Schulleistungen

Berliner Schüler erzielen bessere Noten

Abiturienten schnitten vor zehn Jahren schlechter ab, die Durchfallquote lag höher. Die Opposition bemängelt einen Qualitätsverlust.

Das Haus von Bildungssenatorin Sanda Scheeres sieht es als Chance, dass mehr Schüler das Abitur schaffen

Das Haus von Bildungssenatorin Sanda Scheeres sieht es als Chance, dass mehr Schüler das Abitur schaffen

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen / picture alliance / Britta Peders

Berlin.  Kurz vor den Osterferien wurde es für die Schüler der Oberstufe in Berlin und Brandenburg ernst: Nachdem sie schon die erste Abiturprüfung hinter sich hatten, erfuhren sie, ob sie für das Abitur zugelassen werden oder nicht. Für diejenigen, die es geschafft haben, geht es jetzt erst richtig los: Nach den Feiertagen startet die eigentliche Prüfungszeit, die spätestens am 27. Juni mit der mündlichen Prüfung endet.

Die Prüfungskandidaten können zuversichtlich sein: Die durchschnittlichen Abiturnoten haben sich in Berlin und Brandenburg in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert. Das geht aus Zahlen der Kultusministerkonferenz hervor, über die der RBB am Dienstag berichtete. Während die Durchschnittsnote im Jahr 2006 noch 2,7 betrug, schnitten die Abiturienten im Jahr 2016 mit einer mittleren Note von rund 2,4 ab. Während sich die Zahl der durchgefallenen Schüler von sieben auf fünf Prozent verringerte, hat sich die Zahl der Schüler mit der Bestnote 1,0 von 2006 (0,3 Prozent) bis 2016 (1,8 Prozent) versechsfacht. Es sind auch deutlich mehr Schüler zur Prüfung angetreten: Im Jahr 2016 waren es 17.353, 2006 waren es noch 14.652.

In Brandenburg ist eine ähnliche Tendenz zu erkennen: Dort hat sich die Durchschnittsnote von 2,5 (2006) auf 2,3 verbessert (2016). Der prozentuale Anteil der Schüler mit der Note 1,0 hat sich innerhalb von zehn Jahren fast vervierfacht (2006: 0,7 Prozent; 2016: 2,6 Prozent), während die Zahl der durchgefallenen Schüler ebenfalls zurückging (2006: 5,7 Prozent; 2016: 4,4 Prozent).

„Die Durchschnittsnoten aller Länder bis auf Baden-Württemberg sind in diesem Zeitraum gesunken“, sagt Torsten Metter, Sprecher der Senatsbildungsverwaltung. Von der Prüfungsvorbereitung bis zur Einführung des Zen­tralabiturs für bestimmte Fächer würden beim positiven Abschneiden der Schüler verschiedene Variablen zusammenspielen. „Dass nun mehr Schüler das Abitur schaffen, sehen wir als Chance, nicht als Qualitätsverlust der Prüfungsanforderungen“, so Metter. Dass Schüler seit der Strukturreform ab dem Jahr 2010 neben dem Gymnasium das Abitur innerhalb von zwölf bis 13 Jahren an einer Integrierten Sekundarschule ablegen können, sieht er positiv.

Opposition sieht wachsende Zahl der Abiturienten kritisch

Mit dem Abitur stehen den Schülern viele Möglichkeiten offen: etwa die Aufnahme eines Studiums, eines dualen Studiengangs oder einer Berufsausbildung. Im vergangenen Jahr haben 15.117 Mädchen und Jungen die Prüfungen abgelegt, das sind 932 mehr als im Jahr zuvor. In Berlin sehen einige Oppositionspolitiker diese Entwicklung kritisch.

„Mit der Fixierung auf das Abitur muss Schluss sein. Das Land braucht nicht mehr Studenten, sondern Fachkräfte“, sagt Hildegard Bentele, schulpolitische Sprecherin der CDU. Die hohe Zahl der Studienabbrecher zeige, dass die Berliner und Brandenburger Schüler nicht ausreichend auf die Anforderungen an den Universitäten und Fachhochschulen vorbereitet seien. „Wenn das Abitur nichts mehr aussagt, müssen wir die Qualitätsstandards anheben“, so Bentele.

Die fünfte Prüfungskomponente, in der sich Schüler ein Thema fächerübergreifend selbst erarbeiten und im Rahmen einer besonderen Lernleistung oder einer Präsentationsprüfung vorstellen, sieht sie besonders kritisch. Da die Schüler ihr Thema zu Hause bearbeiten und viel Vorlaufzeit einplanen können, seien die Prüfungsergebnisse nicht vergleichbar. Um einer „Noteninflation“ entgegenzuwirken, schlägt sie vor, im Zweifel externe Lehrer als Drittkorrektoren heranzuziehen. Paul Fresdorf, bildungspolitischer Sprecher der FDP, sieht die gestiegene Zahl von Abiturienten ebenfalls kritisch. Da seiner Meinung nach die Noten trotz Zentralabitur bundesweit nicht mehr vergleichbar seien, müssten Universitäten Eignungstests einführen, die den Numerus clausus (NC) ersetzen sollen. Die Berufsausbildung solle wieder einen höheren Stellenwert erhalten.

Ab dem Jahr 2018/2019 plant Berlin einen neuen Ausbildungsgang. Im Rahmen des „Aktionsprogramms Handwerk 2018–2020“ sollen Schüler ein „Berufsabitur“ ablegen, bei dem sie innerhalb von vier Jahren sowohl einen Handwerksberuf erlernen als auch die Hochschulreife erwerben können.

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