Nahverkehr in Berlin

Bahn frei für schönere Bahnhöfe in Berlin

An der Warschauer Straße öffnet ein neues Empfangsgebäude, in Charlottenburg gibt es mehr Farbe.

Der  S-Bahnhof Warschauer Straße bekommt ein neues Empfangsgebäude

Der S-Bahnhof Warschauer Straße bekommt ein neues Empfangsgebäude

Foto: Reto Klar

Berlin. Margret Hager ärgert sich sehr über die Deutsche Bahn: Bereits seit Oktober 2016 ist der Bahnhof Lichterfelde Ost eine Baustelle. In der Bahnhofshalle hängen Planen unter der undichten Decke, die durchnässten Wände sind an mehreren Stellen aufgemeißelt und die gut 40 Fahrradabstellplätze im Durchgang demontiert worden. Doch inzwischen seien etliche Wochen vergangen, seit sie zuletzt Bauarbeiter in dem Gebäude gesehen hat. „Unter einer Renovierung stelle ich mir wirklich etwas anderes vor“, sagte die Frau aus Lichterfelde. Doch nun besteht Hoffnung. Der wichtige Umsteigebahnhof, an dem sowohl Züge der Berliner S-Bahn (Linien S25 und S26), als auch Regionalzüge auf vier verschiedenen Linien halten, gehört zu den Stationen, in die die Bahn in diesem Jahr kräftig investieren will.

Lichterfelde Ost: Am Bahnhof Lichterfeld Ost war bei Inspektionen entdeckt worden, dass die Dachkonstruktion und die Tunnelabdeckung nicht mehr dicht sind. Eindringendes Wasser hat zu erheblichen Schäden geführt. Die Dachkonstruktion der Bahnhofshalle und der Tunnel zwischen den Gebäuden selbst müssen neu abgedichtet werden. Solche Arbeiten können allerdings nicht in der kalten Jahreszeit ausgeführt werden, begründete ein Bahnsprecher den Stillstand auf der Baustelle. Nachdem im Vorjahr der Tunnelbereich zwischen Fern- und S-Bahn „vollumfänglich“ abgedichtet wurde, soll in diesem Jahr die Tunnelanlage unterhalb der S-Bahntrasse saniert werden. Der Hauptteil der Arbeiten ist in der Zeit vom 5. Juli bis 20. August vorgesehen, so der Bahnsprecher. Aus bautechnischen Gründen könne aber erst im Anschluss an die Abdichtungen mit den Arbeiten im Innenraum begonnen werden. Wie lange die Sanierung insgesamt dauert, lässt die Bahn allerdings weiterhin offen.

Ostkreuz: Seit nunmehr zwölf Jahren schon wird der Bahnhof Ostkreuz modernisiert, eigentlich aber an alter Stelle komplett neu aufgebaut. Die Arbeiten wurden im Vorjahr weitgehend abgeschlossen, aber eben nicht vollständig. So fehlt etwa noch der Regionalbahnsteig für die sogenannte Ostbahn, an dem ab Fahrplanwechsel am 9. Dezember die Regionalzüge in Richtung Templin, Werneuchen oder Küstrin (Kostrzyn) abfahren und ankommen sollen. Damit die historische Brademann-Fußgängerbrücke wieder komplett aufgebaut werden kann, muss bis Ende Mai auch noch der unterirdische Vorsorgebau für die A 100-Verlängerung in Richtung Friedrichshain einen Deckel bekommen. Ebenfalls bis Herbst 2018 soll das historische Empfangsgebäude auf dem nordwestlichen Bahnhofsvorplatz stehen, die Vorplätze selbst sollen gemeinsam mit dem Land Berlin gestaltet werden. Ob die vielfach geforderte Fahrradabstellanlage dazu gehört, ist immer noch nicht ganz klar.

Warschauer Straße: Am S-Bahnhof Warschauer Straße soll im November der neu errichtete Bahnsteig B in Betrieb genommen werden. Bis dahin soll auch ein weiteres Gleis für die S-Bahn zwischen Ostkreuz und Warschauer Straße verlegt werden. Von der dann erreichten Viergleisigkeit auf dem Streckenabschnitt verspricht sich die S-Bahn eine spürbar höhere Zuverlässigkeit ihres Betriebs auf den wichtigen Ost-West-Linien S5, S7 und S75. Damit verbunden ist allerdings eine weitere Sperrpause mit Schienenersatzverkehr (vom 26. Oktober bis 5. November). Auch die Arbeiten am neuen Eingangsgebäude gehen dann auf die Zielgerade. So sollen ab 1. September rund 500 Quadratmeter Verkaufsfläche an die Gewerbemieter übergeben werden, kündigte Jan Ebering von der Bahntochter DB Station&Service an. Einziehen werden etwa die Einzelhandelskette Rewe und der Kaffee-Multi Starbucks. Doch auch die Wurstbrater von „Curry 36“ aus Kreuzberg bekommen jetzt eine Dependance in Friedrichshain.

Schöneweide: Mit dem Bahnhof Schöneweide will die Bahn ein weiteres Großprojekt, das in den vergangenen Jahren vor allem von Stillstand gezeichnet war, voranbringen. Bis Juni 2018 soll die Unterführung Sterndamm endlich fertig sein (ursprünglich war das für 2015 angekündigt), dann kann endlich die Straßensperrung aufgehoben werden. Bevor es soweit ist, werden vom 9. bis 30. April zwei Brücken für die S-Bahn ersetzt. Im August schließlich soll die lange angekündigte Grunderneuerung des eigentlichen Bahnhofs Schöneweide beginnen. Dazu gehören auch der Neubau des Tram-Tunnels für die BVG und eines Tunnels für Fußgänger. Insgesamt will die Bahn 45 Millionen Euro in Schöneweide investieren. Der Abschluss des Bahnhofsumbaus wird von Olaf Schroeder, Projektleiter der dafür zuständigen DB Netz AG, für 2021 avisiert.


Charlottenburg: Fortsetzen will die Bahntochter DB Station&Service das vor zwei Jahren begonnene Revitalisierungsprogramm, bei denen die Stationen mithilfe von Farbe, Licht und Fotomontagen aufgewertet werden. In diesem Jahr sind die Bahnhöfe Charlottenburg, Neukölln und Hermannstraße dran, weitere zwölf sind ab 2019 in Planung.Vorbild sind die Stationen im Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn, die im Vorjahr für rund 1,5 Millionen Euro aufgehübscht wurden. „Wir haben da mit relativ einfachen Mitteln viel erreicht“, so Ebering. Besonders gut sei von den Fahrgästen die Verwendung historischer Fotografien bewertet worden, mit denen die jeweilige Geschichte des Bahnhofs erlebbar gemacht werde.

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