anfang machte 2000 der „Chinesische Garten des wiedergewonnenen Mondes“, wo Besucher durch eine aufwendig gestaltete, authentische Gartenwelt mit Teepavillon lustwandeln können. Mit 2,7 Hektar ist der Garten übrigens der größte chinesische Garten in Europa. Auf dem Areal befindet sich ebenfalls der „Japanischen Garten des zusammenfließenden Wassers“, wo Shunmyo Masuno typische Pflanzen und traditionelle Stilelemente Japans zu einer reizvollen Anlage vereinte.

Nur 25 Minuten dauert die Anreise mit der U5 vom Alexanderplatz bis zur Station Kienberg – Gärten der Welt. Von dort bringt die zur Gartenschau errichtete Seilbahn bis zu 3000 Personen in der Stunde barrierefrei über den Kienberg zur Talstation Gärten der Welt am Blumberger Damm.

Das ist jedoch noch nicht alles, denn weitere Gärten erwarten den Naturfan: „Der Balinesische Garten der drei Harmonien“ besitzt einen traditionellen Wohnkomplex, Wasserspiele erfreuen den Besucher im „Orientalischen Garten“, außerdem locken noch der „Staudengarten“, der „Koreanische Garten“, der „Italienische Renaissancegarten“ und der „Englische Irrgarten“ die Besucher. Jahrtausende alte Traditionen treffen hier in Marzahn auf zeitgenössische Landschaftskunst aus fünf Kontinenten. Insgesamt gibt es zehn traditionelle Themengärten zu bewundern. Pünktlich zum Osterwochenende beginnt die Gartensaison. Es gibt Livemusik und eine Überraschung für Kinder.

Ein Ausflug ist deshalb auch für Familien geeignet, denn die Gärten der Welt verfügen über einen 6000 Quadratmeter großen Kinderspielplatz „Konrad in der Südsee“.

Infos: www.gruen-berlin.de/gaerten-der-welt

Baumkronenpfad in den Beelitzer Heilstätten

Wer jemals das verwunschene Gelände der Beelitzer Heilstätten besucht hat, weiß um den Zauber dieser Anlage. Baumbewachsene Ruinen stehen scheinbar zusammenhanglos in der Landschaft. Seit zwei Jahren schlängelt sich ein knapp einen Kilometer langer Baumwipfelpfad durch die Anlagen der ehemaligen Heilstätten. Einst konnten sich, in hochwertiger Architektur und umgeben von großzügigen Parkanlagen, Berliner Arbeiter von der damals grassierenden Tuberkulose erholen. Heute vereint ein Besuch das Naturerlebnis mit Zeit- und Architekturgeschichte.

In einer Höhe von bis zu 23 Metern auf dem Pfad und 36 Metern auf dem Turm eröffnet der Baumkronenpfad eine ganz neue Perspektive auf diesen magischen Ort. Zu den Osterfeiertagen bietet das Team vom Baumwipfelpfad eine Reihe von Sonderführungen an, Tickets sind an der Tagesskasse zu erhalten, eine Vorbestellung ist nicht möglich.

Der Spaziergang dauert ungefähr eine Stunde über den Pfad und eine weitere Stunde durch die Gartenanlage, die auch über ein – überdachtes – gastronomisches Angebot verfügt. Der Barfußpark öffnet allerdings erst am 28. April. Der Eintritt kostet 9,50 Euro, ermäßigt 7,50 Euro. Anfahrt über A115 und A9, Ausfahrt Beelitz Heilstätten.

Mehr Infos: www.baumundzeit.de

Rund um den „Grützpott“ in Stolpe

Der „Grützpott“ in Stolpe ist einer der dicksten Türme seiner Art. Er hat mehr als sechs Meter dicke Wände und ermöglicht einen herausragenden Blick über das Untere Odertal. Einst war er Teil einer slawischen Burganlage. Der Sage nach bewarfen die Bewohner des Turms einst Belagerer mit Grützbrei, weil sie nichts anderes mehr hatten. So kam der Wehrturm zu seinem Namen. Am Ostersonntag findet hier das traditionelle Ostereier-Trudeln vom Turm hinab statt.

Von hier aus empfiehlt sich ein Spaziergang zur Oder hin, wo man vom Oderdamm aus einen Blick auf die weitläufige Auenlandschaft des Tals hat und dem Flusslauf nach Norden oder Süden auf einem scheinbar nicht endend wollenden Dammweg folgen kann. Zahlreiche Zugvögel wie Kraniche und Graureiher machen hier Zwischenstation auf ihrer Reise zurück ins Sommerquartier.

