Regionalverkehr

Auf diesen Strecken gibt es Verbesserungen für Pendler

Berlin und Brandenburg wollen den Schienenverkehr ausbauen. Schon ab April soll es zusätzliche Kapazitäten im Regionalverkehr geben.

Pendler am Berliner Hauptbahnhof

Pendler am Berliner Hauptbahnhof

Foto: imago stock / imago/Rainer Weisflog

Berlin.  Jahrelang sind sich Berlin und Brandenburg aus dem Weg gegangen, wenn es darum ging, den Pendlern das Leben leichter zu machen. Inzwischen ist die Strategie eine andere: Am Dienstag trafen sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woi­­dke (beide SPD) auf Schloss Neuhardenberg in Märkisch-Oderland, um Verbesserungen im Schienenverkehr sowie weitere gemeinsame Infrastrukturvorhaben zu beschließen. „Unsere Länder entwickeln sich ausgezeichnet“, sagte Woidke nach dem dritten Treffen dieser Art in diesem Jahr. „Doch dieser Erfolg will organisiert sein. Die Menschen erwarten Antworten auf die mit dem Boom einhergehenden Herausforderungen.“

Vor allem auf der Schiene wollen es Berlin und Brandenburg zusammen anpacken. Müller und Woidke bekräftigten, „kurzfristig konkrete Verbesserungen umzusetzen“, um die Situation für die Pendler zu entspannen. So soll es schon ab kommenden Monat zusätzliche Kapazitäten im Regionalverkehr geben. Durch den Einsatz von Doppelstockwagen und Anpassungen im Fahrzeugeinsatz soll sich die Zahl der Sitzplätze pro Fahrt erhöhen.

So steigt ab dem 9. April auf der Linie RB13 (Berlin–Wustermark) die Zahl der Sitzmöglichkeiten von 160 auf 300.

Zwischen Berlin und Oranienburg beziehungsweise Werneuchen (Linien RB12 und RB25) steigt die Kapazität von 150 auf knapp 200 Plätze.

Im Laufe des Jahres will die Niederbarnimer Eisenbahn in der Hauptverkehrszeit mehr Züge zwischen Berlin und Müncheberg einsetzen.

Ab April 2019 wird es auch mehr Sitzplätze auf den Linien RB10 (Berlin–Nauen) und RE7 (Wünsdorf–Dessau) geben.

Die Angebotsverbesserungen sind dringend nötig, denn die Zahl der Pendler steigt seit Jahren stark an, die Züge sind überfüllt. Rund 300.000 Menschen waren im vergangenen Jahr jeden Tag zwischen Berlin und Brandenburg unterwegs, ein Plus von mehr als drei Prozent. Neun Millionen Euro jährlich wollen beide Länder bis 2022 zusätzlich in die Verbesserungen des Angebots investieren.

Im Rahmen des milliardenschweren Entwicklungsprojekts „i2030“ wurde bereits 2017 eine Rahmenvereinbarung geschlossen, acht Schienenverbindungen so auszubauen, dass dort auch mehr Züge fahren können. Das gibt die bisherige Infrastruktur nämlich nicht her. So geht es unter anderem um den Ausbau der Verbindungen zwischen Berlin und Potsdam, Nauen, Königs Wusterhausen und Velten.

Auch im Gesundheitsbereich soll kooperiert werden

Am Dienstag brachten Woidke und Müller mit hochrangigen Vertretern der Deutschen Bahn außerdem den zweigleisigen Ausbau von Teilstücken der Bahnverbindungen zwischen Berlin und Cottbus beziehungsweise Stettin auf den Weg. Die Zusammenarbeit zwischen Berlin und Brandenburg sei auf einem erfreulichen Niveau, lobte der Sprecher des Berliner Fahrgastverbands, Jens Wieseke. „Vor drei bis vier Jahren war das noch ganz anders.“

Nicht nur in Sachen Verkehr, auch im Gesundheitsbereich wollen beide Länder enger zusammenarbeiten. Im Jahr 2020, so der Plan, sollen die jeweiligen Krankenhauspläne in einem abgestimmten Verfahren beschlossen werden. Ziel sei eine „bedarfsgerechte und qualitätsorientierte Weiterentwicklung der Krankenhauslandschaft“. So kämen aktuell etwa zwölf Prozent der Klinikpatienten in Berlin aus Brandenburg, diese Zahl gelte es zu reduzieren.

