Außer Betrieb

So schlimm steht es um die Aufzüge an den Berliner Bahnhöfen

Probleme an den Bahnhöfen: Die Berliner Morgenpost testet die Verfügbarkeit der Fahrstühle. Das Resultat ist ernüchternd.

Wenn der Aufzug ausfällt, wird es anstrengend. So wie für Katrin und Thilo am Bahnhof Kurfürstendamm

Wenn der Aufzug ausfällt, wird es anstrengend. So wie für Katrin und Thilo am Bahnhof Kurfürstendamm

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Eigentlich sind sie auf dem Weg zum Kinderarzt, aber jetzt müssen sie erst mal anpacken. Denn der Aufzug am U-Bahnhof Kurfürstendamm ist kaputt. Schon das zweite Mal in diesem Jahr und bereits seit mehr als drei Wochen. Da hilft alles nichts: Katrin und Thilo, die jungen Eltern aus Moabit, müssen ihr Kind samt Kinderwagen die Treppe heruntertragen.

Wie ihnen ergeht es vielen Fahrgästen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die auf die Aufzüge in den Bahnhöfen angewiesen sind. Knapp zwei Drittel der Stationen sind mit Fahrstühlen ausgestattet. Doch wie ein Test der Berliner Morgenpost an allen 110 mit Fahrstühlen ausgestatteten Bahnhöfen in dieser Woche ergab, funktioniert täglich an bis zu zehn von ihnen mindestens ein Aufzug nicht.

Neben Eltern mit Kindern haben vor allem Senioren und gehbehinderte Menschen das Nachsehen. Problem: Erfolgt an einer Stelle die Reparatur, fällt parallel woanders wieder einer aus. Eine weitere Erkenntnis der Analyse: Die im Netz veröffentlichte Liste kaputter Aufzüge an sämtlichen Berliner Bahnhöfen (einsehbar unter brokenlifts.org) ist nicht immer aktuell. Wer also seine Strecke nach der Verfügbarkeit von Aufzügen plant, kann offenbar nicht immer damit rechnen, ohne Hindernisse ans Ziel zu kommen.

Die BVG wiegelt ab. Die Verfügbarkeit der Aufzüge liege bei 97 Prozent, dies sei ein „absolut seriös ermittelter Jahreswert“, sagt ein Sprecher. Dazu sei man von der Berliner Landesregierung auch verpflichtet. Generell ließen sich die Hälfte aller Störungen innerhalb von zwei, 80 Prozent innerhalb von fünf Stunden beheben. Sei etwa lediglich der Türsensor blockiert, sei das eine Arbeit, die der Techniker innerhalb weniger Minuten beheben könne. Länger dauere es, wenn ein Aufzug ausgetauscht werde, was etwa alle 20 Jahre geschehe. Und manchmal kommen Extremfälle dazu: In der Silvesternacht 2013 warfen Unbekannte einen Böller in den Schacht des Aufzuges am Bahnhof Bülowstraße. Dauer der Reparatur: zehn Monate.

„Die Frustration ist enorm“, sagt Dominik Peter, Rollstuhlfahrer und Vorsitzender des Berliner Behindertenverbandes „Für Selbstbestimmung und Würde“. Die Störanfälligkeit der Aufzüge mache vielen Gehbehinderten extrem zu schaffen. Oft würde der nötige Umweg bei einem defekten Lift so lange dauern, dass man seinen Termin verpasse. Dazu kommt: Ein Drittel der insgesamt 173 Berliner Bahnhöfe verfügt bisher über gar keinen Lift. Erst ab 2021 soll das Netz zu 100 Prozent barrierefrei sein, heißt es bei der BVG.

Lob für Unterstützung von blinden Fahrgästen

Tatsächlich habe das Unternehmen in den letzten 20 Jahren auch einiges für die Barrierefreiheit getan, räumt Peter ein. Immer mehr Bahnhöfe seien mit Aufzügen oder Rampen ausgestattet worden, das Landesunternehmen habe dabei die gesteckten Ziele in der Regel eingehalten. Und doch: Dass eine Reparatur manchmal Wochen dauere, weil das nötige Ersatzteil nicht geliefert werden könne, „dafür habe ich kein Verständnis“. Hier müsse die BVG bei den Herstellern mehr Druck machen. Die S-Bahn habe in Sachen Aufzügen übrigens ebenfalls Nachholbedarf.

Lob gibt es vom Chef des Behindertenverbandes indes dafür, dass sich die BVG kürzlich dazu entschlossen hat, Bussen und Straßenbahnen das „Sprechen“ beizubringen. Im Rahmen eines Pilotprojektes werden verschiedene System getestet, die dafür sorgen können, dass Durchsagen zu Linien und Stationen an Haltestellen, Fahrzeugen oder über das Smartphone angesagt werden. Für Blinde und Sehbehinderte sei das eine große Chance, ist Peter überzeugt.

Hunderte Sneaker-Fans frieren für den BVG-Turnschuh

Trotz eisiger Kälte haben Hunderte die Nacht vor einem Schuhladen in Kreuzberg verbracht. Der Verkauf der auf 500 Stück limitierten adidas-Schuhe im BVG-Muster startete am Vormittag.
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