Tausende Frösche belagern die Tümpel neben der Oder. Die ersten Störche sind auch bereits wieder eingetroffen. Es bietet sich auch ein Rundgang über Stolzenburg mit seinem Burgwall an. Die ganze Runde hat dann eine Länge von knapp 20 Kilometern. Es empfiehlt sich, für Verpflegung selbst zu sorgen. Das gastronomische Angebot rund um Stolpe ist bescheiden.

Das Untere Odertal ist eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Das Naturschutzzentrum befindet sich rund zehn Kilometer entfernt in Schloss Criewen. Hier empfiehlt sich ein Spaziergang durch die Densenberge bei Criewen. Auf verschiedenen Routen des „Wilden Waldwegs“ kann hier die Natur erkundet werden. Das Gebiet wurde durch den Sturm „Xavier“ im Oktober 2017 stark in Mitleidenschaft gezogen, aber ein Großteil der Wege ist inzwischen geräumt und wieder begehbar. Anreise über A11, Ausfahrt Joachimsthal.

Infos: www.nationalpark-unteres-odertal.eu

Entlang der Heideseen

Der Wanderweg beginnt in Köthen, dem von wendischen Fischern begründeten Dorf im Norden der Lausitz. Er ist an der Markierung mit einem grünen Punkt auf weißem Grund zu erkennen. Der Start befindet sich auf der Dorfstraße in Richtung Pichersee. Es folgt der Mittelsee, bevor der Weg am Schwanensee entlang führt. Dort links in den Wehlaberg abbiegen und zum Aussichtsturm.

Der Wehlaberg ist mit 144 Metern der höchste Berg der Lausitz. Vom Turm aus bietet sich ein herrlicher Panoramablick. Der Rückweg erfolgt auf der anderen Seite der Seen, auf dem man noch am Triftsee entlangkommt. Der Spaziergang endet nach acht Kilometern wieder am Ausgangspunkt. An der Badestelle des Köthener Sees lässt sich der Ausflug mit einem Ausblick aufs Wasser beenden. Anreise mit dem Auto über die A113, Ausfahrt Teupitz/Halbe. Köthen liegt etwa 70 Kilometer südlich von Berlin.

Mehr Infos: www.spreewald-biosphaerenreservat.de

Rund um den Hellsee in Lanke

Wer nördlich von Berlin ein wenig Ruhe sucht, für den ist der Hellsee sehr geeignet. Nur wenige Ausflügler sind dort zu finden. Für Familien mit Kindern ist der Rundgang im Barnim ideal. Er führt durch Buchenwälder, Sumpfgebiete und es gibt mehrere Zugangsstellen an den idyllischen See. Der Weg beginnt am Parkplatz in Lanke, rund 50 Meter hinter dem Schloss.

Am westlichen Ende des Hellsees gelangt man über Bohlenwege durch ein kleines Sumpfgebiet bis direkt in die verwilderte Parkanlage des Schlosses Lanke, die im 19. Jahrhundert nach Plänen von Peter Joseph Lenné angelegt wurde. Das Schloss wurde saniert und dient heute als Tagungshaus. Auch einige Ferienwohnungen werden vermietet.

Auf der Südseite des Sees steigt der Weg deutlich an, sodass man aus einiger Höhe einen schönen Ausblick über den See hat. Es geht durch Wald und über Wiesen zurück. Anfahrt über A114 und A11, Ausfahrt Lanke.

Mehr Infos: www.barnim-tourismus.de

Auf den Spuren Fontanes am Stechlinsee

Auf den Spuren des Brandenburger Nationaldichters Theodor Fontane lässt sich der Stechlinsee umrunden. Der rund 13 Kilometer lange Weg beginnt am Stechlinsee-Center in Neuglobsow und führt zunächst 500 Meter durch den Ort. Auf der Stechlinseestraße führt der Weg geradeaus, vorbei am Glasmuseum zu den Infotafeln am See, den Fontane in seinem Roman „Der Stechlin“ verewigte. Der Stechlin war der letzte Roman Fontanes, in dem vor allem die Melancholie der Landschaft und der Menschen der Region im Vordergrund stehen.

Der Weg führt hier direkt am Ufer des Sees entlang und bietet schöne Ausblicke auf das Gewässer. Eine kurze Strecke führt durch den Wald und zum Polzowkanal. In unmittelbarer Nähe an der westlichen Spitze des Sees bezeichnet eine Infotafel den Standort des mittelalterlichen Dorfes Stechlin. Durch Waldwege wird das Ziel wieder erreicht. Anfahrt über A111 und B96 bis Gransee.

Mehr Infos: www.stechlin.de

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