Kandidatenturnier

Willkommen in der Welthauptstadt des Schachs

| Lesedauer: 18 Minuten
Felix Müller
Mitten in der Woche treffen sich fast 50 Spieler abends zum Turnier in Schöneberg – und es werden immer mehr

Mitten in der Woche treffen sich fast 50 Spieler abends zum Turnier in Schöneberg – und es werden immer mehr

Foto: David Heerde

In Kreuzberg trifft sich die Schach-Elite. Gesucht wird der Herausforderer, gegen den Weltmeister Carlsen seinen Titel verteidigt.

Berlin. Das Kandidatenturnier, bei dem der Finalist gegen Weltmeister Magnus Carlsen ausgespielt wird, ist das Berliner Schachereignis des Jahres, aber auch sonst ist einiges los. Wir trafen Carsten Schmidt, Präsident des Berliner Schachverbandes, im Schachcafé „en passant“ an der Schönhauser Allee 58 in Prenzlauer Berg.

Herr Schmidt, wie steht es um das Schachspiel in Berlin?

Carsten Schmidt: Sehr gut! Wir erleben gerade im Kinder- und Jugendbereich einen enormen Zulauf. Die Teilnehmerzahlen bei unseren Turnieren steigen konstant. Da sorgt eine Veranstaltung wie das Kandidatenturnier natürlich noch einmal für zusätzlichen Schub.

Wie ist das Vereinsschach organisiert?

Wir sind ein relativ kleiner Sportverband. Wir haben ungefähr 2800 Mitglieder in 50 Vereinen. Der größte Verein ist der Schach-Club Kreuzberg mit 165 Mitgliedern, dann gibt es den Schachclub Weiße Dame aus Charlottenburg mit 146 Mitgliedern. Natürlich gibt es weitaus mehr Berliner, die regelmäßig Schach spielen, nur sind die nicht im Verein, weil sie vielleicht der Wettkampfbetrieb nicht so interessiert. In vielen Schulen gibt es Schach-Arbeitsgemeinschaften. Die Schachregeln beherrschen sicher 60 bis 70 Prozent aller Berliner.

Wer sind die besten Berliner Schachspieler?

Der stärkste Berliner Spieler ist vermutlich noch immer Großmeister (GM) Robert Rabiega vom SK König Tegel, der unter anderem im Jahr 2000 Deutscher Meister war. In der Tegeler Mannschaft spielt er allerdings hinter seinem Kollegen GM René Stern, der auch zu den besten Berliner Schachspielern gehört. Bei den Schachfreunden Berlin spielt der deutsche Großmeister Martin Krämer, der zwar nicht direkt aus Berlin kommt, aber eben für einen Berliner Verein spielt. Ebenso in diesem Team ist mit dem Internationalen Meister Ilja Schneider ein weiterer sehr starker Spieler. In Berlin lebt auch noch GM Arik Braun, der allerdings für keinen Berliner Verein spielt, sondern noch für einen Verein in seiner Heimat, den SV Hockenheim.

In der Weltspitze gibt es noch den Armenier Lewon Aronjan, der lange hier gelebt hat.

Genau. Er wird ja jetzt auch beim Kandidatenturnier dabei sein. Er hat sehr lange Zeit in Berlin gewohnt, seine Eltern und Geschwister leben immer noch hier. Lewon Aronjan ist ein sehr sympathischer, netter Kerl. Viele Schachspieler in Berlin wünschen sich, dass er gewinnt und im Finale gegen Magnus Carlsen antritt. Aber auch Wladimir Kramnik hat eine Verbindung zur Hauptstadt, er hat in den Neunzigern für Empor Berlin gespielt und war sehr oft Gast in unserer Stadt.

Wie attraktiv ist Deutschland für die Weltelite im Schach?

Es gibt viele internationale Spitzenspieler in der Bundesliga. Das Ligasystem in Deutschland sieht allerdings vor, dass die Spiele an sieben Wochenenden ausgetragen werden. Das ist für Spieler aus den USA natürlich schwierig. Aber sonst läuft es in der Bundesliga sehr gut. Die Schachfreunde Berlin spielen ja auch in der Bundesliga.

