Polizei in Berlin

Noch mindestens zehn Jahre Sanierungsstau bei der Polizei

Die Dienstgebäude der Polizei gehören zu den marodesten in ganz Berlin. Eine Milliarde Euro für Sanierungen nötig.

Foto: Reto Klar

Berlin. Um die schlimmsten Sanierungsfälle bei der Berliner Polizei abzuarbeiten, vergehen noch mindestens zehn Jahre. Das sagte der Geschäftsführer der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), Sven Lemiss, der Berliner Morgenpost auf Nachfrage. Er beziffert den Sanierungsstau bei allen Polizei-Liegenschaften auf mehr als eine Milliarde Euro. Seit gut zehn Jahren befinden sich die Liegenschaften im Besitz der BIM, an die die Polizei Miete zahlt.

„Die Polizei-Liegenschaften sind ein großes und kompliziertes Portfolio“, sagte Lemiss. Teilweise stammten die Gebäude noch aus der Kaiserzeit. Die Polizei-Liegenschaften seien mit die schlechtesten im Zuständigkeitsbereich der BIM. Gleichzeitig habe es dafür über Jahre hinweg das wenigste Geld gegeben, sagte Lemiss. Aktuell liege der Sanierungsbedarf bei der Polizei bei 1000 Euro pro Quadratmeter. Bei den anderen Liegenschaften der BIM liege der Durchschnitt bei 500 Euro.

Wie berichtet, hat die Polizei in mehreren Dienstgebäuden mit Schimmelbefall zu kämpfen, darunter die Bereitschaftspolizei an der Ruppiner Chaussee. Dort sind Lagerräume und Besprechungsräume betroffen. Es gibt auch Rattenbefall von Dienstgebäuden an der Kruppstraße (Direktion 3) und der Wedekindstraße (Direktion 5). In manchen Dienststellen ist der Zustand der Fenster so schlecht, dass einige zugenagelt werden müssen. Allein an den Abschnittsgebäuden beläuft sich der Bedarf für die notwendigsten Reparaturen auf knapp 200 Millionen Euro.

Die BIM priorisiert Sanierungsmaßnahmen nach einem vierstufigen Modell: von der ersten Stufe (Gefahr für Leib und Leben) bis zur vierten Stufe (Idealzustand). Derzeit gehe es nur darum, die ersten beiden Stufen bei der Polizei abzuarbeiten. In diesem Jahr habe man insgesamt 36 Millionen Euro aus unterschiedlichen Töpfen zur Verfügung, um sie in die Polizei-Liegenschaften zu investieren. „Wir haben jedes Jahr aufgezeigt, wie hoch der Sanierungsstau ist“, so Lemiss weiter. In diesem Jahr habe man zum ersten Mal ausreichend Mittel zur Verfügung, um sichtbare Veränderungen zu leisten. Zum Vergleich: Bis 2014 gab es lediglich sieben Millionen Euro.

Zugleich kündigte der BIM-Chef an, dass das Sicherstellungsgelände an der Cecilienstraße umgebaut wird. Dafür soll allerdings das Sicherstellungsgelände an der Belziger Straße aufgegeben werden. Außerdem gebe es erste Überlegungen, das Konzept der „Alexwache“ auch an anderen Brennpunkten der Stadt zu verwirklichen. „Wir haben sogar Anfragen aus anderen Bundesländern“, sagte BIM-Chef Lemiss.

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