Berlin

Für alle, die etwas bewegen

„Berlin sagt Danke“ – Zum dritten Mal wird die Arbeit der Tausenden ehrenamtlichen Helfer gewürdigt

Strahlender Sonnenschein über der Stadt. City Ost und City West waren ungewöhnlich voll an diesem Sonntag. Das hatte einen besonderen Grund: die Aktion „Berlin sagt Danke“. Rund 150 Einrichtungen, darunter Museen, der Zoo und das Abgeordnetenhaus, öffneten kostenlos ihre Türen, um das Engagement der vielen Berliner zu würdigen, die sich ehrenamtlich engagieren. Und um andere dazu anzuregen.

Am Zoo hatten die Berliner Ehrenamtlichen schon ab der Kassenöffnung um 9 Uhr die Möglichkeit, eines der 1000 „Early Bird Tickets“ zu ergattern. Iris Brandt war früh aus Köpenick gekommen, um den Aktionstag im Zoo zu nutzen. „Ich hatte es mir lange vorgenommen, den Zoo mal wieder zu besuchen“, sagte die 64-Jährige, die als Frührentnerin ehrenamtlich Seniorinnen betreut. Die Pandas Meng Meng und Jiao Qing sah sie am Sonntag zum ersten Mal. „Die haben mir am besten gefallen. Ich musste die ganze Zeit lachen“, sagte Iris Brandt.

Katharina Homann (52) aus Moabit nutzte den sonnigen Sonntagvormittag, um den Zoo mit ihrer Nichte zu besuchen. „Für mich ist das eine schöne Form der Wertschätzung. Gerade im sozialen Bereich wäre so vieles ohne Ehrenamtliche gar nicht möglich“, sagte Katharina Homann, die sich im Quartiersrat des Quartiersmanagements Moabit West für ihre Nachbarschaft engagiert. Dagmar Behrendt aus Reinickendorf engagiert sich seit einem Jahr für den gemeinnützigen Verein „Zeitzeugenbörse“. Am Sonntag nutzte sie die Gelegenheit, um zusammen mit ihrer Freundin Karin Klahr (66) an einer Führung im Schloss Charlottenburg teilzunehmen.

Wie vielfältig die freiwilligen Aktivitäten der Hauptstädter sind, war beim „Markt der Möglichkeiten“ im Roten Rathaus zu sehen. Rund 50 Initiativen und Organisationen präsentierten sich dort. Interessierte Berliner konnten sich informieren, wo sie sich ehrenamtlich einbringen können. Die Dankeschön-Aktion sei eine Initiative des Abgeordnetenhauses und des Senats, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der den Markt der Möglichkeiten eröffnete. Die Berliner seien eingeladen, die Stadt zu genießen. „Es ist ein schönes Signal, dass wir so viele Partner dafür haben.“ Der Tag solle ein sichtbares Dankeschön sein. „Wir wissen, dass sich das ganze Jahr über viele Menschen im Ehrenamt engagieren, und dass das unverzichtbar ist für unsere Stadt.“ Die Zahl geht in die Hunderttausende, allein 60.000 sind es im Sport.

„Nicht nur zugucken, wie sich die Stadt entwickelt“

Gutes Zusammenleben entstehe dadurch, dass sich Menschen begegnen und für andere engagieren, so Müller. „Das kann man nicht politisch verordnen.“ Ehrenamt gebe auch ein Stück Zufriedenheit zurück, „und macht einem deutlich, dass es gut und richtig ist, sich einzubringen. Und nicht nur auf dem Sofa zu sitzen und zuzugucken, wie unsere Stadt sich entwickelt“, erklärte der Regierende Bürgermeister. Bei einem Gespräch mit der Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement, Sawsan Chebli, war auch die Somalierin Fatuma Musa Afrah dabei, die 2014 nach Deutschland kam. Sie setzt sich dafür ein, dass Flüchtlinge nicht nur Hilfe bekommen, sondern selbst anderen Unterstützung geben. „Integration geht nicht nur in eine Richtung“, sagte sie. „Was wir brauchen, ist ein bisschen Geduld und nicht so viel Bürokratie.“

Auch Lisa-Marie Buckwitz aus Schöneiche, Gewinnerin der Goldmedaille im Zweier-Bob bei den Olympischen Winterspielen im Februar, war zum Markt der Möglichkeiten gekommen. Sie sei ehrenamtlich im Sport tätig, berichtete sie im Gespräch mit der Staatssekretärin. „Ich trainiere kleine Kinder und gebe meine Erfahrungen weiter.“ Der Sport lebe vom Ehrenamt, etwa bei den Trainern und den Kampfrichtern.

Auch der Verein „Seniorpartner in School“ präsentierte sich im Roten Rathaus. „Wir nehmen Menschen ab 55 Jahre auf, die sich für Mediation in der Schule interessieren“, sagte Vorstandsmitglied Anne Kristin Herrmann-Zimmer. Man wolle bei Konflikten vermitteln. „Wir bieten den Kindern keine Lösungen an, sondern helfen ihnen, selbst Lösungen zu finden.“ Die Seniorpartner bekommen vor ihrem Einsatz eine zwölftägige Ausbildung von einer Mediatorin. „Damit haben sie richtig gutes Handwerkszeug.“

Die Aktion „Berlin sagt Danke“ fand am Sonntag zum dritten Mal statt. Auftakt war 2016, als die vielen Willkommensinitiativen für Flüchtlinge geehrt wurden. Seit 2017 schließt die Würdigung auch alle anderen ehrenamtlich Tätigen in der Stadt ein.