14-Jährige erstochen

Fake News im Fall Keira - Polizei ermittelt gegen Bachmann

Im Fall der erstochenen Keira G. (14) kursieren wilde Gerüchte im Netz. Gegen Pegida-Gründer Bachmann ermittelt jetzt die Polizei.

Berlin. Der Mord an der Keira G. aus Alt-Hohenschönhausen scheint aufgeklärt. Die Polizei nahm am Sonntag den 15-jährigen Edgar H. fest. Der deutsche Staatsangehörige soll das 14 Jahre alte Mädchen mit mehreren Messerstichen in der Wohnung ihrer Eltern getötet haben. Wie die Polizei mitteilte, hat der Jugendliche, der Keira G. aus der Schule kannte, die Tat gestanden. Ein Haftbefehl wegen Totschlags wurde erlassen.

Bereits kurz nach Bekanntwerden der Tat am Mittwoch kursierten in den sozialen Medien und auf den Seiten rechtspopulistischer Verschwörungstheoretiker Spekulationen und bewusst in die Welt gesetzte Falschmeldungen zur Identität des mutmaßlichen Täters. Besonders dreist ging die rechte Website „Halle Leaks“ vor. Am 8. März, also einen Tag nach Keiras Tod, behauptete die Seite ohne jeden Beleg, der Täter sei ein Flüchtling, schrieb von einem „Kandel 2.0“ und bezog sich damit auf die Ermordung der 15 Jahre alten Mia am 27. Dezember des vergangenen Jahres in einem Drogeriemarkt im rheinland-pfälzischen Kandel. Als mutmaßlicher Täter wurde seinerzeit der Ex-Freund des Mädchens, ein angeblich minderjähriger Afghane, festgenommen.

Ähnlich perfide äußerte sich der rechtspopulistische Publizist David Berger auf seinem Blog „Philosophia perennis“. Dort fabulierte Berger in einem Text über eine angebliche Schweigespirale der „gleichgeschalteten Medien“ und behauptete, dass die Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge in Deutschland zu einer „regelrechten Messer-Epidemie“ geführt habe. Besonders junge Menschen würden auf „bestialische Weise abgeschlachtet“, schrieb Berger weiter.

Unschuldigen an den Pranger gestellt: Polizei ermittelt gegen Pegida-Gründer Bachmann

Pegida-Gründer Lutz Bachmann verbreitete via Twitter das Foto eines unbeteiligten Jugendlichen und stellte den Gymnasiasten, der ebenfalls Edgar H. heißt, als vermeintlichen Täter an den Pranger. Der mehrfach vorbestrafte Bachmann verlinkte sogar auf die Facebookseite des jungen Mannes und schrieb: „Nun ist es wohl raus: Die Bestie vom Kaukasus, Edgar H., tschetschenischer Moslem und Ex-Flüchtling.“ Mittlerweile ermittelt die Polizei gegen Bachmann wegen übler Nachrede, falscher Verdächtigung und Volksverhetzung.

Auch auf der Facebook-Seite der Berliner Morgenpost äußerten User Verschwörungstheorien und behaupteten, die Redaktion würde die Identität des Tatverdächtigen verschleiern. „Deutscher, das glaube ich nicht!“, war noch einer der gemäßigteren Kommentare auf der Morgenpost-Seite.

Die Berliner Polizei reagierte auf die durch das Netz geisternden Falschmeldungen und Hetzkommentare mit Posts auf Twitter und Facebook. Dort bat das Social-Media-Team der Polizei die Nutzer: „Bitte beteiligen Sie sich nicht an Spekulationen & Hetze und bitte teilen Sie keine FAKES.“ Die Beamten verwiesen stattdessen auf die Stellungnahme der Berliner Generalstaatsanwaltschaft. In der Folge schaltete sich das Social-Media-Team rege in die Diskussion auf Facebook ein und kommentierte ausgiebig Nachfragen und auch offen geäußerte Kritik.

Diese entzündete sich vor allem daran, dass die Polizei nach der Festnahme zunächst nicht die Nationalität des Festgenommenen genannt hatte. Immer wieder wurde eingefordert, dass die Polizei diese nennen solle, obwohl sie dazu nicht verpflichtet ist. „Der Tatverdächtige ist Deutscher und hat deutsche Eltern. Reicht das an Information?“, schrieb die Polizei schließlich auf Facebook, was eine weitere Diskussion um einen möglichen Migrationshintergrund nach sich zog. Doch auch auf diese Frage reagierte die Polizei souverän. „Schade, dass diese Frage überhaupt eine Rolle spielt. Der Tatverdächtige ist Deutscher ohne Migrationshintergrund (Wenn man sowas überhaupt definieren kann).“ Für diese Antwort bekam die Polizei auf Facebook bis Dienstag über 1000 Likes.

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