Urteil

BGH hebt Mord-Urteil gegen Kudamm-Raser auf

Die beiden Raser, die in Berlin einen Mann bei einem illegalen Autorennen getötet hatten, können nun auf ein milderes Urteil hoffen.

Der Prozess um die Kudamm-Raser als Chronik

Der Bundesgerichtshof hat das Urteil gegen die Kudamm-Raser aufgehoben. Die Angeklagten können auf wesentlich mildere Strafen hoffen.

Beschreibung anzeigen

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Urteil gegen die beiden Todes-Raser vom Kurfürstendamm aufgehoben. Die Richter des 4. Strafsenats wiesen den Fall an eine andere Große Strafkammer des Berliner Landgerichts zurück. Sie sehen es als nicht erwiesen an, dass die Auto-Raser mit einem bedingten Tötungsvorsatz handelten und den Tod eines 69-jährigen Autofahrers in Kauf nahmen.

Der damals 27-jährige Hamdi H. und der zwei Jahre jüngere Marvin N. führten am 1. Februar 2016 kurz nach Mitternacht in der City West ein Autorennen durch und rasten mit bis zu 170 Kilometer pro Stunde über den Kurfürstendamm. An der Kreuzung Tauentzienstraße Ecke Nürnberger Straße prallte Hamdi H. mit seinem Audi A6 gegen einen von rechts kommenden Jeep. Der Fahrer des Jeeps wurde tödlich verletzt. Zeugen beschrieben die Szenerie damals als „Schlachtfeld“.

Auch das Moabiter Schwurgericht sah es schon als entscheidende Frage des Prozesses, ob es sich bei der Raserei durch die Innenstadt um eine „bewusste Fahrlässigkeit“ oder einen „bedingten Tötungsvorsatz“ handelte. Die Kammer war fest überzeugt, dass sie vom Letzteren auszugehen hatte. Beide Angeklagten hätten gewusst, wie gefährlich ihr Handeln ist. Sie hätten ganz bewusst alle Bedenken in den Wind geschlagen, „waren entweder mit dem Eintreten des möglichen Schadens einverstanden oder haben sich zumindest damit abgefunden, dass er eintreten könnte“, sagte Richter Ralph Ehestädt im Februar 2017 bei der Urteilsbegründung. In der Konsequenz wurden beide Angeklagten wegen Mordes zu lebenslänglich verurteilt, außerdem wurde ihnen der Führerschein auf Lebenszeit entzogen.

Der 4. Strafsenat des BGH sah einen bedingten Vorsatz der Angeklagten jedoch als nicht belegt an. So hätten die Angeklagten nach den Urteilsfeststellungen des Schwurgerichts den für einen anderen Verkehrsteilnehmer tödlichen Ausgang ihres Rennens erst erkannt und billigend in Kauf genommen, als sie in die Unfallkreuzung einfuhren. Genau für diesen Zeitpunkt habe das Landgericht allerdings auch festgestellt, dass die Angeklagten gar keine Möglichkeit mehr hatten, den Unfall zu verhindern; sie seien „absolut unfähig gewesen, noch zu reagieren“. Moniert wurde vom 4. Senat ebenso, dass die Berliner Richter nicht ausreichend geprüft haben, dass eine Eigengefährdung der Angeklagten im Falle eines Unfalls gegen das Vorliegen eines Tötungsvorsatzes sprechen könnte.

Beide Raser können nun auf wesentlich mildere Strafe hoffen

Die beiden Raser können nun auf eine wesentlich mildere Strafe hoffen, weil im neuen Prozess mit hoher Wahrscheinlichkeit auf fahrlässige Tötung entschieden wird. Hier reicht der Strafrahmen von einer Geldstrafe bis zu maximal fünf Jahren Freiheitsstrafe.

Maximilian Warshitsky, Sohn des getöteten Autofahrers, hatte gehofft, dass das Mordurteil Bestand hat. Der 37-Jährige sagte der Berliner Morgenpost, er sei „jetzt sehr enttäuscht“. An dem neuen Prozess werde er aber auf jeden Fall wieder als Nebenkläger teilnehmen. „Auch wenn da alle Emotionen wieder hochkommen und ich den Angeklagten wieder gegenüber sitzen muss, ich bin das meinem Vater schuldig.“

Mehr zum Thema:

Keine Klatsche für die Berliner Richter

Sind die Kudamm-Raser Mörder? Das muss man zum Fall wissen

Raserunfall vom Tauentzien: War es Mord oder nicht?

Kudamm-Raser: BGH spricht Urteil am 1. März

Illegale Autorennen in Berlin - eine Chronik