Berlin

"Ich bin pansexuell"

Die 17-jährige Lana fühlt sich prinzipiell zu allen Geschlechtern hingezogen. Wir haben mit ihr gesprochen

Lana (Name von der Redaktion geändert) ist groß gewachsen, ein schlankes Mädchen mit langen dunklen Haaren und einem sportlichen Stil. Sie begrüßt mich freundlich an der Haustür und bittet mich in ihre Wohnung, wo die ­17-Jährige seit drei Jahren mit ihrer Mutter lebt. Wir gehen durch einen Flur in ihr helles, mit vielen Fotos und Postern geschmücktes Zimmer und setzen uns an den weißen Schreibtisch – um über ihre Sexualität zu sprechen.

Lana, du bist pansexuell. Was genau bedeutet das?

Oft wird die Pansexualität mit Bisexualität verglichen, wo es sich bekanntermaßen um die sexuelle Orientierung zu beiden Geschlechtern handelt. Bei der Pansexualität ist man in der Lage, sexuelle Anziehungen bei Personen jeden Geschlechts zu empfinden, unter anderem auch zu Transgender oder Demi-Girls oder -Boys, also Menschen mit mehreren Geschlechtsidentitäten, wobei eine davon weiblich oder männlich ist. Mir ist es also egal, in welches Geschlecht ich mich verliebe.

Wann und wie hast du gemerkt, dass du dich nicht nur zu einem Geschlecht hingezogen fühlst?

Als ich zehn war, habe ich ­gemerkt, dass ich Mädchen auch attraktiv finde. Da kannte noch niemanden aus der LGBTQA+-Community, das ist die Gemeinschaft aller Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Queers, Asexuellen und mehr. Ich fühlte mich allein mit "meinem Geheimnis" und hatte niemanden zum Reden.

Konntest du denn nicht mit deiner Familie sprechen?

Ich hab mich nicht getraut, ihnen davon zu erzählen. Ich habe mich auch bis heute nicht vor ihnen geoutet, will es aber bald tun. Ziemlich viele meiner Freunde wissen aber mittlerweile über meine sexuelle Neigung Bescheid und ich kenne auch viele Transgender und Lesben. Letztens habe ich mich auch mit meiner besten Freundin darüber unterhalten und es kam heraus, dass sie eine ähnliche Sexualität hat. Seitdem tauschen wir Erfahrungen aus.

Wie ging es mit deiner Geschichte weiter?

Ich wurde älter und habe festgestellt, dass ich Jungen auch interessant finde. Dann habe ich mich das erste Mal in ein Mädchen verliebt. Nach einiger Zeit hat sie mir gesagt, dass sie Transgender ist. Ich habe miterlebt, wie sie sich nach und nach verändert hat. Das hat aber nichts an meinen Gefühlen für ihn geändert. Im Netz bin ich auf den Begriff "pansexuell" gestoßen und konnte mich sofort damit identifizieren.

Wie offen geht du heute damit um?

Ich habe akzeptiert, dass es einfach so ist. Ich finde es blöd, dass die Menschen nicht überall tolerant sind und vor allem in der Öffentlichkeit viele Sexualitäten nicht akzeptiert werden oder das Ausleben schräg angeschaut wird.

Hast du einen Rat für Jugendliche, die sich in einer ähnlichen Situation befinden?

Sich nicht unter Druck setzen zu lassen. Man kann die Dinge einfach passieren lassen, sich verlieben. Außerdem muss man sich ja nicht sicher sein, denn es gibt auch die Bezeichnungen Queer, also dazwischen, und Questioning, also fragend. Was mir geholfen hat, ist, mit Leuten, denen ich vertraue, darüber zu reden. Man sollte immer wissen, dass man nicht alleine ist, auch wenn man sich manchmal so fühlt.

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