Kann man vom Schachspielen leben, wenn man nicht zur Weltspitze gehört?

Eher nicht. Ein neues Standbein ist für viele das Schachtraining für Kinder und Erwachsene, die sich verbessern wollen. In den Schulen, in den Vereinen mit Jugendgruppen. Da tummeln sich viele gute Spieler.

Warum ist Schach für Kinder interessant?

Viele Kinder stellen fest, dass ihnen Schach dabei hilft, auch in anderen Strategiespielen gut zu sein. Außerdem steigert es die Konzentrationsfähigkeit. An der Käthe-Kollwitz-Schule in Prenzlauer Berg zum Beispiel ist Schach in der Mittelstufe ein reguläres Unterrichtsfach, dort gibt es auch besondere Förderangebote für Mädchen. Auf dem Beethoven-Gymnasium in Lankwitz wird auch Schach als Unterrichtsfach angeboten.

Warum spielen so wenige Mädchen und Frauen Schach?

Im Kindesalter, bis zu den unter 12-Jährigen, gibt es fast gleich viele Mädchen und Jungen. Zu Beginn der Oberschule geht der weibliche Anteil immer weiter zurück. Über den Grund kann ich auch nicht viel sagen. Vielleicht werden die Prioritäten anders gesetzt. Ich bin mir überhaupt nicht sicher. Man kann es sicher nicht verallgemeinern. In meiner Arbeit mit Mädchengruppen war der Gewinnwille gut ausgeprägt und nicht geringer als bei gleichaltrigen Jungen. Die Deutsche Schachjugend organisiert viele Aktionen, um Mädchen zum Schachspielen und auch Dabeibleiben zu bewegen, hier wird viel Sinnvolles auf die Beine gestellt, aber der weibliche Anteil in der Jugend ist, wie gesagt, auch deutlich höher als bei den Erwachsenen. Der Frauenanteil im Deutschen Schachbund liegt bei weniger als zehn Prozent.

Wie sind Sie zum Schach gekommen?

Ich hab das mit zehn Jahren von meinem Schwager gelernt, also nicht so wie heute, wo die Kinder schon mit vier Jahren im Kindergarten Schach lernen. In der Oberschule bin in Reinickendorf in die Schach AG gegangen und dann irgendwann bei König Tegel eingetreten. Danach habe ich angefangen zu studieren, habe Anfang der 90er-Jahre angefangen, im Jugendausschuss des Schachverbandes mitzuarbeiten. 1994 wurde ich kommissarisch Landesjugendwart, 1996 dann dauerhaft. Da habe ich bis 2004 die ganzen Jugendmeisterschaften organisiert. Bis 2004 war Alfred Seppelt Präsident des Berliner Schachverbandes, er hat unheimlich viel für das Spiel in Berlin geleistet. Ich war dann unter seinem Nachfolger Matthias Kribben Vizepräsident. Ihn habe ich dann 2010 als Präsident abgelöst.

In diesem Jahr feiern wir den 150. Geburtstag des ehemaligen Schachweltmeisters Emanuel Lasker. Heute haben wir keinen deutschen Spieler in den Top 50. Woran liegt das?

An der kulturellen Bedeutung des Spiels. In Russland, der Ukraine oder in Armenien ist Schach ja an fast allen Schulen ein Unterrichtsfach und spielt auch im Alltag eine viel größere Rolle. Da ist die Wahrscheinlichkeit natürlich größer, dass ein Wunderkind entdeckt und entsprechend gefördert wird. Aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben: In Rheinland-Pfalz gibt es Vincent Keymer, vierzehn Jahre alt und ein sehr guter Spieler, der auch gut vom Deutschen Schachbund gefördert wird. Ob er es in die Weltspitze schafft, ist natürlich unklar.

Wie wird es nach dem Kandidatenturnier mit dem Schach in Berlin weitergehen?

