Geburtshilfe

Mehr Hebammen, mehr Kreißsäle - Berlin investiert für Babys

Werdende Eltern in Berlin suchen teils verzweifelt nach einer Hebamme. Ein Programm soll die Lage bei der Geburtshilfe entschärfen.

Die freiberufliche Hebamme zeigt einer Mutter, wie sie ihr Kind am besten badet (Archiv)

Die freiberufliche Hebamme zeigt einer Mutter, wie sie ihr Kind am besten badet (Archiv)

Foto: imago stock / imago/epd

Berlin. Der Hinweis klang skurril: Am besten sollten schwangere Frauen doch gleich nach einem positiven Test anfangen, nach einer Hebamme zu suchen, teilte der Berliner Hebammenverband vorige Woche mit. Tatsächlich war das kein Scherz: Der Mangel an Hebammen in Berlin ist offenbar so gravierend, dass werdende Mütter regelrecht daran verzweifeln. Sogar Geld soll Hebammen für ihre Dienste inzwischen geboten werden, obwohl für diese Leistung eigentlich die Krankenkassen aufkommen.

Zahl der Ausbildungsplätze steigt um 64 Prozent

Um den Engpass an Fachkräften und Ausstattung zu beheben, hat der Senat am Dienstag ein Aktionsprogramm beschlossen. Das Papier mit dem Titel „Sichere und gute Geburt“ listet zehn Einzelmaßnahmen auf. Ganz oben steht die Lösung des Personalmangels. Mehr als 1000 Hebammen gibt es, 300 davon sind an den Kliniken fest angestellt, mindestens 25 Stellen sind vakant.

Die Hebammenschulen sollen deshalb die Zahl der Ausbildungsplätze bis 2020 von derzeit 202 auf 332 erhöhen, das ist ein Plus von knapp zwei Dritteln. Je 30 sollen die Charité und der Krankenhauskonzern Vivantes schaffen, 70 die Schule für Gesundheitsberufe am St. Joseph Krankenhaus in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule Berlin.

Hebammen-Studiengang an der Charité soll kommen

Als der Plan im Februar erstmals vorgestellt wurde, hatte die FDP kritisiert, dass zwar Ausbildungsplätze, aber keine Studienplätze geschaffen würden. Denn nach EU-Vorgaben müssen Hebammen ab 2020 akademisch ausgebildet werden. Die Charité arbeitet deshalb aktuell an einem Studiengang, die Evangelische Hochschule bietet ihn schon an. Auch sollen die Hebammenschulen einen Anpassungslehrgang für ausländische Geburtshelfer einführen und deren Qualifikationen anerkannt werden.

Mehr Hebammen bedeuten auch einen Mehrbedarf an Kreißsälen. Für 20 Millionen Euro wollen sich sechs der 19 Berliner Geburtskliniken vergrößern: das Evangelische Waldkrankenhaus in Spandau, die DRK-Kliniken in Westend, das St. Joseph Krankenhaus Tempelhof, das Vivantes-Klinikum im Friedrichshain, das Sana Klinikum Lichtenberg und das Helios-Klinikum in Buch. An den stark nachgefragten Perinatalzentren, wo Frühchen und lebensbedrohlich kranke Säuglinge versorgt werden, sollen durch „mehr Personal und effizientere Organisation kurzfristig mindestens 900 Geburten mehr“ möglich sein.

Arbeitsbedingungen von Hebammen sollen verbessert werden

Aber auch die Arbeitsbedingungen stehen im Fokus des Aktionsplans. Bis Herbst sollen die Krankenhäuser dazu ein Konzept entwickeln. Einige haben immerhin schon damit begonnen, ihre Hebammen von Tätigkeiten wie Putzen oder Gerätewartung zu befreien. Zudem plant der Senat eine Bundesratsinitiative mit dem Ziel, eine Personaluntergrenze für Hebammen durchzusetzen.

Der Bedarf an mehr Hebammen ist real: Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Geburten in Berlin bei rund 41.000 auf dem Niveau des Vorjahres, als der höchste Wert seit der Wiedervereinigung erreicht wurde.

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