Landeswettbewerb

Das sind die Projekte Berliner Schüler bei "Jugend forscht"

Beim Landeswettbewerb „Jugend forscht“ haben Berliner Schüler erstaunlich lebensnahe Projekte vorgestellt.

Greta Maria Brodkorb ist eine der jüngsten Teilnehmerinnen beim Berliner Wettbewerb „Jugend forscht“

Greta Maria Brodkorb ist eine der jüngsten Teilnehmerinnen beim Berliner Wettbewerb „Jugend forscht“

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Machen digitale Medien unkonzen­triert? Wie lässt sich Plastikmüll auf natürliche Weise minimieren? Wie kann man die Vitalität eines Fußballrasens durch Infrarot prüfen? Mit diesen und vielen weiteren Fragen haben Berliner Schüler Projekte entwickelt und am Mittwoch beim Landeswettbewerb „Jugend forscht“ präsentiert. „Das war ein sehr leistungsstarker Wettbewerb“, urteilt der Berliner Leiter Sebastian Bognár.

31 Waschgänge und viele Socken für einen ersten Preis

Viele Schüler haben sich in diesem Jahr mit ganz lebensnahen Fragen beschäftigt: Greta Maria Brodkorb, mit zehn Jahren eine der jüngsten Teilnehmerinnen, hat sich gefragt, wieso nach der Wäsche eigentlich immer Haare an Socken hängen bleiben. Viele Socken und Haare ihrer Mutter hat sie für ihr Projekt in insgesamt 31 Waschgängen durchlaufen lassen und viele originelle Versuche dabei angestellt. Ihr Ergebnis: An Wolle bleibt am meisten hängen, an Baumwolle am wenigsten, die verknautschte Socke zieht mehr Haare an, als wenn sie zum Beispiel mit einem Trinkbecher gefüllt und auf diese Weise glatt gezogen ist. Für ihre Erkenntnisse bekam die Fünftklässlerin des Humboldt-Gymnasiums den ersten Platz im Bereich Arbeitswelt.

Von dem Gymnasium in Tegel kamen in diesem Jahr die meisten Projekte, die es bis zum Landeswettbewerb geschafft haben, schließlich gibt es an der Schule auch zwei Arbeitsgemeinschaften für „Jugend forscht“, wie Charlotte Klar erklärt. Die 13-Jährige ist mit ihren Mitschülerinnen Katharina Austermann (13) und Pia Schirrmeister (12) in der AG für Mathematik und Technik. „Da sind wir aber fast die einzigen Mädchen“, sagt sie. Dennoch haben es die drei auch zum Landeswettbewerb geschafft und für ihre Entwicklung eines Informationssystems den zweiten Platz in der Kategorie Technik bei „Schüler experimentieren“ bekommen. Charlotte ist schon zum vierten Mal beim Wettbewerb dabei und sagt: „Hier macht Mathe richtig Spaß, weil man sie praktisch anwenden kann.“ Katharina, die zum dritten Mal mitmacht, denkt schon an ihre Zukunft: „Das macht sich später mal gut im Bewerbungsgespräch.“

Noch praktischer geht es bei Manuel Santos Gelke zu, der den ersten Preis bei Technik bekommen hat. Entwickelt hat der 13-Jährige eine messwertabhängige Pflanzendüngerdosieranlage für Aquarien. Die Anlage misst den Nährstoffgehalt im Wasser und dosiert entsprechend die Zugabe des Düngers. „Stimmt der Nährstoffgehalt nämlich nicht, bilden sich Algen“, erklärt Manuel, „das ist für die Fische schlecht, und das Wasser wird trüb.“ Manuell könne man das nicht so genau dosieren. Der 13-Jährige weiß, wovon er redet, schließlich hat er selbst drei Aquarien mit 150 Fischen zu Hause. Sein Gerät hat er sogar zum Patent angemeldet und will jetzt daran arbeiten, dass es in ein, zwei Jahren marktreif ist.

Auch Yorick Zeschke (15) kam die Idee zum „Jugend forscht“-Projekt aus seiner eigenen Lebenswelt: Der Neuntklässler des Heinrich-Hertz-Gymnasiums sieht auf dem rechten Auge nichts und auf dem linken nur 30 Prozent. Irgendwann kann er seine Sehfähigkeit ganz verlieren. Im Informatikraum der Schule traf er den Zwölftklässler Jonas Wanke, und zusammen haben sie in den vergangenen Monaten „Dosaus“ entwickelt, „Device for Orientation in Space Using Audio Signals“ (Gerät zur Orientierung im Raum mittels akustischen Signalen).

Hilfe für Sehschwache: Aus Bildern werden Töne

Mithilfe einer 3-D-Kamera werden Bilder algorithmisch in Töne umgerechnet, je näher ein Objekt ist, desto höher die Tonfrequenz. So kann sich der Träger des Gerätes im Raum orientieren. Die Jury war davon so beeindruckt, dass Yorick und Jonas einen ersten Preis bekamen und die Technik nun auch beim Bundeswettbewerb vorführen dürfen.

Ende Februar hatten 219 Schüler bei den drei Regionalwettbewerben 169 Projekte vorgestellt, qualifiziert für den Landeswettbewerb hatten sich davon 74 Teilnehmer und 43 Projekte. Die meisten Teilnehmer gab es in den Fachgebieten Biologie und Technik. Überproportional stark vertreten war in Berlin auch Physik, vielleicht auch weil im vergangenen Jahr drei Schüler aus Berlin beim Bundeswettbewerb im Bereich Physik siegten.

Der Wettbewerb

Ablauf: Teilnehmer bis 14 Jahre treten bei „Schüler experimentieren“ an, die älteren bei „Jugend forscht“. Erst gibt es Regionalwettbewerbe, deren Sieger zum Landeswettbewerb kommen. Für „Schüler experimentieren“ ist dort Schluss, die Sieger von „Jugend forscht“ kommen zum Bundeswettbewerb. Projekte können in den sieben Fachgebieten Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik und Technik eingereicht werden.

Geschichte: „Jugend forscht“ gibt es seit 1966. Los ging es bundesweit mit 244 Anmeldungen, 2018 waren es 12.069.

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