Das zweite Highlight in diesem vollen Schachjahr ist die zentrale Endrunde der Schachbundesliga vom 29. April bis zum 1. Mai im Hotel „Maritim“. Hier treffen die besten deutschen Schachmannschaften aufeinander, um den Deutschen Meister zu ermitteln. Der einzige Berliner Bundesligist, die Schachfreunde Berlin, sind wie im letzten Jahr Ausrichter. Im Rahmen dieser Bundesliga-Endrunde und der zeitgleich dort stattfindenden Endrunden der Jugendbundesliga finden auch diverse Veranstaltungen im Hotel „Maritim“ statt: eine Konferenz zum 150. Geburtstag von Emanuel Lasker, das beliebte Politiker-Schachturnier, das Achtelfinale des Berliner Mannschaftspokals, die Schlussrunde der Berliner Feierabendliga, die Bundesvereinskonferenz und auch noch viele Blitzschachturniere. Es wird also spannend bleiben in der Schach-Hauptstadt Berlin.

Die Weltelite des Schachs im Vergleich: Diese Spieler kämpfen um den Einzug in das Finale gegen Magnus Carlsen

Vom Wunderkind zum erfahrenen Turnierspieler

Fabiano Caruana wurde 1992 in Miami geboren, seine Großeltern sind italienischer Abstammung. Er wurde bereits im Alter von fünf Jahren als Talent entdeckt. Mit nur zehn Jahren gelang es ihm, bei einem Grand-Prix-Turnier in New York einen Großmeister zu bezwingen. Es folgten zahlreiche Erfolge bei internationalen Turnieren. Zuletzt gelang es dem hochpräzise vorausberechnenden Amerikaner zweimal, bei Turnieren besser als Weltmeister Magnus Carlsen abzuschneiden. Beim renommierten Sinquefield Cup in St. Louis schloss er 2014 mit drei Punkten Vorsprung vor Carlsen ab und erzielte die bislang höchste Elo-Wertung bei einem Turnier (3103). Im vergangenen Jahr belegte er beim Grenke Chess Classic in Karlsruhe und Baden-Baden den zweiten Platz.

Magnus Carlsens letzter Herausforderer

Viele haben Sergei Karjakin noch vom Finale der Schachweltmeisterschaft 2016 in Erinnerung, wo er meisterhafte Verteidigungsarbeit leistete, viele Unentschieden erzwang, dem amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen aber schließlich doch im Tiebreak unterlag. Karjakin wurde 1990 in Simferopol geboren, das heute zur zwischen Russland und der Ukraine umstrittenen Gebietskörperschaft der Autonomen Republik Krim bzw. Repu­blik Krim gehört. Karjakin hält den Rekord des jüngsten Schachgroßmeisters aller Zeiten, er errang ihn mit zwölf Jahren und sieben Monaten. Er pflegt Verbindungen zu Wladimir Putin und unterstützt dessen Krim-Politik. 2014 wurde er mit dem Ehrentitel „Verdienter Meister des Sports Russlands“ ausgezeichnet.

Ältester Kandidat und Ex-Weltmeister

Im relativ jungen Feld der Wettbewerber nimmt Wladimir Kramnik, geboren 1975 im südrussischen Tuapse, die Rolle des ältesten Spielers ein. Zugleich ist er, weil sich der Inder Viswanathan Anand nicht für das Kandidatenturnier qualifizieren konnte, der einzige Ex-Weltmeister unter den Spielern. Kramnik, der aus einer intellektuellen Künstlerfamilie stammt, erlernte das Schachspiel bereits mit fünf Jahren und arbeitete sich schnell in die Weltspitze vor. In den 90er-Jahren spielte er für Empor Berlin und lebte auch einige Jahre in der Hauptstadt. Er entthronte den langjährigen Weltmeister Garri Kasparov bereits im Jahr 2000 und war nach dem Vereinigungskampf gegen Fide-Weltmeister Wesselin Topalow alleiniger Weltmeister, bis ihn 2007 Anand ablöste.

