Medizin

Beschwerden über Ärztepfusch nehmen in Berlin zu

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Gudrun Mallwitz
Eine OP-Klemme im Röntgenbild (Symbolbild)

Eine OP-Klemme im Röntgenbild (Symbolbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Klaus Rose / picture-alliance / dpa

Laut der Techniker Krankenkasse hat sich jeder dritte Verdachtsfall erhärtet.

Immer mehr Patienten der Techniker Krankenkasse (TK) in Berlin beschweren sich über angeblichen Ärztepfusch. „Die Zahl der Patienten, die einen Behandlungsfehler vermuten und sich an uns wenden, ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen“, sagte am Mittwoch Susanne Hertzer, Chefin der TK in Berlin und Brandenburg. „In Berlin waren es 514 Patienten – und damit 22 Prozent mehr als 2016. In Brandenburg stieg die Zahl um 15 Prozent auf 144.“

Die meisten Beschwerden betrafen Behandlungen beim Chirurgen, gefolgt von Zahnärzten und Allgemeinmedizinern. „Die Menschen sind heute kritischer und selbstbewusster als früher und wenden sich daher häufiger an uns. Nicht jeder Verdachtsfall entpuppt sich dann tatsächlich als Fehler“, betonte die TK-Chefin. Laut der größten Ersatzkasse Berlins hat sich jeder dritte Verdachtsfall allerdings erhärtet. Bei einem erhärteten Verdacht lassen die Kassen über den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung prüfen, ob eine fehlerhafte Behandlung vorliegt. Diese Gutachten sind für die Versicherten in der Regel kostenfrei und können von ihnen auch für Schadensersatzverhandlungen mit dem Arzt, dem Krankenhaus, der zuständigen Haftpflichtversicherung oder vor Gericht genutzt werden.

TK-Chefin fordert Härtefallfonds für Betroffene

Patienten haben die Möglichkeit, sich an den Arzt und an die Kasse zu wenden, die Ärztekammern bieten eine Schlichtungsstelle an. Die häufigsten Diagnosen, die laut Ärztekammer 2016 zur Anrufung der Schlichtungsstelle führten, waren Gonarthrosen, also der Verschleiß des Kniegelenks, Zehen- und Fingerdeformitäten, degenerative Schäden im Knieinneren und Frakturen an Schulter und Oberarm sowie Hand und Handgelenk. Die Statistik für 2017 liegt noch nicht vor. Der Anteil der begründeten Ansprüche lag laut Ärztekammer 2016 bei 25,4 Prozent. Knapp 74 Prozent der Fälle betraf Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen, 26,1 Prozent den niedergelassenen Bereich, zu dem auch Medizinische Versorgungszentren zählen.

Die TK-Chefin fordert mehr Unterstützung für Betroffene. „Behandlungsfehler können nicht nur gesundheitliche Folgen haben. Können die Menschen nicht mehr arbeiten, ist oft auch die finanzielle Existenz bedroht“, unterstrich sie. „Es sollten daher dringend Möglichkeiten geschaffen werden, solche sozialen Härtefälle abzufedern. Denkbar wäre zum Beispiel ein Fonds für Prozessbetroffene.“ Er dürfe aber nicht dazu führen, dass die Aufklärung in den Hintergrund gerät, so Hertzer. In der TK sind in Berlin rund 808.000 Menschen und in Brandenburg 281.000 versichert.