Rathaus Wilmersdorf

Zuhälter-Netzwerk in Flüchtlingsheim: Ermittlung eingestellt

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Christian Latz
Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen zu möglicher Zwangsprostitution in der Flüchtlingsunterkunft im Rathaus Wilmersdorf eingestellt (Archiv)

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen zu möglicher Zwangsprostitution in der Flüchtlingsunterkunft im Rathaus Wilmersdorf eingestellt (Archiv)

Foto: dpa Picture-Alliance / Paul Zinken / picture alliance / dpa

Security-Kräfte sollen Flüchtlinge in Berlin zur Prostitution überredet haben. Die Staatsanwaltschaft fand dafür keine Anhaltspunkte.

Berlin. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat die Ermittlungen wegen möglicher Zwangsprostitution in der Flüchtlingsunterkunft im Rathaus Wilmersdorf eingestellt. Das teilte die Staatsanwaltschaft in einem Brief an Holger Michel, Sprecher des Vereins "Freiwillige helfen im Rathaus Wilmersdorf", mit. Michel hatte in der Sache zuvor Anzeige gegen unbekannt erstattet. In dem Brief heißt es, dass es an „Anhaltspunkten für das Vorliegen einer Straftat fehlt". Es erscheine fraglich, "ob die in dem Fernsehbeitrag insinuierten Straftaten tatsächlich geschehen oder geplant sind".

Auslöser für die Ermittlungen war ein Beitrag der ZDF-Sendung "Frontal 21" aus dem Oktober 2017 über organisierte Zuhälternetzwerke in Berliner Flüchtlingsheimen. Laut dem am 24. Oktober ausgestrahlten Beitrag sollen sich Security-Mitarbeiter als Zuhälter verdingt und minderjährige Flüchtlinge gegen Geld vermittelt haben. Im Zentrum des Berichtes stand die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf.

Von Beginn an Zweifel an Beitrag

In der Folge gab es schnell Zweifel an den Vorwürfen aus dem Fernsehbreitrag. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), damaliger Träger der Notunterkunft, stellte die Rolle einer angeblichen Sozialbetreuerin aus Wilmersdorf infrage. Sie wolle laut "Frontal 21"-Bericht beobachtet haben, wie Minderjährige zur Prostitution verführt worden seien. ASB-Sprecherin Melanie Rohrmann erklärte gegenüber der Berliner Morgenpost damals: „Bisher konnten weder der im Bericht von ‚Frontal 21‘ zu Wort gekommene Security-Mitarbeiter noch die Sozialbetreuerin noch die Geflüchteten mit unserer Unterkunft in Verbindung gebracht werden.“

Auch die damals im Rathaus Wilmersdorf aktive Initiative "Freiwillige helfen im Rathaus Wilmersdorf" hatte Zweifel an dem Bericht geäußert. Aufgrund der Bild-Ton-Darstellung habe mit hoher Sicherheit ausgeschlossen werden können, dass die vom ZDF als „Sozialarbeiterin Maria aus Wilmersdorf“ präsentierte Person tatsächlich jemals in der Notunterkunft Rathaus Wilmersdorf gearbeitet hatte, teilte die Initiative mit.

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Notunterkunft im Rathaus Wilmersdorf geschlossen

Über die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft zeigt sich die Initiative erfreut. "Wir sind über diesen Ermittlungsstand, der unsere Aussagen bestätigt, sehr glücklich", hieß es. Der Vorwurf habe auch die Ehrenamtlichen persönlich belastet. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass es sexuellen Missbrauch und Zwangsprostitution in Berlin gebe. "Daher fordern wir weiterhin mehr staatliche Unterstützung und wirklich professionelle Beratung für Opfer sexueller Gewalt", teilte die Initiative mit.

Die Notunterkunft im Rathaus Wilmersdorf wurde Ende 2017 geschlossen. Die letzten Bewohner leben nun in einer Gemeinschaftsunterkunft in der Flickensteinallee in Lichterfelde.

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