Berlin

Surfen im Schneckentempo

Studie: In Berlin ist das Internet sehr viel langsamer als in Provinzstädten wie Coburg

Berlin präsentiert sich gerne als Silicon-Valley Europas, als Innovationshub der Bundesrepublik. Alle 20 Minuten wird hier ein Start-up gegründet – so lautet eine Zahl, die das belegen soll. Aber was die Infrastruktur anbelangt, die die digitale Innovation ermöglichen soll, bewegt sich Berlin eher auf dem Niveau von Städten wie Ansbach oder Speyer. Das ergibt eine Studie des Verbraucherportals testberichte.de.

Berlin liegt demnach bei der Internetgeschwindigkeit weit abgeschlagen auf Rang 78. Auch die anderen vier Metropolen Deutschlands bewegen im Städtevergleich von Down- und Uploadraten eher im Mittelfeld. Köln liegt auf Rang 39 von 110 Städten, München auf Platz 42, Frankfurt auf Rang 44 und Hamburg auf Platz 57. Viel besser schneiden hingegen Städte in der bayerischen Provinz ab. So hat das oberfränkische Coburg mit einer mittleren Downloadrate von gut 67 Mbit pro Sekunde (Mbit/s) das schnellste Internet – deutlich vor dem niedersächsischen Salzgitter und dem niederbayerischen Landshut.

Im internationalen Vergleich hat Deutschland beim Zukunftsthema Digitalisierung erheblichen Nachholbedarf. Im jüngsten „Digitalisierungsindikator“ der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften belegte Deutschland unter 35 Industrieländern nur einen mittelmäßigen 17. Platz. Das will die Bundesregierung ändern, hat mit Dorothee Bär (CSU) jetzt zum ersten Mal eine Staatsministerin für Digitalisierung einberufen.

Bärs Heimat Bayern schneidet im Internet-Ranking auch bei Uploadraten besser ab als Berlin. Hier ist Weiden in der Oberpfalz mit 9,7 Mbit/s ganz vorne, gefolgt von Landshut und Straubing mit je 9,6 Mbit/s. Schlusslicht ist Brandenburg an der Havel mit knapp 2 Mbit/s, nur wenig besser schneiden Neustadt an der Weinstraße (gut 2 Mbit/s) und Frankfurt (Oder) (2,1 Mbit/s) ab.

Smartphone-Nutzer wiederum sind in der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam bestens bedient. Brandenburgs Hauptstadt führt mit einer tatsächlichen Downloadrate von 21,3 Mbit/s das Ranking an, gefolgt vom oberfränkischen Hof (20,2 Mbit/s). Lange warten heißt es dagegen in Pforzheim. Hier beträgt die mittlere mobile Downloadrate gerade mal 7,7 Mbit/s. Nur wenig besser sieht es in Brandenburg an der Havel (8,3 Mbit/s) aus. Bei den mobilen Breitbandanschlüssen erzielt München (19) bessere Download-Werte als Hamburg (49), Frankfurt (53), Berlin (62) und Köln (75).