Berlin

Mehr Schäden durch Wildschweine

Parlament streitet über Umgang mit den Tieren. Höhere Abschusszahlen abgelehnt

Die Beschwerden über Schäden durch Wildschweine nehmen zu. Vor allem am Stadtrand, in Zehlendorf, Spandau, Reinickendorf, aber auch in Köpenick wühlen die Tiere Gärten, Parks und Friedhöfe auf. Dem Senat liegen zwar keine Zahlen über Schäden an Privateigentum vor. Doch allein der Bezirk Reinickendorf meldet für 2017 einen massiven Anstieg von Schäden auf öffentlichen Flächen: Sie lagen bei mehr als 44.800 Euro, im Jahr davor waren es rund 11.300 Euro. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg beziffert die Schäden allein im Freizeitpark Marienfelde auf 40.000 Euro. Diese Zahlen gehen aus der Antwort der Umweltverwaltung auf eine Anfrage der CDU-Abgeordneten Danny Freymark und Stephan Schmidt hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Steglitz-Zehlendorf führt keine Aufzeichnungen.

Berlins Wildschweine beschäftigten am Donnerstag auch das Abgeordnetenhaus. Die Opposition warf der Landesregierung vor, den zunehmenden „wilden Schweinereien“ in den Außenbezirken konzeptlos zuzuschauen. CDU und FDP forderten, die Wildschweinpopulation zu begrenzen und zurückzudrängen. Dazu müssten mehr als die derzeit rund 30 Stadtjäger eingesetzt werden – und sie sollten für ihren Aufwand kosten­deckend entschädigt werden. Außerdem sei eine intensivere Aufklärungskampa­gne notwendig. Immer noch füttern viele Berliner die Schweine und locken sie so in die Stadt.

Der Vorschlag der Union, Wildschweinen Verhütungsmittel zu verabreichen, führte nicht nur bei SPD, Linken und Grünen zu Kritik. Auch die AfD ist dagegen. Der CDU-Abgeordnete Schmidt verwies darauf, dass keine Zahlen über den Wildschweinbestand vorlägen, die Abschusszahlen aber Rückschlüsse auf die Gesamtpopulation zuließen. Berlinweit seien die Abschüsse von 1245 Tieren im Jagdjahr 2013/2014 auf 1863 in den vergangenen zwei Jahren gestiegen. „Allein in meinem Wahlkreis mit dem Tegeler Forst liegt die Zahl der Schwarzwildstrecke in diesem Jahr mit über 160 Tieren schon etwa beim Doppelten des Durchschnittswertes von 88 Tieren“, so Schmidt. Mit überschaubarem Aufwand könnte man viele Schäden verhindern, unterstrich der FDP-Abgeordnete Henner Schmidt.

662 Tiere wurden allein im Grunewald erlegt

Die rot-rot-grüne Koalition lehnte beide Anträge ab, auch die AfD stimmte mehrheitlich dagegen. Der AfD-Abgeordnete Frank Scholtysek sprach sich gegen mehr Wildschweinabschüsse und die Einstellung weiterer Stadtjäger aus. SPD, Grüne und Linke wiesen mit Bezug auf Experten einen Anstieg der Wildschweinpopulation zurück, die aber schwanke. Die gestiegenen Abschusszahlen seien ein Zeichen, dass mehr gejagt wird. 2017 wurden im Grunewald 662 Tiere erlegt, fast 200 mehr als im Vorjahr. „Was sie wollen, ist Wildwestspielen statt ein echtes Wildmanagement“, warf der Grüne Stefan Taschner CDU und FDP vor. „Die Wildschweine gehören zu Berlin wie der Fernsehturm, ob es ihnen passt oder nicht.“

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