Der erste Chinese beim Kandidatenturnier

Der 25-jährige Ding Liren stammt aus Wenzhou, einer Drei-Millionen-Stadt an Chinas Ostküste. Er lernte Schach bereits im Alter von vier Jahren und siegte schon ein Jahr später bei der chinesischen Meisterschaft der unter Sechsjährigen. 2009, 2011 und 2012 holte er die chinesische Einzelmeisterschaft und gewann bei der Schacholympiade 2014 im norwegischen Tromsø mit seiner Mannschaft die Goldmedaille. Ding Liren, der ein Studium der Rechtswissenschaft an der Peking-Universität begonnen hat, konnte sich als erster Chinese der Geschichte für das Kandidatenturnier qualifizieren, nachdem er sich im September im Halbfinale des Schach-Weltpokals in Tiflis gegen Wesley So durchsetzen konnte. Im Finale unterlag er allerdings gegen Lewon Aronjan.

Der Aserbaidschaner aus der Schachfamilie

Mit einer Wertungszahl von 2814 Elo-Punkten rangiert Shakhriyar Mamedyarov momentan auf Platz 2 der Weltrangliste (Platz 1: Magnus Carlsen mit 2843 Punkten). Geboren wurde er 1985 in Sumqayıt, einer Stadt mit knapp 300.000 Einwohnern, die rund 30 Kilometer von Aserbaidschans Hauptstadt Baku entfernt liegt. Die große Bedeutung des Schachspiels in seiner Familie lässt sich schon daran ablesen, dass seine Schwestern Zeinab und Türkân beide den Titel einer Großmeisterin der Frauen tragen. Zu seinen großen Turniersiegen gehört der 1. Platz beim Shamkir Chess 2016, das in seinem Heimatland stattfand. Dabei setzte er sich gegen den Amerikaner Caruana durch. Im darauffolgenden Jahr wiederholte er dort seinen Sieg mit 0,5 Punkten vor Wladimir Kramnik.

Aus Manila an die Weltspitze

Wesley So, Jahrgang 1993, stammt aus Manila, Philippinen, ist allerdings seit 2014 für den US-amerikanischen Schachverband aktiv. Sein Vater brachte ihm das Schachspiel bei, als er sechs Jahre alt war. 2006 wurde er das jüngste Mitglied der Nationalmannschaft der Männer und durchbrach 2008 als jüngster Spieler der Schachgeschichte die Elo-Marke von 2600 Punkten. Sein bislang erfolgreichstes Jahr erspielte er sich im Jahr 2016: Er erreichte den zweiten Platz hinter Fabiano Caruana bei der Meisterschaft der Vereinigten Staaten, gewann den Sinque­field Cup in St. Louis vor Lewon Aronjan und das London Chess Classic vor Fabiano Caruana. 2017 folgte das Tata-Steel-Schachturnier im holländischen Wijk aan Zee – mit neun Punkten vor dem Weltmeister Magnus Carlsen.

Der Spieler, der es gern blitzschnell hat

Alexander Grischtschuk, geboren 1983 in Moskau, profitierte als Kind von den Schachförderprogrammen der Sowjetunion. Er sorgte bereits 1992 für Aufsehen, als er an der Jugendweltmeisterschaft in Duisburg teilnahm und dort den zweiten Platz errang. Neben Siegen in mehreren wichtigen internationalen Turnieren zeigte Gritschtschuk immer wieder sein Talent als einer der besten Blitzschachspieler der Welt. Bei den Schnell- und Blitzschachweltmeisterschaften 2015 in Berlin gewann er vor Magnus Carlsen im Blitzschach, während der amtierende Weltmeister nur den Schnellschachwettbewerb für sich entscheiden konnte. Für Grischtschuk war es der dritte Weltmeistertitel im Blitzschach. Er gilt als Kritiker von Spielen mit längerer Bedenkzeit und spielt gern Poker.