Ein wichtiger Punkt auf der Kabinettssitzung war auch das Thema Wohnraum. Müller und Woidke bekräftigten den Plan, im sogenannten Speckgürtel rund um Berlin neue Wohnungen und Häuser entlang der Bahnhöfe zu bauen. Ziel sei zudem, dass die Städte der sogenannten zweite Reihe, die sich hinter den direkt angrenzenden Kommunen befinden, von den Wachstumsimpulsen profitierten.

Weitere gemeinsame Vorhaben sind eine Strategie gegen den Fachkräftemangel, der Breitbandausbau mit Glasfaserkabeln und eine „Übung zur Einrichtung von Restriktionszonen“ für den Fall, dass die Afrikanische Schweinepest bei Schwarzwild im Berliner Stadtgebiet auftreten sollte. Darüber hinaus wollen die Länder Bundesratsinitiativen starten, um Bafög-Leistungen zu erhöhen und bedürftige Familien bei der Verpflegung in Kitas und Schulen zu entlasten.

Wohnen, wo die Züge fahren

Rund 10.000 Berliner zogen vergangenes Jahr über die Landesgrenze. „In wenigen Jahren wird jeder zweite Brandenburger im Berliner Speckgürtel leben“, sagt der Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe (SPD). Das wissen auch die Politiker in Berlin und Brandenburg, weshalb sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) am Dienstag darauf verständigten, den Neubau von Wohnungen im Brandenburger Umland gemeinsam voranzutreiben.

Dabei verfolgen sie das nicht ganz neue Ziel, „neue Wohnungen und Häuser entlang der Haltepunkte des Schienennahverkehrs“ zu bauen. In den Planungen beider Bundesländer existiert diese Idee schon länger, zuletzt wurde sie aber wieder populär. Da hatten Mitte-Stadtrat Gothe sowie seine Amtskollegen von Charlottenburg-Wilmersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg in einem offenen Brief vorgeschlagen, ein Fünftel der neuen Wohnungen entlang der Schienenstränge zu bauen.

80 Prozent mit dem Zug, 20 Prozent mit dem Auto

Mit ihrem Plan eines „80:20-Modells“ wollen Gothe und die beiden Grünen-Politiker Oliver Schruof­feneger und Florian Schmidt „überhaupt mal einen Startpunkt“ für die Debatte setzen, wie sie schrieben. Das Verhältnis 80:20 entspreche in etwa dem Bevölkerungszuwachs in der Region, der sich zu 80 Prozent in Berlin selbst und zu 20 Prozent im Umland der Hauptstadt abspiele. Weitere Idee: Dadurch, dass die Menschen nah am Zugverkehr sind, pendeln künftig 80 Prozent auf der Schiene, nur 20 Prozent nehmen das Auto. Wie viele es derzeit sind, darüber gibt es keine offizielle Statistik, es dürften aber deutlich mehr als 20 Prozent Autofahrer sein.

Reiner Wild, Chef des Berliner Mietervereins, hält diese Idee zwar für sinnvoll, allerdings müsse man beim Neubau im Berliner Umland weniger Ein- und mehr Mehrfamilienhäuser bauen. Wild weist auch darauf hin, dass es auf Berliner Gebiet genug Freiflächen gebe. Das Pro­blem: 85 Prozent davon seien in privatem Eigentum und würden aus Spekulationsgründen nicht bebaut.

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Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Artikels wurde die Regionalbahn von Berlin nach Wustermark fälschlicherweise als RB10 benannt. Es handelt sich dabei um die RB13. So steht es nun auch im Text.

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