Umweltschutz in Berlin

Nach den Osterferien gilt Tempo 30 auf der Leipziger Straße

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Lorenz Vossen

Der Senat testet, ob ein Tempolimit die Abgasbelastung in Berlin mindert. Nach der Leipziger Straße in Mitte folgen weitere Strecken.

Berlins Autofahrer müssen bald auf mehreren Straßen den Fuß vom Gas nehmen. Denn der Senat macht mit der Einführung von mehr Tempo-30-Zonen ernst. Wie die Verkehrsverwaltung mitteilte, wird der erste Abschnitt ab Mitte April auf der Leipziger Straße zwischen Potsdamer Platz und Markgrafenstraße eingerichtet. Dort soll getestet werden, ob sich die Luftqualität durch das von Dieselfahrzeugen ausgestoßene Abgas Stickstoffdioxid (NO2) verringern lässt, wenn der Verkehr bei geringerer Geschwindigkeit gleichmäßig fließt.

Dafür wird auf dem Abschnitt die Ampelschaltung optimiert. Ein mobiler Messwagen soll während des Testzeitraums die Luftqualität messen, auch Daten zum Verkehrsfluss werden gesammelt. Die Hoffnung ist, dass die Fahrzeuge bei einer besseren Ampelschaltung seltener abbremsen und beschleunigen, was wiederum zu weniger Ausstoß von Abgasen führt. Bei Tempo 30 können sie zudem dichter hintereinander fahren, was wiederum zu mehr Verkehrsfluss führt.

Weitere Abschnitte sollen in den kommenden Wochen und Monaten folgen. Dazu gehört der Bereich vom Potsdamer Platz über Potsdamer Straße und Hauptstraße bis zum Innsbrucker Platz in Schöneberg, die Kantstraße zwischen Amtsgerichts- und Savignyplatz sowie auf dem Tempelhofer Damm zwischen Alt-Tempelhof und Ordensmeisterstraße. Alle Abschnitte kommen zusammen auf rund acht Kilometer Länge.

Seit November hatte die Verkehrsverwaltung an den ausgewählten Stellen zu Vergleichszwecken die Luftqualität bei Tempo 50 gemessen. Schon in der Vergangenheit hatte die Geschwindigkeitsreduzierung auf anderen Straßen – Beussel-straße, Schildhornstraße und Silbersteinstraße – teils zu erheblichen Verbesserungen der Luftqualität geführt. Die Tempodrosselung soll nur dann bleiben, wenn sie messbar zu besserer Luft führen, so die Ankündigung.

Ob Tempo 30 auf noch mehr Straßen folgt, liegt an den Versuchsergebnissen. Tatsächlich kämen wohl etliche infrage. An den 29 an Straßen gelegenen Messstellen liegt der NO2-Wert laut den aktuellsten Auswertungen von 2016 bis auf eine Ausnahme überall über dem von der EU erlaubten Grenzwert von durchschnittlich 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel.

Am schlechtesten ist die Luft demnach an der Leipziger Straße in Mitte (66 Mikrogramm). Laut Messungen der Technischen Universität und des RBB sind die Werte am Görlitzer Bahnhof in Kreuzberg oder am Kurt-Schumacher-Damm in Reinickendorf sogar noch schlechter. Wegen dieser permanenten Überschreitung droht der Hauptstadt sogar ein Dieselfahrverbot. Denn die Deutsche Umwelthilfe hat den Senat deshalb angezeigt. Vor Gericht soll noch dieses Jahr geklärt werden, ob Berlin Fahrverbote als Maßnahme in seinen Luftreinhalteplan aufnehmen muss. Zuletzt hatte das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass Fahrverbote grundsätzlich rechtens sind. Die Umwelthilfe geht deshalb auch davon aus, dass diese kommen, da Maßnahmen wie Tempo 30 die Luftqualität nicht, wie gefordert, kurzfristig verbessern können.

Der ADAC hingegen hält den Test zwar für vernünftig, um zu sehen, „ob es etwas bringt oder nicht“, wie Experte Jörg Becker sagt. Kritisch sei aber, dass der Senat zuvor nicht den NO2-Ausstoß bei verbesserter Ampelschaltung bei Tempo 50 gemessen habe. Messungen in Wedding hätten gezeigt, dass flüssiger Verkehr bei dieser Geschwindigkeit auch zu besserer Luft führen könne.

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