Streichelzoo Neukölln

Ziege aus Zoo geschlachtet - Angeklagte: "Wir hatten Hunger"

Zwei Männer sollen im Tiergehege des Streichelzoos eine Angoraziege getötet haben. Jetzt begann der Prozess gegen die beiden.

Der Pfleger André Finke aus dem Tierpark Hasenheide mit dem Schaf Emma (rechts) und der getöteten Angoraziege Lilly

Der Pfleger André Finke aus dem Tierpark Hasenheide mit dem Schaf Emma (rechts) und der getöteten Angoraziege Lilly

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin.  Am 18. Februar dieses Jahres sollen zwei Männer im Tiergehege des Streichelzoos in der Neuköllner Hasenheide eine Angoraziege getötet haben. Einer der beiden Rumänen soll dem Tier die Kehle durchgeschnitten und ein Bein abgetrennt haben. Sein Komplize stand Schmiere.

Kurz nach der Tat nahmen Polizisten Nicusor-Razvan V. und Mihaita-lulian B. fest. Seitdem sitzen sie in Untersuchungshaft. Am Mittwoch begann der Prozess gegen die beiden 29 Jahre alten Männer vor dem Amtsgericht Tiergarten. Ihnen wird der Diebstahl mit Waffen und die Tötung eines Wirbeltieres ohne vernünftigen Grund zur Last gelegt. Bei einer Verurteilung drohen den beiden Angeklagten Haftstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.

Gleich zu Beginn des Prozesses ließen die Anwältin und der Anwalt der Angeklagten das Gericht wissen, dass ihre Mandanten keine Fragen beantworten würden. Stattdessen lasen die beiden Juristen schriftliche Erklärungen vor. Diese wurden zuvor verfasst. Darin gaben sie die Tat zu, sie hätten das Tier aber nur geschlachtet, da sie seit mehreren Tagen nichts zu Essen hatten und sehr hungrig gewesen waren. Sie würden die Tat bereuen und für den Schaden aufkommen.

Zudem dachten sie, es würde sich um einen Bauernhof handeln, von einem Streichelzoo für Kinder hätten sie nichts gewusst. Nach Angaben ihrer Rechtsvertreter sind beide Männer in Rumänien auf Bauernhöfen aufgewachsen. Es sei der Alltag gewesen, dass Tiere groß gezogen und geschlachtet werden. Man wisse wie man schlachte ohne, dass die Tiere leiden, hieß es.

Männer gaben zuvor Geld für Bier aus

Beide Männer waren erst im Januar nach Berlin gekommen und hatten als Bauhelfer gearbeitet. Den ausstehenden Lohn hätte ihnen der Arbeitgeber unter fadenscheinigen Gründen vorenthalten. Beide Männer verfügten aber in der Tatnacht noch über drei bis vier Euro und hatten zuvor Geld für Bier ausgegeben. Die Frage der Staatsanwältin, warum Bier davon gekauft wurde und kein Essen, blieb unbeantwortet. Auch über die Menge des getrunkenen Bieres gab es unterschiedliche Angaben. Knapp fünf Stunden nach der Tat hatten sie laut Polizeibericht einen Alkoholgehalt von 1,01 beziehungsweise 1,52 Promille.

Wichtig für die Höhe der Strafe ist außerdem, wie lange es gedauert hat, bis die Ziege tot war. Bei der Vernehmung durch die Polizei gab einer der Männer an, es habe zehn Minuten gedauert. Dem Antrag der Rechtsanwälte, die Angeklagten aus der Untersuchungshaft zu entlassen, kam das Gericht nicht nach. „Die Haftbefehle vom 19. Februar bleiben aufrechterhalten“, sagte die Richterin. Es bestehe Fluchtgefahr, da bei einer Verurteilung mit einer Haftstrafe zu rechnen sei. Die Angeklagten werden Ostern im Gefängnis verbringen, bis der Prozess am 4. April fortgesetzt wird.

Mehr zum Thema:

Trächtige Ziege im Streichelzoo geschlachtet - Festnahmen

Trächtiges Schaf aus Streichelzoo gestohlen und geschlachtet

Mann soll sich an Pony im Görlitzer Park vergangen haben