Der Armenier mit einem Koffer in Berlin

Lewon Aronjan wurde 1982 in Armeniens Hauptstadt Jerewan geboren. Sein Vater war ein weißrussischer Physiker, seine Mutter Spezialistin im Sprengwesen. 1994 wurde er Jugendweltmeister U12 im ungarischen Szeged, weitere Erfolge schlossen sich an. Zu den bedeutendsten Siegen seiner Karriere zählt der beim Traditionsturnier im andalusischen Linares 2006. Aronjan spielte von 2004 bis 2008 für den SC Kreuzberg, für die Saison 2011/12 wurde er von den Schachfreunden Berlin verpflichtet. Seinen Spielstil bezeichnet er selbst als „schräg“ und nennt sich selbst einen „billigen Taktiker“, der unklare Positionen auf dem Schachbrett bevorzugt. Er sei ein emotionaler Mensch und handle lieber beim Schnell- und Blitzschach aus dem Bauch heraus.

Große Probleme auf 64 Feldern

Seit dem Hochmittelalter wird in Europa Schach gespielt – und hat nichts an Faszination verloren. Das liegt vor allem an der riesigen Fülle von Denkaufgaben, die es bietet. Hier ein paar einfache Beispiele

Die Ausgangslage

Über die richtige Eröffnung im Schach sind ganze Bibliotheken verfasst worden. Beim populärsten Anfangszug wird der Königsbauer zwei Felder nach vorn gezogen (1. e4), es werden aber auch viele andere Varianten regelmäßig gespielt. In der Eröffnungsphase eines Schachspiels geht es darum, die vier Zentrumsfelder zu beherrschen, Figuren wie die Springer und die Läufer schnell zu entwickeln und den eigenen König vor dem Gegner in Sicherheit zu bringen – in der Regel mit der sogenannten Rochade.

Das Narrenmatt

Oft wird das Schäfermatt als schnellstmögliches Ende des Spiels angeführt. Das ist allerdings nicht richtig, dies ist vielmehr das Narrenmatt. Nach der Zugfolge 1. f3 e6 2. g4 hat Schwarz die Möglichkeit, den Gegner mit einem Zug matt zu setzen (2. ... Dh4#). Nach diesem Zug hat der weiße König keine Möglichkeit mehr, dem gegnerischen Schachgebot zu entgehen. Weil Weiß hier durch katastrophal schlechte Züge aktiv an der eigenen Niederlage mitwirkt, spricht man auch vom sogenannten Hilfsmatt.

Die vergiftete Dame

Das sogenannte Seekadettenmatt, eine berühmte Eröffnungsfalle, bezieht seinen Namen aus einer Operette von Richard Genée aus dem Jahr 1876. Nach der Diagrammstellung schlägt Weiß mit seinem Springer auf f3 den Bauern auf e5 (in Kurzform: Sxe5). Erliegt Schwarz nun der Verlockung, die weiße Dame zu schlagen (Lxd1), bietet Weiß Schach mit Lxf7+. Der König muss auf das Feld e7 ausweichen – und wird dort sein Ende finden. Denn nach dem weißen Zug Sd5 gibt es kein Feld mehr für ihn.

Dem König geht die Luft aus

Aus dieser Stellung heraus kann Weiß einen wunderschönen Mattangriff starten. Finden Sie ihn? Er beginnt mit einem Schachgebot der weißen Dame: 1. d5+. Der König hat nur zwei Felder und wird sich für h8 entscheiden, weil er auf f8 mit 2. Df7# sofort matt gesetzt wird. Es folgt 2. Sf7+ Kg8 – der König hat keine Wahl, als in ein Doppelschach zu rennen. 3. Sh6+ Kh8. Darauf folgt das Damenopfer 4. Dg8+ Txg8 und 5. Sf7#. Der König hat sich mit den eigenen Figuren eingekesselt, man nennt es „ersticktes Matt“.

Magnus Carlsen lässt grüßen

In dieser Stellung fand Weltmeister Magnus Carlsen im Tiebreak der Endrunde 2016 den schönen Zug, der seinen Gegner Sergej Karjakin zur Aufgabe zwang und ihm für weitere zwei Jahre den Titel sicherte. Er zog seine weiße Dame auf das ungeschützte Feld h6. Dort kann sie der schwarze König zwar noch schlagen, verliert aber dann durch den Turmzug h8#. Schlägt er die Dame dagegen mit seinem Bauern (gxh6), sieht die Sache für Schwarz nicht viel besser aus: Es folgt Txf7#.

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