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So schlitterte und stürzte Berlin in den Montag

Regen auf gefrorenem Boden wurde vielen Berlinern zum Verhängnis. Die Rettungsstellen der Stadt waren voll, die Feuerwehr im Ausnahmezustand.

Erik Zipperling verletzte sich beim Sturz an den Händen

Erik Zipperling verletzte sich beim Sturz an den Händen

Foto: Daniel Schaler

Berlin. Nachdem der Frost Berlin schon seit Tagen im Griff hatte, kam am Montag dann noch Eisregen dazu. Die Folge: Unfälle im Minutentakt, Feuerwehr und Hilfsdienste ebenso im Dauereinsatz wie die Rettungsstellen der Krankenhäuser. Um 7.27 Uhr rief die Feuerwehr den sogenannten Ausnahmezustand Rettungsdienst aus. „Wer nicht unbedingt raus muss, sollte zu Hause bleiben“, warnte die Feuerwehr am Vormittag. Bis 12 Uhr mittags musste die Behörde, unterstützt durch Rettungskräfte der Hilfsdienste Rotes Kreuz, Malteser und Johanniter 250 wetterbedingte Einsätze bewältigen.

Als erstes war am Montagmorgen ab 5 Uhr der Winterdienst der BSR im Einsatz. Bei der Feuerwehr und den Hilfsdiensten waren ab 8 Uhr alle Rettungsfahrzeuge durchgehend unterwegs. Vereinzelt fuhren Feuerwehrleute daher auch mit Löschfahrzeugen zu Unfallorten, um dort bis zum Eintreffen eines Rettungswagens erste Sofortmaßnahmen vornehmen zu können. Dass ein Verletzter, wie am Montag in Kreuzberg dann gleich mit einem Löschfahrzeug ins Krankenhaus gebracht wurde, sei allerdings die absolute Ausnahme, sagte Feuerwehr-Sprecher Thomas Kirstein.

Notaufnahmestellen an der Grenze der Belastbarkeit

Schon um 9 Uhr morgens waren auch die Rettungsstellen vieler Berliner Krankenhäuser an die Grenzen ihrer Belastung gelangt. In den acht Berliner Vivantes-Kliniken hätten die Rettungsstellen ein deutlich erhöhtes Patientenaufkommen mit sturzbedingten Verletzungen registriert, sagte Vivantes-Sprecherin Astrid Steuber. Am Klinikum Friedrichshain und im Urban-Krankenhaus in Kreuzberg sei das Aufkommen um etwa 50 Prozent höher als an „normalen“ Tagen gewesen, teilte die Sprecherin weiter mit.

Ähnlich sah die Situation in den Rettungsstellen der drei DRK-Kliniken im Stadgebiet aus. „Wir haben eine extrem hohe Auslastung in der unfallchirurgischen Notaufnahme, viele Patienten kommen mit Brüchen, einige von ihnen müssen genäht werden“, sagte eine Pressesprecherin. Die ersten Patienten kamen ab 7.30 Uhr mit Beginn des Berufsverkehrs. Bis Montagmittag waren es insgesamt 68 Personen, 42 waren zu dem Zeitpunkt schon wieder entlassen worden. Auf den Fluren der Notaufnahme warteten aber auch am Mittag noch zahlreiche Menschen auf Liegen, in Rollstühlen und mit Krücken auf die Behandlung.

Im UKB herrschte am Montagvormittag Hochbetrieb

Erik Zipperling war einer von ihnen. Er war am Morgen auf dem Weg zur Arbeit, als er im Innenhof seines Wohnhauses an der Otto-Suhr-Allee ausrutschte und auf die Seite fiel. „Ich habe versucht, mich mit den Händen abzustützen und holte mir dabei Platzwunden. An vier Stellen wurde ich genäht“, sagte der 49-Jährige, der an beiden Händen ein Verband trug.

Unter den Wartenden war auch Andromachi Savvidi. Die 32-Jährige war in Begleitung ihrer Mitbewohnerin in das DRK-Klinikum gekommen, nachdem sie morgens auf dem Arbeitsweg vor ihrer Haustür ausgerutscht und auf ihr rechtes Knie gefallen war, das daraufhin schmerzte und anschwoll.

Im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn herrschte am Montagvormittag Hochbetrieb. „Die Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger haben seit 7 Uhr aufgrund des Glatteises knapp 30 verletzte Personen medizinisch versorgt und betreut, und es werden stündlich mehr“, sagte UKB-Sprecherin Angela Kijewski am Vormittag. Bei den Verletzungen handele es sich überwiegend um Gesichtsfrakturen, Knochenbrüche und Kopfplatzwunden.

Auf der Bundesstraße 96 in Oberhavel starb ein 64-jähriger Autofahrer bei einem Unfall. Insgesamt knapp 80 Unfälle ereigneten sich innerhalb von zweieinhalb Stunden im Westen Brandenburgs. Die Berliner Polizei konnte am Montag keine Zahlen zu wetterbedingten Unfällen nennen. Ab Dienstagnachmittag soll es leicht regnen. In der Nacht zu Mittwoch ist auch mit Schnee zu rechnen. Es besteht erneut Glättegefahr.

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