Berlin-Reinickendorf

Nach Brandanschlag auf Moschee kocht die Stimmung hoch

Innensenator Andreas Geisel (SPD) besucht die durch ein Feuer schwer beschädigte Moschee und wird mit wütenden Vorwürfen konfrontiert.

Ruß geschwärzt ist die Fassade des Hauses an der Kühleweinstraße, in der ein Moscheeverein untergebracht ist. Gegen zwei Uhr war dort ein Feuer ausgebrochen

Ruß geschwärzt ist die Fassade des Hauses an der Kühleweinstraße, in der ein Moscheeverein untergebracht ist. Gegen zwei Uhr war dort ein Feuer ausgebrochen

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin.  Eigentlich war Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Sonntag an den Ort des Brandanschlags auf die Koca-Sinan-Moschee an der Pankower Allee in Reinickendorf gekommen, um seine Solidarität zu zeigen. Doch dann fand er sich in einer aufgeheizten Stimmung wieder. Dabei musste sich der Politiker mehrfach anschreien lassen. Die Polizei tue zu wenig, um Moscheen zu schützen, hieß es. Besonnenen Anwesenden gelang es schließlich, die Gemüter zu beruhigen.

Die Räume der Moschee liegen im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses. Anwohner hatten in der Nacht gegen 2 Uhr nicht nur die drei flüchtenden Männer bemerkt, Zeugen des Geschehens berichteten den Ermittlern zudem, die Verdächtigen hätten eine Tür zum Gebäude aufgebrochen und etwas ins Innere geworfen. Offenbar handelte es sich dabei um einen Brandsatz. Die alarmierte Feuerwehr konnte lediglich ein Übergreifen der Flammen auf andere Bereiche des Wohnhauses verhindern. Gegen die lodernden Flammen in den Räumen der Moschee waren die Brandbekämpfer machtlos. Gegen 3.30 Uhr war der Einsatz des 60-köpfigen Aufgebots an Löschkräften beendet.

Viele Gläubige versuchten, Gebetbücher zu retten

Noch in der Nacht nahmen Experten der Spurensicherung ihre Arbeit auf, die sie am Sonntagvormittag fortsetzten. Auch die Ermittler des Staatsschutzes waren schnell vor Ort, sie führten Befragungen im Umfeld des Brandortes durch. Über eingegangene Hinweise und mögliche neue Erkenntnisse machte die Polizei zunächst keine Angaben.

Unter den zahlreichen Mitgliedern des Moscheevereins kochte die Stimmung allen Bemühungen zum Trotz immer wieder hoch. „Jede Synagoge wird auch bewacht. Warum nicht wir?“, fragte ein sichtlich aufgebrachter Mann. Eine Frau schrie: „Warum lassen Sie eine Blitzdemo der PKK zu? Die sind hier verboten.“ Damit bezog sie sich auf eine Spontandemonstration, die am Sonnabendabend von mehreren Mannschaftswagen der Polizei begleitet durch die Oranienstraße zum Kottbusser Tor in Kreuzberg gezogen war. Am Rande der Demonstration kam es laut Senator Geisel zu Ausschreitungen, und die Polizei musste PKK-Fahnen-Verbote aussprechen. Das veranlasste eine weitere Frau unter den aufgebrachten Anwesenden zu dem Vorwurf, die deutsche Polizei unterstütze die PKK und ermittle nicht.

Einige Polizisten versuchten beschwichtigend ihre politisch-neutrale Rolle zu erklären. Auch Mustafa Celik. Leiter des türkischen Konsulats, mühte sich, die erhitzten Gemüter zu beruhigen. „Unsere Erwartung ist – und wir vertrauen unseren deutschen Kollegen sehr –, dass sie alles tun, um den Fall aufzuklären. Wir müssen mit Ruhe darauf warten, dass diese Menschen vor Gericht gebracht und verurteilt werden“, sagte Celik.

Die meisten Anwesenden blieben ohnehin ruhig und bemühten sich stattdessen, in den Trümmern der ausgebrannten Moschee so etwas wie Ordnung zu schaffen. Mit viel Aufwand und Geduld wurden vor allem durch Löschwasser beschädigte Gebetbücher und Koranausgaben getrocknet. Doch die Suche nach noch verwertbaren Gegenständen brachte wenig Erfolg, das meiste wurde ein Raub der Flammen.

In einer ersten Erklärung und mehreren Mitteilungen auf Facebook sprach die betroffene Moschee-Gemeinde von einem Anschlag. Die meisten Räume der Einrichtung seien „weitestgehend nicht mehr nutzbar“, hieß es. „Ein Anschlag auf ein Gotteshaus, egal aus welchem Grund, ist nicht akzeptabel und nicht hinnehmbar“, sagte ein Sprecher.

Mehr zum Thema:

Brandanschlag auf Berliner Moschee verübt

Transporter von Moscheeverband ausgebrannt

Ermittlungen gegen mutmaßliche Spitzel-Imame eingestellt

Ditib will weiter mit türkischer Behörde verbunden bleiben

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.