Arbeitsmarkt

In Berlin entstehen mehr als 50.000 neue Jobs

Vor allem die Branche Kommunikationsdienstleistungen beflügelt den Trend. „Optimismus auf breiter Front“.

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Berlin.  Der wirtschaftliche Boom in der Hauptstadtregion setzt sich fort – sofern Fachkräfte-Engpässe das Wachstum nicht noch bremsen: Laut einer Prognose der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) werden 2018 voraussichtlich rund 69.000 neue Stellen in der Region geschaffen. Die meisten dieser Jobs – gut 52.000 – entstehen in Berlin. „Der stärkste Jobmotor ist die Branche Kommunikationsdienstleistungen mit mehr als 7000 neuen Arbeitsplätzen und einem Wachstum von 10,3 Prozent“, sagte UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck am Montag bei der Jahrespressekonferenz.

Die jetzt vorgelegte Beschäftigungsprognose wurde gemeinsam mit der Arbeitsagentur erstellt und wird untermauert durch eine Umfrage unter den 60 Mitgliedsverbänden in Berlin und Brandenburg. „Es herrscht Optimismus auf breiter Front“, fasste Amsin­ck zusammen. „Der größte Teil der Verbände rechnet 2018 mit einer weiteren Aufwärtsentwicklung.“ Vor allem bei der Bauwirtschaft herrsche große Zuversicht. Die Branche gehe von 3200 neuen Arbeitsplätzen aus, das bedeute ein Plus von fünf Prozent. Mit einem ähnlich starken Wachstum rechnen Firmen, die Gebäude betreuen.

Region profitiert von der Digitalisierung

Auch das Gastgewerbe werde in diesem Jahr voraussichtlich fünf Prozent mehr sozialversicherungspflichtige Jobs (plus 3800) bieten. Für Lehrer und Erzieher entstehen laut Prognose 5600 neue Stellen – ein Zuwachs von 5,6 Prozent. Auch die Gesundheits- und Sozialwirtschaft einschließlich der Pflegebranche wächst. In der Industrie und in industrienahen Dienstleistungen rechnen laut UVB die Zweige Chemie und Pharma sowie Ernährung mit guten Geschäften. Im Bereich Metall- und Elektroindustrie habe es zuletzt nicht nur positive Nachrichten für den Standort Berlin gegeben. Doch die Zahl der Aufträge sei wieder gestiegen. Auch der Handel und die Logistik zeigten sich zuversichtlich. Sinkende Investitions- und Beschäftigungserwartungen bestehen lediglich für die Branche Druck und Medien sowie für die Energiewirtschaft.

Die Region profitiere wie keine andere von neuen Technologien und Geschäftsmodellen durch die Digitalisierung, betonte Amsinck. Als deutscher Digital-Hauptstadt zeigten sich Veränderungen und Strukturwandel in Berlin besonders stark. Dabei gingen auch Stellen verloren. „Unter dem Strich ist die Digitalisierung aber ein Gewinn“, sagte der UVB-Geschäftsführer. In den vergangenen zehn Jahren sei die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in allen Branchen in Berlin um gut 31 Prozent gestiegen, in der Digitalwirtschaft sei das Wachstum viermal so stark. Ganz weit vorne lagen dabei Internetplattformen und der Handel mit Hardware.

Überdurchschnittliches Wachstum in Berlin

Insgesamt wird für Berlin in diesem Jahr ein überdurchschnittliches Beschäftigungswachstum von 2,5 Prozent prognostiziert, für den Bund werden rund zwei Prozent erwartet. Die Voraussagen sind vorsichtig gerechnet. 2017 gingen die Unternehmensverbände von 60.000 neuen Jobs in der Region aus. Die Betriebe schufen dann aber 81.000 neue Stellen. Alle sieben Minuten entstand ein zusätzlicher Arbeitsplatz.

Die positive Jobprognose steht unter Vorbehalt. „Vor allem im Handwerk ist der Fachkräftemangel mittlerweile eine echte Wachstumsbremse“, sagte der UVB-Geschäftsführer. Im Schnitt aller Berufe dauere es in Berlin 108 Tage, bis eine offene Stelle besetzt werde. Um das Wachstum nicht aufzuhalten, müssten auch die Bedingungen stimmen, sagte Amsinck. Nötig seien ein industriefähiges Breitbandnetz, die Modernisierung der Verwaltung, eine bessere Verkehrspolitik und höhere Unterrichtsqualität an Schulen.

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